Leitbild und Erläuterungen

1. Grundlagen für die Tätigkeit als Johanniterschwester

1.1 Wir Johanniterschwestern leisten unseren Dienst auf der Grundlage des christlichen Glaubens, vor allem im Blick auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe.

Mit unserer Arbeit und unserem Leben wollen wir bewusst das Evangelium veranschaulichen und zum Glauben einladen.

Grundlagen finden wir z.B. in

 

Lukas 10,27: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst."

Matthäus 25,40: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

In den Leitlinien zum Diakonat (Art. 1,1) wird verdeutlicht: "Die Kirche steht unter dem Auftrag, durch die Verkündigung, durch ihr Sein und Handeln die im Evangelium von Jesus Christus bezeugte Liebe Gottes der Welt mitzuteilen." Das heißt konkret:

  • wir machen unseren Auftrag in der Gesellschaft sichtbar.
  • Diakonisches Handeln ist Christsein in der Öffentlichkeit. Diakonie erfahren heißt erkennen: Die Kirche lebt, der christliche Glaube ist lebendig
  • wir achten die Würde jedes Menschen, weil er ein "Ebenbild Gottes" ist, d.h. dass wir sein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf sein menschenwürdiges Leben und Sterben achten
  • wir sind bereit, miteinander zu leben und füreinander einzustehen
  • wir nehmen den Anderen ( Kollegen, Patienten, Mitmenschen )
  •      wahr
  • wir suchen im ganz Alltäglichen Positives und nehmen Schwächen an - auch unsere eigenen

1.2 Wir Johanniter- Schwestern wollen dieses Gebot dadurch erfüllen, dass wir Kranke pflegen, Sterbende begleiten, Trauernde trösten und Gesunde beraten.

Die Ausübung des Pflegeberufes als tätige Nächstenliebe war von Anfang an die grundlegende Tätigkeit des Johanniterordens (".. den Herren Kranken dienen"). Sie ist Ausdruck unseres christlichen Glaubens und wird inhaltlich durch die Bedeutung des achtspitzigen Kreuzes geprägt. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben, besonders den Kardinaltugenden und den Seligpreisungen, unterscheidet uns von anderen Pflegegemeinschaften.

1.3 Wir Johanniterschwestern verwirklichen unseren Auftrag im Zeichen des Johanniterkreuzes. Seine vier Arme symbolisieren die Tugenden des Mutes, der Gerechtigkeit, der Weisheit und der Mäßigung. Die acht Spitzen des Kreuzes erinnern an die acht Seligpreisungen der Bergpredigt, die unser Leben und unsere Arbeit begleiten.

Nach außen hin zeigen wir unsere Zugehörigkeit zur Johanniter-Schwesternschaft und zum Johanniterorden durch die Brosche mit dem Johanniterkreuz und ggf. unsere Kleidung (s. Kleiderordnung). Wir ermöglichen unseren Mitmenschen dadurch uns zu erkennen und signalisieren unsere Ansprechbarkeit. Für uns ist die Tracht Aussage und Verpflichtung. Die vier Kardinaltugenden bedeuten uns:

Mutig wollen wir unseren christlichen Glauben bekennen und für Schwache eintreten, auch wenn es uns selbst Nachteile bringt.

Gerechtigkeit wollen wir durch Chancengerechtigkeit zu erreichen versuchen. Wir schätzen jeden Menschen mit seinen Stärken und Schwächen. Jeder braucht seinen Freiraum, seinen Schutzraum, seine Chance, um sich entfalten zu können. Um Gerechtigkeit innerhalb unserer Gemeinschaft nicht von Einzelnen abhängig zu machen, gestalten wir für uns eine demokratische Satzung.

Weisheit wird vor allem durch Erfahrung und lebenslanges Lernen erlangt. Wir schätzen die Berufs- und Lebenserfahrung unserer Mitglieder, indem wir nach ihr fragen und sie für die Schwesternschaft nutzen wollen.

Mäßigung ist unabdingbar in unserer Gemeinschaft. Das bedeutet für uns, dass wir die Gemeininteressen vor die Einzelinteressen stellen. Wir wollen mit inneren und äußeren Ressourcen bewusst und maßvoll umgehen.

1.4 Wir sind ein Ordenswerk des Johanniterordens. Wir pflegen die Zusammenarbeit mit den Personen und Werken unseres Ordens und setzen den von ihm seit 900 Jahren praktizierten Dienst am Menschen fort.

In der Tradition dieses Ordens stehend, bildeten Johanniterschwestern 1958 einen eigenen eingetragenen Verein, die "Johanniter-Schwesternschaft". Wir leisten heute professionelle Hilfe an vielen Stellen des Gesundheits- und Sozialwesens und bieten den Menschen unserer Gesellschaft so eine wesentliche Dienstleistung an. Unsere Gemeinschaft geht wie alle Ordenswerke von der Ordensregel als gemeinsamer Basis aus und strebt an, diese mit Leben zu füllen. Wir sind geprägt von gegenseitigem Vertrauen durch Transparenz und ständige Kommunikation, vom Willen zur konstruktiven und unterstützenden Zusammenarbeit. Konfliktfähigkeit und Toleranz sind Grundvoraussetzungen. Wir finden gemeinsam Formen zur Vernetzung der Ordenswerke. Die Strukturen sind gekennzeichnet von soviel geprägter Organisation wie nötig und soviel Flexibilität wie möglich. Wir achten die Kompetenz der anderen, akzeptieren konstruktives Hinterfragen und beantworten es kompetent. Traditionen des Ordens nehmen wir auf und übertragen sie auf die Herausforderungen unserer Zeit. Wir wollen sie für die Anforderungen der Zukunft weiterentwickeln. Die Zielsetzung des Johanniterordens geht vor Einzelinteressen der Ordenswerke, d.h. bei jeder Einzelentscheidung sind die Gesamtkonsequenzen zu berücksichtigen.

2 Aufgaben und Ziele der Johanniterschwester in der Schwesternschaft

2.1 Wir sind eine Gemeinschaft von Frauen in der Evangelischen Kirche, die auch für Frauen anderer christlicher Kirchen offen ist.

Christliche Kirchen sind für uns die in der "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland e.V." zusammengeschlossenen.

2.2 Wir Johanniter-Schwestern übernehmen Verantwortung in der Sorge um den Menschen. Wir wollen Hilfsbedürftigen eine ganzheitliche Versorgung bieten und dazu beitragen, dass die dafür notwendigen Bedingungen geschaffen werden. Das sind Ausgangs-, Mittel- und Zielpunkte unserer Bemühungen.

Wichtigste Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Wir übernehmen pflegerische Verantwortung im unmittelbaren Dienst am Patienten und im Krankenhausmanagement (Leitungsfunktionen). Wir unterstützen die Vermittlung von Kenntnissen. Wir setzen uns für das als richtig Erkannte auch öffentlich ein.

2.3 Wir Johanniter-Schwestern reagieren auf neue Formen sozialer Not, vor allem von Menschen in unserer Gesellschaft, die wenig Lebenschancen haben.

Wir beobachten aufmerksam unser gesellschaftliches Umfeld und versuchen kreativ und innovativ Unterstützung anzubieten. Dies geschieht durch einzelne Johanniter-Schwestern oder wäre z.B. möglich durch die Beteiligung an Hospizarbeit durch die Johanniter-Schwesternschaft. Bei allem Engagement achten wir auf unsere Leistungsgrenzen.

2.4 Wir sind offen für Frauen aus allen pflegerischen Berufen, pflegebezogenen Studiengängen und anderen Gesundheitsberufen, wenn sie die pflegerische Ausrichtung und das Leitbild unserer Vereinigung anerkennen und mittragen wollen.

Wir legen Aufnahmekriterien fest. Für Bewerberinnen aus anderen Gesundheitsberufen (einschließlich Sozialberufen) ist fachlich die pflegerische Ausrichtung ihrer Ausbildung und Tätigkeit maßgeblich. Beispiele für Gesundheitsberufe, die Mitglied werden können, sind: Gesundheits- und Kranken- bzw. Kinderkrankenpflegerinnen, Altenpflegerinnen, Hebammen, Physio-/Ergotherapeutinnen, Logopädinnen. Die Johanniterschwestern haben so die Chance als multidisziplinäres Team zusammenzuarbeiten.

2.5 Wir möchten unser Engagement, unsere Kompetenzen und unsere Professionalität verantwortlich realisieren. Besonders unterstützt die Gemeinschaft diejenigen, die innovativ und kreativ nach neuen Wegen suchen.

Das bedeutet für uns vor allem, dass wir uns mit den Entwicklungen und Formen der stationären und ambulanten Pflege immer wieder neu vertraut machen und Versuche unterstützen, Ideen in der Praxis zu erproben und ggf. anzuwenden. Dieser Prozeß erfordert auch die Kooperation mit anderen Berufsgruppen.

Verantwortlich heißt für uns:

  • notwendige Informationen beschaffen und erhalten, Rechenschaftspflichten wahrnehmen, Eigeninitiative entwickeln
  • Entscheidungsbefugnis besitzen und anwenden, konkrete Kompetenzen einsetzen
  • für unser Handeln einzustehen ("Kunden-orientiert" und effizient), Handeln abzustimmen
  • durch regelmäßige Weiterbildung Kenntnisse erweitern

2.6 Wir erwarten voneinander Wertschätzung und Aufrichtigkeit.
Wir arbeiten daran, dass das Gespräch zwischen den Generationen ständig weitergeführt wird und wir bereit sind, voneinander zu lernen.

Konkret:

Da jeder Mensch ein Individuum ist, gilt es, ihn in seinen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Ebenen zu respektieren und zu unterstützen. Dabei helfen z.B. folgende Möglichkeiten:

  • Pflege aller Gelegenheiten, an denen das Gespräch zwischen den Generationen und Johanniterschwestern verschiedenster Arbeitsgebiete möglich ist (Schwesterntage, Fortbildungen, Arbeitskreise...)
  • regionale Treffen / überregionale Treffen, um Ziele und Vorgehensweisen gemeinsam zu erarbeiten
  • Konstruktive Kritik üben und annehmen lernen
  • Probleme bearbeiten und nicht "Schuldige suchen"
  • Regionalschwestern sind Anlaufstellen (Wünsche / Anliegen erfragen oder annehmen und Weitergabe der Information regional / überregional )

2.7  Wir halten bewusst daran fest, eine Gemeinschaft von Frauen zu sein, die sich in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung im Dienst am Nächsten solidarisch und partnerschaftlich unterstützen.

Wir fördern dies durch folgende Maßnahmen:

  • Schutz der Johanniterschwestern durch Rechtsschutzversicherung
  • Beratung z.B. bei Arbeitsplatzwechsel, Ruhestand, Berufsunfähigkeit, Wiedereingliederung
  • Stipendien
  • Fortbildung, Weiterbildung, Studium
  • Zuschüsse/Darlehen für Fort-/Weiterbildungen, Studium
  • gegenseitige Gesprächs- und Hilfsangebote im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten

Wir sind offen für weitere Veränderungen, z.B. Aufnahme von Männern. Im Jahr 2005 erfolgte deshalb eine Neufassung der Satzung.
Durch Beschluss der Mitgliederversammlung werden vorerst nur Frauen als ordentliche Mitglieder aufgenommen. Herren können z.Zt. als Fördermitglieder beitreten.

2.8 Wir sorgen für bestmögliche Voraussetzungen in Aus-, Fort- und Weiterbildung, wobei wir immer wieder die Fähigkeiten und Ressourcen in unserer Gemeinschaft und im Orden einbeziehen wollen. Wir fördern Neigungen und Begabungen, um verantwortungsvolle Leitungsfunktionen übernehmen zu können.

Konkret:

  • Erstellung eines qualifizierten, auf die Ziele der Schwesternschaft und ihrer Mitglieder ausgerichteten Fortbildungsangebotes.
  • Information der Schwesternschaft zur Karriereplanung
  • Vermittelnde Hilfe wie z.B. Kontakte zu Stiftungen, zu anderen, weitergebildeten Schwestern, Studienabsolventinnen.
  • Aktive Nachwuchsförderung, Qualifizierungsgespräche sowie regelmäßige Angebote zur persönlichen Glaubensentwicklung und Lebensentwicklung sind weitere grundlegende Pfeiler unseres Aus- und Weiterbildungskonzeptes.
  • Wir wünschen uns Leitungskräfte, die qualifiziert sind: Menschlich, fachlich, christlich und wirtschaftlich. Dazu betreibt der Vorstand der Schwesternschaft eine gezielte Personalpolitik.

2.9 Wir nutzen unsere Professionalität aus der pflegerischen und sozialen Arbeit für die Teilnahme an der öffentlichen Diskussion zu berufs-, gesundheits und gesellschaftspolitischen Themen.

Unsere Berufe üben wir mit immer wieder aktualisiertem Fachwissen und mit voller Verantwortung aus. Das verpflichtet uns auch, uns zu Themen zu äußern, zu denen wir durch unsere Fachkompetenz einen Beitrag leisten können, mit den Zielen:

  • die Meinungsbildung innerhalb der Schwesternschaft und der Johanniter-Familie zu fördern
  • Öffentlichkeitsarbeit für die Schwesternschaft zu leisten
  • zur Zukunftsgestaltung bzw. Weiterentwicklung unseres Berufsstandes beizutragen
  • unseren berufspolitischen Beitrag in der öffentlichen Diskussion deutlich zu machen

Wir sind kein Berufsverband!

2.10 Wir bemühen uns um eine gute Kooperation mit Menschen, die im Dienste von Hilfsbedürftigen stehen und die nicht unserer Gemeinschaft angehören.

Täglich arbeiten wir mit Pflegenden und anderen Berufsgruppen, die im Gesundheits- und Sozialwesen tätig sind, zusammen. Für die konkrete Tätigkeit vor Ort bis hin zu berufspolitischem Engagement sind wir gegenseitig aufeinander angewiesen, um den Dienst gut ausüben zu können.

Wir wollen diese Kooperation pflegen durch Offenheit und regelmäßige, konstruktive Gespräche mit anderen Berufsgruppen, Berufsverbänden, Schwesternschaften, Angehörigen, Selbsthilfeorganisationen, Politikern...

Zentrale Koordinationsstelle für die Kommunikation außerhalb unserer Tätigkeitsfelder ist die Ordensoberin, die ihrerseits Aufgaben delegieren kann.

2.11 Wir erwarten von uns, dass wir aktiv an dem fachlichen und sozialen Leben der Schwesternschaft teilnehmen, es mittragen und einander Rückhalt bieten. Die notwendige Transparenz wird gewährleistet durch größtmögliche Information und Kommunikation.

Der Qualitätssicherungsprozess in der Schwesternschaft bedeutet für uns, dass die Mitglieder regelmäßig an einem Schwesterntag und/oder an anderen Aktivitäten der Schwesternschaft teilnehmen. Wir bieten einander Rückhalt durch das angebotene Gespräch mit den Regionalschwestern und anderen Johanniterschwestern sowie durch regionale Begegnungen. Bei jeder Veranstaltung sollte angemessener Raum und Zeit zur Verfügung stehen, dass sich Teilnehmende vorstellen und kennenlernen können. Während unserer aktiven Tätigkeit im Beruf, verpflichten wir uns zur Teilnahme, nach den Regeln der freiwilligen Registrierung für beruflich Pflegende.


2.12 Wir erwarten von uns selbst und voneinander, dass wir uns mit diesem Leitbild identifizieren und ständig an seiner Umsetzung in die Praxis arbeiten.

Das bedeutet, dass jedes Mitglied ein Exemplar des Leitbildes erhält und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an den Aktivitäten der Schwesternschaft beteiligt.