Gemeinsam für Menschlichkeit

Allein im Johanniterhaus Bremen engagieren sich 70 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Ehrenamtliches Engagement im Seniorenhaus – das klingt für viele wenig reizvoll: Über das Früher reden und zuhören, wer alles gestorben oder krank ist. „Ja, zuhören können, mitfühlend und geduldig sein, sind äußerst wichtige Eigenschaften, die man für die Arbeit mit älteren und eventuell auch an Demenz erkrankten Menschen mitbringen sollte“, bestätigt Claudia Kewitz-Schubert, Einrichtungsleiterin des Johanniterhauses Bremen. „Aber bei uns kann man sich auch darüber hinaus gut einbringen.“

Themenwoche „Die 50er“ mit Modenschau und Oldtimern

Elfriede Bade ist eine von insgesamt 70 Ehrenamtlichen des Johanniterhauses Bremen. Sie erinnert sich gern an die „50er-Jahre-Themenwoche“. Diese wurde gemeinsam mit Hartwig Claus, dem Leiter des Sozialen Dienstes, und freiwilligen Helfern organisiert: Die Ehrenamtlichen brachten eine Modenschau der 50er Jahre auf den Laufsteg, platzierten originale Bremer Borgward-Fahrzeuge zur Besichtigung vor dem Haus und erinnerten durch gängige Schlager und Möbel wie dem legendären Nierentischchen an diese Zeit.

Ein zweites Großprojekt war die maritime Woche: Der Shanty-Chor gab ein Konzert und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hielt einen Vortrag. „Das war ein großer Erfolg und es hat uns viel Spaß gemacht, das alles auf die Beine zu stellen“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ruth-Ingrid Schnibbe. Mit solchen Veranstaltungen gelingt es den Beteiligten, alte Erinnerungen der Bewohnerinnen

und Bewohner aufzufrischen und die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, auch zum eigenen Vergnügen: „Wir können uns hier im Johanniterhaus mit unserer ganzen Kreativität und unseren Ideen einbringen. Damit stoßen wir auf großes Interesse: Unsere Vorschläge werden aufgenommen“, erklärt Frau Schnibbe. 

„Wir können uns hier im Johanniterhaus mit unserer ganzen Kreativität und unseren Ideen einbringen.“

Ruth-Ingrid Schnibbe, ehrenamtliche Mitarbeiterin aus Bremen

Jeden nach seinen Fähigkeiten und Interessen einsetzen

Hadwig von Einem, Koordinatorin der Bremer Johanniter-Hilfsgemeinschaft im Johanniterhaus, weiß, wie wichtig es ist, die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihren eigenen Wünschen und Interessen einzusetzen: Die Erwartungen des Johanniterhauses werden deshalb beim Kennlerngespräch offen formuliert. „Verlässlichkeit, Empathie und die Bereitschaft, sich auf die älteren Menschen einzulassen“, zählt Hadwig von Einem auf. Bringen die Ehrenamtlichen das mit, geht es klar um ihre Vorstellungen: „Und da ist alles möglich“, sagt die Koordinatorin. „Ob sie nun Feste organisieren, einkaufen und vorlesen oder Bewohner bei Spaziergängen und Arztbesuchen begleiten.“

So hilft eine Freiwillige bei der Pflege des Gartens, andere wiederum halten Vorträge zum Beispiel über Patientenverfügungen oder die Geschichte des Johanniterordens. Wieder andere erledigen im „Repair- und Nähcafé“ kleine Arbeiten für die Senioren oder fahren im hauseigenen Johanniterbus mit den Bewohnern einkaufen.

Keine Einsamkeit auch ohne Familie in der Nähe

Nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner haben Familienanschluss, oft wohnen Kinder und Enkel weit weg oder haben wenig Zeit. Einsam sein – das muss trotzdem niemand der 84 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 70 Mieterinnen und Mieter des Bremer Johanniterhauses: Von den Ehrenamtlichen ist immer jemand bereit, Zeit zu schenken, kleine Besorgungen zu erledigen oder auch einfach die Hand zu halten.

Die ehrenamtliche Helferin Irmgard Dodt ist eine sehr herzliche Frau; sie kommt leicht mit Menschen ins Gespräch. „Über Fotografien im Bewohnerzimmer gibt es immer einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch“, sagt Frau Dodt. „Dann beginnt es bei den meisten älteren Menschen zu sprudeln, gerade über ihre eigene Lebensgeschichte. Es ist wichtig, dass sich jemand dafür interessiert.“

Gemeinschaft der Ehrenamtlichen wird unterstützt

Hanna Bahrs hilft ehrenamtlich mit, wo sie nur kann. „Unser Team ist eine eingeschworen Gemeinschaft“, sagt sie. „Wir freuen uns, hier miteinander zu arbeiten und den Bewohnern den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten. Und nach getaner ‚Arbeit‘ sitzen wir noch gerne einige Augenblicke gemütlich beisammen. Manche Schicksale gehen besonders nahe – da ist es gut, mit anderen Helfern sprechen zu können.“

Das Johanniterhaus unterstützt dies: Einmal im Monat gibt es die Möglichkeit des Austausches. Hier sprechen die Ehrenamtlichen über das Erlebte, können Situationen mithilfe von Fachvorträgen einordnen oder bei einer Supervision eigene Handlungen und Verhaltensweisen reflektieren. Diese Veranstaltungen, organisiert von Hadwig von Einem, tragen dazu bei, dass sich die freiwilligen Helfer nicht als „Einzelkämpfer“, sondern als wichtiges Team-Mitglied erleben. „Hier holen sie sich Rat oder lachen einfach mal herzhaft über eine humorvolle Begebenheit“, sagt Frau von Einem.

Wertschätzung vermitteln

Ein offenes Ohr finden die Ehrenamtlichen außerdem jederzeit bei den Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie bei den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Bestimmte Situationen müssen einfach gemeinsam gedeutet, besprochen und reflektiert werden“, beschreibt Hadwig von Einem den Gesprächsbedarf. „Nicht nur unsere Bewohner wollen begleitet und gepflegt werden, auch unsere Ehrenamtlichen müssen das Gefühl haben, willkommen zu sein“, ergänzt Hartwig Claus. Er selbst hat deshalb immer im Blick, wie es ihnen geht, ob sie im Urlaub oder krank sind oder Geburtstag haben. 

Professionelle Betreuung wird ergänzt

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind froh, dass so viele fleißige Ehrenamtliche im Johanniterhaus sie unterstützen. „Ein harmonisches Miteinander, das sich durch Respekt und Wertschätzung für die wichtige Arbeit des anderen auszeichnet, ist enorm wichtig und wohl auch ein Grund dafür, dass es so viele Freiwillige bei uns gibt“, sagt Claudia Kewitz-Schubert.

Ehrenamtliche sind im Johanniterhaus willkommen, egal ob alt oder jung, ob jeden Tag oder nur einmal im Monat. „Sie gehören einfach dazu und dieser Umstand wird von allen Seiten als Bereicherung erlebt“, so die Koordinatorin der Johanniter-Hilfsgemeinschaft.

Nachwuchssorgen bei den Ehrenamtlichen hat das Johanniterhaus nicht. „Unsere Jüngste ist zweieinhalb Jahre alt und singt mit ihrer Mutter und den demenziell erkrankten Bewohnern einmal in der Woche“, berichtet Hartwig Claus. Der zwölfjährige Lukas wiederum spielt regelmäßig am Nachmittag mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Halma, Mühle oder andere Brettspiele. Er kam vor zwei Jahren mit seinen Eltern ins Haus und wollte „irgendwie etwas Sinnvolles machen und helfen“.