Engagement über Ländergrenzen hinaus

Gabriele Roettger - Dreieich, 18. Oktober 2017

Seit 10 Jahren engagiere ich mich in der Weiterbildung der Pflegekräfte in Weißrussland. Gerne bestätigte ich daher die Anfrage nach einer weiteren Schulung und flog am 04.10.2017 nach Minsk, um in der Ortschaft Terassowa eine Schulung in rückenschonender Arbeitsweise durchzuführen. Mit Erfolg und vielen Fragen konnten rund 50 Teilnehmer in sechs Tagen a 9 Stunden unterrichtet werden. Die Besonderheit der Schulung bestand darin, dass die Teilnehmer an praxisnahen Beispielen ihre eigene Situation vor Ort nachstellen und praxistaugliche Übungen durchführen konnten. Die Spezifika vor Ort sind das Nichtvorhandensein von Pflegebetten, kaum Platz zwischen den Betten, keine Lifter und nur einfache Lagerungshilfsmittel.

Die Teilnehmer waren eine bunt gemischte Gruppe bestehend aus Ärzten, Krankenschwestern, Einrichtungsleitungen, Studenten der sozialen Arbeit, Feldschern (Krankenschwestern mit erweiterten medizinischen Kompetenzen, 4-jährige Ausbildung) und Sporttherapeuten.

Am ersten Abend erwarteten mich die Teilnehmer der letztjährigen Kurse bereits voller Vorfreude, um Erfahrungen und Neuigkeiten auszutauschen. Besonders gefreut hat mich, dass aus den ersten Kursen von vor 10 Jahren bereits eigene Initiativen zur Verbesserung der Situation zuhause entstanden sind und aufgrund der erlernten Fähigkeiten weitergegeben wurden. Somit ist das Ziel meiner Arbeit, Wissen so weiterzugeben, dass es selbständig in anderen Kursen weitergegeben werden kann, also Hilfe zur Selbsthilfe, erfolgreich umgesetzt worden.

Generell ist zu erwähnen, dass sich die Situation von pflegebedürftigen Menschen aller Altersklassen (!) in den letzten 10 Jahren in Weißrussland leicht verbessert hat, jedoch noch weit von dem in Deutschland gängigen Standard entfernt ist. Pflegeheime mit bis zu 600 Pflegebedürftigen im Alter von 18 bis 100 Jahren ist dortiger Standard. Behinderte Babys und Kleinkinder, die nicht das Glück haben in der eigenen Familie gepflegt zu werden, erhalten erst ab dem 3. Lebensjahr eine zum Teil sehr unzureichende Förderung.

Nach diesen intensiven Tagen zeigt sich mir immer wieder, wie wichtig und sinnvoll eine gezielte Fortbildung der vor Ort tätigen Pflegenden ist. Ich erfreue mich an den zu spürenden Fortschritten. Es ist wie ein Stein, der ins Wasser geworfen Wellen schlägt. Für mich sind diese Erfahrungen in Weißrussland sehr wertvoll und ich kann nur empfehlen, lernen Sie die Verhältnisse im Gesundheitswesen in den benachbarten Staaten kennen, schließen Sie Freundschaften über Ländergrenzen und helfen Sie.

Johanniterschwester Gabriele Roettger