Pflegereform: Was sich 2017 ändert

Berlin, 03. Januar 2017

In Kraft getreten ist das Pflegestärkungsgesetz II bereits 2016 – wirksam geworden sind einige Neuerungen jedoch erst am 1. Januar 2017. Die Johanniter geben einen Überblick über die wichtigsten Änderungen.  

Fokus auf Selbständigkeit
Mit der zweiten Stufe der Pflegereform wurde der Begriff der „Pflegebedürftigkeit“ neu definiert: Künftig nimmt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Einstufung der Pflegebedürftigkeit nach neuen Kriterien vor. Prüfte er bislang, was eine Person nicht mehr kann, bestimmt nun die Frage, wie gut jemand seinen Alltag noch alleine bewältigen kann, über die Einstufung. Entscheidend ist der Grad der Selbstständigkeit in sechs pflegerelevanten Modulen.  

Gleichbehandlung von Körper, Geist und Psyche
Für die Einstufung werden nun körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und bewertet, während früher vor allem körperliche Defizite im Mittelpunkt standen. Psychisch¬kognitive Einschränkungen können dabei vielfältig sein – eine Demenz findet ebenso Berücksichtigung wie Depressionen, Sprachverlust oder eine geistige Behinderung.  

Pflegegrade statt Pflegestufen
Die bisher geltenden drei Pflegestufen wurden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Diese erlauben eine differenziertere Bewertung und ermöglichen eine frühere Unterstützung. Wer nur in geringem Maße beeinträchtigt ist, kann mit Pflegegrad 1 zum Beispiel eine Pflegeberatung oder eine barrierearme Anpassung seines Wohnumfeldes in Anspruch nehmen.  

Keine Schlechterstellung bei vorhandener Pflegestufe
Wer bereits eine Pflegestufe besitzt, wird ohne neue Begutachtung automatisch in das neue System übergeleitet. Dabei gilt: Menschen, die bereits Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, bekommen diese auch weiterhin mindestens im gleichen Umfang; die meisten erhalten sogar deutlich mehr. 

Gleichberechtigter Zugang
Mit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs werden die bislang geltenden Sonderbestimmungen für demenziell Erkrankte überflüssig. Allen Pflegebedürftigen eines Pflegegrades stehen in Zukunft die gleichen Leistungen zu – unabhängig davon, ob sie an körperlichen Beschwerden oder einer Demenz leiden. 

Weiterführende Informationen unter www.johanniter.de/dienstleistungen/pflege-und-beratung/

Foto: Frank Schemmann