nach-gedacht

Impuls zum Monat Juni

Foto: Carosy

"Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt." Hebr. 13,2

Spontane Begeisterung ist etwas Schönes. Eine neue Idee reißt uns mit, setzt ungeahnte Kräfte frei und krempelt unseren Alltag um. Wir fühlen uns gut und wie neugeboren. Aber, aus Erfahrung, wissen wir, dass der alte Mensch sich schnell zurückmeldet und alte Gewohnheiten schleichen sich wieder ein.

Der Verfasser des Hebräerbriefes dürfte solche Menschen wie uns vor Augen gehabt haben. Er schreibt an die frisch gebackenen Christen, die ehemals Juden waren. Sie sind Neubekehrte und waren eifrig bei der Sache. Doch nun hat der Alltag sie eingeholt und so mancher Judenchrist sehnt sich nach den festlichen und feierlichen Ritualen zurück.

Der Brief mahnt sie mit allem Nachdruck: Beim Glauben an Jesus Christus kann man keine halben Sachen machen. Da geht es ums Entweder-Oder. Christus hat die Welt verändert und neue Maßstäbe gesetzt; er hat die Macht der Mächtigen relativiert und Gottes Macht zur Geltung gebracht. Er hat die Menschen aus ihrem bisherigen Leben weggeholt und sie in die Nachfolge gerufen. Mit Jesu Auferstehung von den Toten ist das ganze Weltgefüge erschüttert und herausgerissen aus der Macht des Todes.

Christsein verlangt von uns Menschen mehr als spontane Begeisterung. Es verlangt eine endgültige Entscheidung. Wofür?

  • Dass wir erkennen, was Gott uns geschenkt hat,
  • dass wir uns einlassen auf seine Liebe, die von uns erwidert werden möchte,
  • dass wir unser Leben in jeder Minute auf ihn ausrichten.
  • Mit anderen Worten, dass wir unseren Glauben im Alltag leben.

Um dementsprechend zu leben, empfiehlt der Schreiber des Briefes den Christen keine außergewöhnlichen spirituellen Übungen. Stattdessen benennt er einige wenige Beispiele: Zusammenhalt, Gastfreundschaft, Sorge um Gefangene und Arme, Treue in der Ehe, Bescheidenheit, Respekt vor den Führungskräften in der Gemeinde und Festhalten am Katechismus, d.h. an dem was wir über den Glauben gelernt haben.

Damit will er sicherlich nicht auf festliche Gottesdienste verzichten. Nur, die Nachfolge Jesu soll sich nicht darin erschöpfen. Der Glaube soll im Alltag gelebt und umgesetzt werden, und zwar in Dingen, die auf den ersten Blick als selbstverständlich erscheinen.

Dadurch wird die Nachfolge nicht verwässert; sie bleibt ein Risiko. Aber wir haben eine Gewissheit, die uns niemand nehmen kann: Wer an Gott glaubt, der hat eine Heimat bei ihm. Sie reicht weit über unseren Alltag hinaus. Und doch beginnt sie schon jetzt für die, die Christus nachfolgen wollen, bereits hier und jetzt, mitten im Alltag.

Als Christen sind wir eine Schicksalsgemeinschaft vor Gott. Alles, was ein Einzelner tut oder unterlässt, hat Auswirkungen auf alle. Es ist ein Irrtum, zu denken, das Handeln - ob nun gut oder bösartig - habe nur für den Einzelnen selbst Konsequenzen. Dass das nicht so ist, merken wir in den Problemen, die wir heutzutage haben: Umweltverschmutzung, Klimawandel, Wirtschaftskrisen, Kriege überall und die damit verbundenen Flüchtlingsströme. Wir sind weltweit eine Schicksalsgemeinschaft geworden. Diese wird nur überleben, wenn wir alle füreinander einstehen im alltäglichen Handeln.

Gottes Engel brauchen keine Flügel...

Fördermitglied Soeur Ute Hampel

Impuls zur Jahreslosung 2018

"Woher kommt das Wasser, Kinder?" "Aus der Wasserleitung, Mami." Das wäre doch sehr einfach, wenn das so funktionieren würde. Aber Gott hat andere Pläne. Wenn man die Jahreslosung genau betrachtet, kommt ein Bild in den Mittelpunkt: Gott gibt das Wasser - man muss also seine Hand aufhalten, um es zu bekommen. Muss sich Gott entgegenstrecken und sich ihm ganz zuwenden. Das wird die Aufgabe dieses Jahres - sich Gott zuwenden und sich dann gestärkt dem Nächsten, dem Mitmenschen zuwenden, um die unterschiedlichen Arten von Durst zu stillen, die so viele Menschen heute quälen. Wasser fließt; genauso wie Gnade, wie geteilte Freude und Leid. Mit dem Wasser, das Gott schenkt im Gepäck, das ja als Metapher für so vieles steht, geht es hin auf das Ziel, das auch in der Offenbarung genannt wird: "Ich bin das A und O, der Anfang und das Ziel."

Johanniterschwester Elisabeth Kühnelt-Leddihn