Organisation

Johanniter Schwesternschaft - die Organisation 

Der evangelischen Johanniter-Schwesternschaft gehören zur Zeit etwa 700 Frauen aus Pflege- und Gesundheitsberufen an. Die meisten von ihnen arbeiten in Häusern des Johanniter-Ordens, viele aber auch in anderen kirchlichen, staatlichen oder privaten Einrichtungen. Was sie verbindet ist die praktizierte Bereitschaft und Entschlossenheit, den Menschen als Geschöpf Gottes zu sehen und sein Recht auf personale Integrität anzuerkennen. Das gilt auch und ganz besonders dann, wenn er krank oder behindert ist. So folgt die Schwesternschaft dem Auftrag des Evangeliums: "Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst."

Zu dieser Fundierung im christlichen Glauben tritt die Überzeugung, dass die Arbeit mit Kranken und Hilfebedürftigen ein hohes Maß an Professionalität erfordert. Die Schwesternschaft ist daher verantwortlich für die Pflegebildungseinrichtungen in Johanniter-Trägerschaften und sorgt für eine hochwertige und an den aktuellen Herausforderungen orientierte Ausbildung. Angebote zur Fort- und Weiterbildung fördern gezielt die Begabungen und Neigungen der einzelnen Schwestern und tragen dazu bei, ihnen Karrierechancen und den Aufstieg in verantwortungsvolle Leitungsaufgaben zu eröffnen. Als Werk des Johanniterordens kann die Schwesternschaft dabei auf die großen Erfahrungen und weitreichenden Verbindungen des Ordens im sozialen Bereich zurückgreifen. Weitreichend darf man wörtlich nehmen: So manche Schwester hat diese Verbindungen schon genutzt, um für einige Zeit an ein Krankenhaus in Afrika oder ein Altenheim in Boston zu gehen.

Die Schwesternschaft führt ihre Tradition auf die Pflegeorden des 11. Jahrhunderts in Jerusalem zurück - aber sie ist kein Orden im engeren Sinne. Die meisten Schwestern haben Familie und leben nicht in einem "Schwesternheim", sondern ganz zivil in ihrer eigenen Wohnung mehr oder weniger nah am Arbeitsplatz. "Zivil" ist auch ihre Dienstkleidung - lediglich die Brosche mit dem achtspitzigen Kreuz zeigt die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Die traditionelle Schwesterntracht tragen sie nur zu feierlichen Anlässen der Gemeinschaft.

Das Gemeinschaftsleben der Schwesternschaft besteht jedoch keinesfalls allein aus feierlichen Anlässen. Es gibt lokale Weiterbildungs- oder Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen, "Schwesterntreffen" mit und ohne Programm, "Familientreffen" (mit Ehemännern und Kindern) und Bildungsreisen zu Institutionen im In- und Ausland. Die Schwesternschaft bietet ihren Mitgliedern die besten Voraussetzungen zur Bildung persönlicher sozialer Netze, die stabil genug sind, auch in schwierigen Situationen Hilfe zu bieten.

Die Schwesternschaft will weder Ersatz noch Alternative zu Gewerkschaften oder Berufsverbänden sein. Ebenso wie diese und wo möglich mit ihnen gemeinsam setzt sie sich auf allen Ebenen dafür ein, die materiellen Voraussetzungen der Pflegearbeit und die Qualifikation in den Pflegeberufen zu verbessern. Nachdrücklich wendet sie sich gegen jede Tendenz, Pflegetätigkeit ebenso wie Hausarbeit gegenüber anderen beruflichen Leistungen abzuwerten und - am Ende noch unter Berufung auf idealistische Motive - unzureichend zu entlohnen.