Johanniter begrüßen Reform der Pflegeausbildung

Berlin, 19. Januar 2016

Ausbildung von Krankenschwestern

Aus der derzeit getrennten dreijährigen Ausbildung in der Pflege – „Gesundheits- und Krankenpflege“, „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ und „Altenpflege“ - soll ein neuer Ausbildungsgang werden. Foto: Birgit Betzelt

Die Zusammenführung der derzeit getrennten dreijährigen Ausbildung in der Pflege – „Gesundheits- und Krankenpflege“, „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ und „Altenpflege“ – steht in den nächsten Jahren bevor. Nach vielen Debatten ist am 13. Januar mit der Verabschiedung eines Gesetzentwurfes im Bundeskabinett ein erster Meilenstein für einen neuen Ausbildungsgang erreicht worden. Wenn der Bundestag das Gesetz beschließt und der Bundesrat dem zustimmt, werden voraussichtlich ab 2018 nur noch „Pflegefachfrauen“ und „Pflegefachmänner“ ausgebildet.

Für Andrea Trenner, Oberin der Johanniter-Schwesternschaft und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV), ist die Zusammenführung der getrennten Ausbildungen ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Durch die Beteiligung evangelischer Pflegebildungseinrichtungen an Modellprojekten konnten wir ausreichend Erfahrungen sammeln. Wir setzen uns seit Jahren für die Entwicklung einer gemeinsamen Ausbildung mit anschließender Spezialisierung ein.“

Die Oberin sieht allerdings auch Nachbesserungsbedarf: „Der Gesetzgeber reagiert mit den gesteckten Ausbildungszielen auf die gestiegenen Anforderungen in der Krankenpflege und erfüllt die EU-Berufsanerkennungs-Richtlinie, schafft aber nicht die erforderlichen Zugangsvoraussetzungen. Ein höheres Ausbildungsniveau setzt eine gute allgemeine Schulbildung wie eine mittlere Reife oder eine zwölfjährige Schulbildung voraus.

Andrea Trenner, Ordensoberin

Andrea Trenner, Ordensoberin

Das laufende Gesetzgebungsverfahren bietet noch die Chance, eine bundesweit einheitlich geregelte Assistenzausbildung ergänzend zu etablieren und jungen Menschen auch ohne mittlere Reife einen Einstieg in den Pflegeberuf zu ermöglichen.“

Auch für Ruth Moser-Weikert, Geschäftsführerin der Johanniter Seniorenhäuser GmbH und Vorstandsmitglied des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit und Pflege (DEVAP), ist klar: „Wir brauchen Generalisten. Das zeigt uns die Realität schon heute: Immer mehr alte, multimorbide und oft demenzkranke Menschen müssen in unseren Krankenhäusern und in unserer stationären wie ambulanten Altenpflege versorgt werden. Darauf müssen wir uns schon in der Ausbildung einstellen. Die Generalistik gibt Antworten auf den veränderten Bedarf.“
Sie weist zugleich darauf hin, „ den Inhalt und die Finanzierung der neuen Ausbildung so zu gestalten, dass das neue Berufsbild die Qualität der Pflege in jedem Lebensalter sicher stellt und auch für junge Menschen attraktiv ist. Pflege braucht ein breites und durchlässiges Bildungssystem, um Pflegefachkräften neue Karrierewege zu eröffnen. Eine moderne und vielseitige Ausbildung ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Fachkräftemangel.“

Unter dem Dach der Johanniter befinden sich bundesweit mehr als 90 Altenpflegeeinrichtungen, rund 110 ambulante Dienste sowie zwölf Kliniken. Insgesamt sind bei den Johannitern rund 11.000 Pflegende beschäftigt.