Lotsen für eine bessere Versorgung

Berlin, 01. Dezember 2017

„Die Johanniter als Versorgungsgestalter“ – unter dieser Überschrift fanden die diesjährigen Johanniter-Innovationstage am 29. und 30. November in Köln statt. Mehr als 100  Führungskräfte des Johanniterordens, aus dem stationären Johanniter-Verbund und der Johanniter-Unfall-Hilfe waren der Einladung der Johanniter GmbH und der Arbeitsgemeinschaft Ordenshäuser und Schwesternschaft zum Ideenaustausch gefolgt, unter ihnen Ordenskanzler Alexander Baron v. Korff, Ordenswerkmeister Christian Dyckerhoff, Generalsekretär Wolf-Ingo Kunze und Thilo v. Selchow, Kommendator der Rheinischen Genossenschaft des Johanniterordens.

Im Gespräch für eine schnelle und unkomplizierte Fürsorge – v.l.n.r. Oberin Carmen Schönberg vom Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht, Andreas Weigel, Mitglied des Landesvorstandes Sachsen-Anhalt-Thüringen der Johanniter-Unfall-Hilfe, Heike Steffens, Einrichtungsleiterin des Johanniter-Hauses Weschnitztal in Rimbach, und Ralf Hörstgen, Geschäftsführer des Johanniter Competence Centers (JCC) Foto: Andreas Schoelzel

Versorgung gestalten, das heißt für die Johanniter ganz wesentlich, sich vom Geist der Sorge um den hilfesuchenden Menschen leiten zu lassen, kurz gesagt, es geht um konkrete Fürsorge. In die gegenwärtige Situation hinein übersetzt heißt Fürsorge nicht zuletzt., Menschen den schnellen und unkomplizierten Zugang zu dringend benötigen Leistungen zu erleichtern, etwa für die Angehörigen, die einen Kurzzeitpflegeplatz für die an Demenz erkrankte Mutter brauchen, weil der Vater, der die Pflege übernommen hat, plötzlich ins Krankenhaus muss, danach eine Rehabilitation braucht und anschließend den Hausnotruf, den Menüservice und eine Haushaltshilfe benötigt. In dieser Notlage braucht es einen Kümmerer, einen Lotsen, der berät, vermittelt und organisiert, sei es in einem Service-Center oder an einer anderen Schnittstelle. Ralf Sick, Bereichsleiter Bildung und Erziehung in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe, stellte das werkeübergreifende Projekt vor, für das gegenwärtig eine Datenbank mit allen Johanniter-Leistungen bundesweit erstellt wird.

Ordenswerkmeister Christian Dyckerhoff überreichte feierlich die Johanniter-Förderpreise an die Vertreter des Johanniter-Krankenhauses in Bonn, der Johanniter-Klinik am Rombergpark in Dortmund und des Regionalverbandes Brandenburg-West der Johanniter-Unfall-Hilfe. Foto: Andreas Schoelzel

Zu den Referenten zählte auch Prof. Dr. Andreas H. Jacobs, Chefarzt am Johanniter-Krankenhaus in Bonn. Er ging als Geriater und Neurologe anschaulich der Fragestellung „Kognitiv eingeschränkte Personen: Was kommt auf uns zu?“ nach. Im Rahmen eines von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projektes trägt er gemeinsam mit Pflegedienstleiter Andy Seuthe, Kathrin Weitensteiner aus dem Bereich Pflege und seinem gesamten Team ganz praktisch zur besseren Versorgung von kognitiv eingeschränkten Patienten im Krankenhaus bei. Dafür werden seit einigen Monaten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Bereiche, sowohl in der Medizin, in der Pflege als auch in der Verwaltung, verpflichtend in Fragen Kommunikation und Verhalten geschult. Unterstützend wurde eine Schulungs-Booklet erarbeitet. Zugleich erhält jeder ein von der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld für Mitarbeitende erstelltes informatives Begleitheft. Das Bonner Projekt, zu dem auch strukturelle Verbesserungen gehören, erhielt während der Innovationstage einen Johanniter-Förderpreis.

Einen Förderpreis erhielt ebenso Chefarzt Dr. Christoph Schäfer, Neurologe an der Johanniter-Klinik am Rombergpark in Dortmund, für das Projekt der patientenzentrierten Versorgung, das er gemeinsam mit der Universität Witten-Herdecke und weiteren Kooperationspartnern erarbeitete. Sein Ziel ist es, alle an der Genesung eines Patienten Beteiligten - den Hausarzt, Fachärzte und Therapeuten - in einem festgelegten Dortmunder Bezirk, aus dem die meisten Patienten kommen, auf den gleichen Informationsstand zu bringen. Dafür soll es künftig eine App geben. Die Freigabe der Daten ist über den Patienten geregelt. 

Ausgezeichnet wurde ebenso der Regionalverband Brandenburg-West der Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie erwiesen sich als Kümmerer bei der Betreuung von Flüchtlingskindern im Eltern-Kind-Treff im Übergangswohnheim Nauen. Dabei geht es darum, Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren auf den Übergang in den Kindergarten bzw. die Schule vorzubereiten und dabei die Eltern zu begleiten. Ziel ist nicht zuletzt die Förderung sozialer, motorischer, emotionaler und sprachlicher Kompetenzen. Den Preis nahmen stellvertretend Jugendkoordinatorin Rahel Merten und der Öffentlichkeitsbeauftragte Martin Weinaug entgegen. Auch sie sind Lotsen – hier im Bereich Integration. 

Blick in das Abschlussforum der Innovationstage Foto: Andreas Schoelzel