JHG-Bundestagung 2015 in Magdeburg

Magdeburg, 17. Dezember 2015

fotofuchs, Magdeburg

Die Bundestagung 2015 der Johanniter-Hilfsgemeinschaften fand vom 4. bis 6. September 2015 im Magdeburger Ratswaage-Hotel statt. Beinahe 100 Personen haben daran teilgenommen, darunter Mitglieder der Ordensregierung, Kommen-datoren, JHG-Beauftragte von Genossenschaften/Kommenden, Vertreter/innen von über 40 JHGen, der Vorsitzende der JHG Finnland sowie Repräsentanten der evan-gelischen Kirche und des JUH-Regionalvorstandes Magdeburg teil.

Den Anlass für die Ortswahl gab die Gründung der JHG Magdeburg als erste Hilfsgemeinschaft in den neuen Bundesländern vor 25 Jahren, also noch vor der deutschen Wiedervereinigung. Die damalige Eintragung in das Vereinsregister, die dieser außergewöhnlichen Zeit entspricht, enthält auch folgenden Zusatz: „Von der Beidrückung eines Dienstsiegels wurde abgesehen, weil ein Dienstsiegel durch Gesetz noch nicht eingeführt ist.“

Am Abend des 4. September 2015 wurden die Teilnehmer durch den Ordensbeauftragten für die Johanniter-Hilfsgemeinschaften, EK Christoph Frhr. v.  Hammerstein, begrüßt. Es schloss sich ein Grußwort des Regierenden Kommendators der gastgebenden Provinzial-Sächsischen Genossenschaft, Martin von Gehren, an, in dem er den hohen Stellenwert der JHGen im Orden, deren Vielfalt an Tätigkeiten und das große ehrenamtliche Engagement hervorhob. Ein Höhepunkt war das anschließend mit viel Beifall bedachte Referat von Altbischof Prof. Axel Noack, der in acht Punkten „Zur Rolle und Funktion des Glaubens im diakonischen Handeln“ vorgetragen hat. In der anschließenden Aussprache zeigten sich alle Teilnehmer von diesem richtungsweisenden und inhaltsreichen Vortrag beeindruckt.

Am zweiten Tag, dem 5. September 2015, wurde die Tagung mit einem Grußwort des Vorsitzenden der JHG Magdeburg, RR Andreas Volkmann, fortgesetzt. Heute zählt die JHG Magdeburg 70 Mitglieder. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehören der Besuchsdienst, die Unterstützung zweier Jugendprojekte in der Region, die Förderung eines orthodoxen Klosters in Rumänien und aktuell auch die Flüchtlingshilfe.

Viel Beachtung fand der anschließende Vortrag des Ordenskanzlers, Alexander Baron von Korff, über „Die Zukunftsaufgaben des Ordens und der Johanniter-Hilfsgemeinschaften“. Es müsse unaufgebbar an dem johanniterlichen Doppelauftrag festgehalten werden. Das gelte sowohl im Bereich unseres diakonischen Handelns als auch für den christlichen Glauben, der von uns nicht nur intern, sondern auch nach außen hin erkennbar gelebt werden müsse. Die künftigen Aufgaben der JHGen seien vorrangig vor Ort zu suchen, etwa im Besuchsdienst, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder in der Unterstützung der Flüchtlingshilfe der Johanniter. Dabei komme dem Ehrenamt in den Hilfsgemeinschaften eine zunehmende Bedeutung zu.

Der JHG-Ordensbeauftrage, Christoph Frhr. von Hammerstein, gab in seinem anschließenden Bericht einen Überblick über die aktuelle Struktur und Tätigkeit der Johanniter-Hilfsgemeinschaften in Deutschland, Europa und Übersee. Nach den wenige Tage vor der Bundestagung erfolgten Gründungen der JHG Hildesheim und der JHG Paderborn bestehen derzeit 87 JHGen, davon 73 in Deutschland, 6 in Europa außerhalb Deutschlands und 8 in Übersee mit insgesamt über 6.000 Mitgliedern. Die JHGen seien das Ordenswerk, das ausschließlich ehrenamtlich arbeite, was auch in der Zukunft bestimmend sei. Neben den vielfältigen Aktivitäten der JHGen bereits heute werden künftig weitere Aufgaben zu leisten sein, so z. B. die Flüchtlingshilfe. Wo es möglich ist, sollte dies in Zusammenarbeit/Vernetzung mit anderen Werken und Einrichtungen des Ordens erfolgen.

Am Nachmittag hat zunächst Jadwiga Kusch von der Beratungsstelle für den Johanniter-Besuchsdienst über den „Auf- und Ausbau eines ehrenamtlichen Johanniter-Besuchsdienstes im ambulanten und stationären Bereich“ referiert. Anschließend hat der Werkmeister der sächsischen Genossenschaft, RR Cord-Siegfried Frhr. von Hodenberg, seine Gedanken zur Notwendigkeit der „Zusammenarbeit und Vernetzung von Werken und Einrichtungen des Ordens“ dargelegt. Beiden Referaten schloss sich eine umfangreiche Aussprache an.

Den Abschluss fand dieser Nachmittag in einem festlichen Abendmahlsgottesdienst. Darin hat der Magdeburger Superintendent Stephan Hoenen über Römer 8, 31-39 gepredigt. Zur musikalischen Bereicherung hat die Aufführung einer Kantate zum Predigttext beigetragen, die von Bernd Musil, dem ersten Vorsitzenden der JHG Magdeburg, geleitet wurde.

Im Anschluss daran war zu einem festlichen Abendessen eingeladen worden. Über die Tagungsteilnehmer hinaus waren neben den Mitgliedern der JHG Magdeburg auch Mitglieder der JHG Bonn dazu eingeladen, die vor 25 Jahren maßgeblichen Anteil an der Magdeburger Neugründung gehabt haben.

Nach einer Morgenandacht, gehalten vom RR Stephen Stehli, war die erste Plenumssitzung am Sonntag, dem 6. September 2015, aus aktuellem Anlass den momentan dringlichen Fragen zur Flüchtlingshilfe gewidmet. Dabei sind verschiedene Erfahrungen und Anregungen ausgetauscht worden. Von der Bundestagung wurden einmütig Empfehlungen zur ehrenamtlichen Tätigkeit von JHGen in der Flüchtlingshilfe ausgesprochen, die in einem Schreiben den Werken und Einrichtungen des Ordens mitgeteilt werden. Bezeichnend für die Dringlichkeit unseres johanniterlichen Handelns angesichts dieser Aufgabe war, dass die Vertreter der JHG Lüneburg-Dannenberg vorzeitig von der Bundestagung abgereist sind, um bei der kurzfristigen Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft tätig zu werden. So gingen sie – wie der JHG-Ordensbeauftragte es formuliert hat - „direkt von der Bundestagung in den Einsatz“.

Mit einem anschließenden Vortrag hat RR Michael Frick, Vorsitzender der JHG Rostock, zu Fragen um „Recht und Finanzen“ referiert. In der anschließenden Diskussion wurden diverse Punkte zu Satzung, Versicherungen, Jahresrechnungen und Mitgliedschaft behandelt. Dabei wurde auch die besondere Verantwortung der Johanniter-Hilfsgemeinschaften für die Sicherung der Gemeinnützigkeit der Genossenschaften/Kommenden deutlich.

In seinem Schlusswort hat der JHG-Ordensbeauftragte die wesentlichen Ergebnisse dieser Bundestagung zusammengefasst und sowohl der JHG Magdeburg als auch der Provinzial-Sächsischen Genossenschaft für die ausgezeichnete Vorbereitung und Durchführung der Tagung gedankt. Nach einem Mittagessen haben die Tagungsteilnehmer mit vielen guten Eindrücken, wichtigen neuen Erkenntnissen und in Vorfreude auf die Bundestagung 2017 in Lüneburg voneinander Abschied genommen.

RR Andreas Volkmann

Vorsitzender der JHG Magdeburg