Kampagne für den Pflegeberuf

Die Johanniter Seniorenhäuser sorgen für qualifizierte Mitarbeitende: Rund 400 junge Menschen, aber auch Quereinsteiger werden bundesweit ausgebildet.

Im Jahr 2060 werden voraussichtlich 14 Prozent aller Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein. Damit wächst der Bedarf an Fachkräften. „Darauf müssen wir reagieren, schon jetzt ist die Nachfrage nach qualifizierten Pflegekräften groß“, sagen Einrichtungsleitungen der Johanniter Seniorenhäuser wie Sibylle Lehmann aus Oschersleben. Koordiniert von Geschäftsführerin Ruth Moser-Weikert wurde deshalb im Jahr 2016 die bundesweite Fachkräftekampagne „Erfahrung braucht Pflege“ gestartet. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen, die sich ihr Leben lang in unsere Gesellschaft eingebracht haben; nun sollen sie im Alter gut versorgt und betreut werden. Für sie werden weitere qualifizierte und engagierte Pflegefachkräfte gesucht. Mehr als 6.500 Mitarbeitende sind bereits in den Johanniter Seniorenhäusern tätig, mehr als 80 Prozent davon sind Frauen.

Erster Ansprechpartner für Pflege 

Ziel ist es, überall, wo es Johanniter Seniorenhäuser gibt, erster Ansprechpartner für Pflege zu sein und damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Mit vielen Aktionen und Veranstaltungen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesen Anspruch aufmerksam gemacht. In zahlreichen Gesprächsforen wurde besonders die Wertschätzung für den Pflegeberuf thematisiert. Die bundesweite Berichterstattung in Print- und Onlinemedien hat viele Menschen erreicht; allein über den Rundfunk waren es am 12. Mai 2016, dem „Tag der Pflege“, mehr als neun Millionen.

Das große Engagement führte zum Erfolg: „Die zahlreich eingegangenen Bewerbungen unddie daraus erfolgten Einstellungen bestätigen uns, für Fachkräfte ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“, resümiert Ruth Moser-Weikert. Besonders überzeugend für die Bewerberinnen und Bewerber waren die Mitarbeitenden selber, die sie bei den Veranstaltungen kennengelernt haben und die eine ansprechende Arbeitsatmosphäre in ihren Teams widerspiegelten. Wichtige Punkte für die Interessierten waren ebenso eine leistungsorientierte und tarifliche Vergütung, Fort- und Weiterbildungen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, berufliche Perspektiven und flexible Arbeitszeiten.  

„Miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen – das bringt Wertschätzung hervor.“

Sibylle Lehmann,

Einrichtungsleiterin des Johanniterhauses Bethanien in Oschersleben

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Zur Stärkung ihrer Teams suchen die Johanniter Seniorenhäuser nicht nur weitere erfahrene Mitarbeitende, sie bilden auch aus, bundesweit gibt es derzeit rund 400 Auszubildende. Zu ihnen gehört Jennifer Krakau vom Johanniterhaus Lutherstift in Stendal. Die 24-Jährige fühlt sich gut begleitet: „Ich habe eine Praxisanleiterin an meiner Seite; die Kollegen im Wohnbereich nehmen sich Zeit für meine Fragen. Auf meine Situation als alleinerziehende Mutter wird bei den Arbeitszeiten eingegangen. Das hilft mir sehr.“ „Wir stehen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, erklärt Einrichtungsleiter Andreas Krüger. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen familiären Situationen passen gut zusammen. Einige bevorzugen Frühdienste, andere Spät- oder Nachtschichten und manche ziehen das Wochenende vor. Darauf aufbauend wird der Dienstplan gestaltet. A und O dafür, dass er funktioniert, ist eine gute Kommunikation.“

Chancen für Wieder- und Quereinsteiger

Wieder- und Quereinsteiger sind bei den Johannitern willkommen: Silke Hüttig war bereits über 20 Jahre als Stationshilfe, Reinigungs- und Küchenkraft im Diakoniezentrum Bethesda der Johanniter in Eisenberg beschäftigt und hatte schon drei Kinder groß gezogen, als sie die Ausbildung zur Pflegefachkraft begann. Inzwischen steht die 48-Jährige kurz vor dem Abschluss des dritten und letzten Ausbildungsjahres. Rückblickend sagt sie: „Es war mein Wunsch, in der Pflege zu arbeiten. Das Team und die Leitung haben mich darin bestärkt. Doch anfangs musste ich mich erst einmal an die Schule gewöhnen und ich musste damit klar kommen, dass ich die Älteste in der Klasse bin. Aber das stellte sich schnell als unproblematisch heraus. Wir ergänzen uns gut.“ Einrichtungsleiter Stephan Bergner weiß: „Es lohnt sich, Mitarbeitende zu qualifizieren und ihnen Mut zu machen, eine neue Aufgabe zu übernehmen. Man sieht, wie sie daran wachsen und ihre Persönlichkeit entfalten.“

Wanderausstellung der Erzählsalons

Im Jahr 2017 geht die Kampagne weiter: Neben verschiedenen Veranstaltungen sind „Erzählsalons“ mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Häusern geplant. In ihnen stehen die Erfahrungsschätze und Lebensleistungen der alten Menschen und das Engagement der Mitarbeitenden im Vordergrund. Die gesammelten Geschichten von vier „Erzählsalons“ werden anschließend in Text und Bild in einer Wanderausstellung in verschiedenen Johanniterhäusern, in öffentlichen Räumen und bei Kooperationspartnern vorgestellt. „Ziel ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen. Das bringt Wertschätzung hervor, sowohl für die Menschen, die bei uns gepflegt werden, als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei uns arbeiten. Damit tragen wir zur Anerkennung des Pflegeberufes bei.“ Davon ist Einrichtungsleiterin Sibylle Lehmann überzeugt.