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Leitbild und Erläuterungen zu den Grundlagen für die Tätigkeit
als Johanniter-Schwester (Version 14.03.1999)
1
Grundlagen für die Tätigkeit als Johanniterschwester
1.1
Wir Johanniterschwestern leisten unseren Dienst auf der
Grundlage des christlichen Glaubens, vor allem im Blick auf
das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe
Mit unserer Arbeit und unserem Leben wollen wir bewusst das Evangelium veranschaulichen und zum Glauben einladen.
Grundlagen finden wir z.B. in
Lukas 10,27: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst."
Matthäus 25,40: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
In den Leitlinien zum Diakonat (Art. 1,1) wird verdeutlicht: "Die Kirche steht unter dem Auftrag, durch die Verkündigung, durch ihr Sein und Handeln die im Evangelium von Jesus Christus bezeugte Liebe Gottes der Welt mitzuteilen."
Das heißt konkret
1.2
Wir Johanniter- Schwestern wollen dieses Gebot dadurch erfüllen,
dass wir Kranke pflegen, Sterbende begleiten, Trauernde trösten
und Gesunde beraten.
Die Ausübung des Pflegeberufes als tätige Nächstenliebe war von Anfang an die grundlegende Tätigkeit des Johanniterordens ("... den Herren Kranken dienen"). Sie ist Ausdruck unseres christlichen Glaubens und wird inhaltlich durch die Bedeutung des achtspitzigen Kreuzes geprägt. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben, besonders den Kardinaltugenden und den Seligpreisungen, unterscheidet uns von anderen Pflegegemeinschaften.
1.3
Wir Johanniterschwestern verwirklichen unseren Auftrag im Zeichen
des Johanniterkreuzes. Seine vier Arme symbolisieren die Tugenden
des Mutes, der Gerechtigkeit, der Weisheit und der Mäßigung. Die acht
Spitzen des Kreuzes erinnern an die acht Seligpreisungen der
Bergpredigt, die unser Leben und unsere Arbeit begleiten.
Nach außen hin zeigen wir unsere Zugehörigkeit zur Johanniter-Schwesternschaft und zum Johanniterorden durch die Brosche mit dem Johanniterkreuz und ggf. unsere Kleidung (s. Kleiderordnung). Wir ermöglichen unseren Mitmenschen dadurch uns zu erkennen und signalisieren unsere Ansprechbarkeit. Für uns ist die Tracht Aussage und Verpflichtung. Die vier Kardinaltugenden bedeuten uns:
Mutig wollen wir unseren christlichen Glauben bekennen und für Schwache eintreten, auch wenn es uns selbst Nachteile bringt.
Gerechtigkeit wollen wir durch Chancengerechtigkeit zu erreichen versuchen. Wir schätzen jeden Menschen mit seinen Stärken und Schwächen. Jeder braucht seinen Freiraum, seinen Schutzraum, seine Chance um sich entfalten zu können. Um Gerechtigkeit innerhalb unserer Gemeinschaft nicht von Einzelnen abhängig zu machen, gestalten wir für uns eine demokratische Satzung.
Weisheit wird vor allem durch Erfahrung und lebenslanges Lernen erlangt. Wir schätzen die Berufs- und Lebenserfahrung unserer Mitglieder, indem wir nach ihr fragen und sie für die Schwesternschaft nutzen wollen.
Mäßigung ist unabdingbar in unserer Gemeinschaft. Das bedeutet für uns, dass wir die Gemeininteressen vor die Einzelinteressen stellen. Wir wollen mit inneren und äußeren Ressourcen bewusst und maßvoll umgehen.
1.4
Wir sind ein Ordenswerk des Johanniterordens. Wir pflegen die Zusammenarbeit mit den Personen und Werken unseres Ordens und setzen den von ihm seit 900 Jahren praktizierten Dienst am Menschen fort.
In der Tradition dieses Ordens stehend, bildeten Johanniterschwestern 1958 einen eigenen eingetragenen Verein, die "Johanniter-Schwesternschaft". Wir leisten heute professionelle Hilfe an vielen Stellen des Gesundheits- und Sozialwesens und bieten den Menschen unserer Gesellschaft so eine wesentliche Dienstleistung an. Unsere Gemeinschaft geht wie alle Ordenswerke von der Ordensregel als gemeinsamer Basis aus und strebt an, diese mit Leben zu füllen. Wir sind geprägt von gegenseitigem Vertrauen durch Transparenz und ständige Kommunikation, vom Willen zur konstruktiven und unterstützenden Zusammenarbeit. Konfliktfähigkeit und Toleranz sind Grundvoraussetzungen. Wir finden gemeinsam Formen zur Vernetzung der Ordenswerke. Die Strukturen sind gekennzeichnet von so viel geprägter Organisation wie nötig und so viel Flexibilität wie möglich. Wir achten die Kompetenz der anderen, akzeptieren konstruktives Hinterfragen und beantworten es kompetent. Traditionen des Ordens nehmen wir auf und übertragen sie auf die Herausforderungen unserer Zeit. Wir wollen sie für die Anforderungen der Zukunft weiterentwickeln. Die Zielsetzung des Johanniterordens geht vor Einzelinteressen der Ordenswerke, d.h. bei jeder Einzelentscheidung sind die Gesamtkonsequenzen zu berücksichtigen.
2
Aufgaben und Ziele der Johanniterschwester in der Schwesternschaft
2.1
Wir sind eine Gemeinschaft von Frauen in der Evangelischen Kirche,
die auch für Frauen anderer christlicher Kirchen offen ist.
Christliche Kirchen sind für uns die in der "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland e.V." zusammengeschlossenen.
2.2
Wir Johanniterschwestern übernehmen Verantwortung in der Sorge um
den Menschen. Wir wollen Hilfsbedürftigen eine ganzheitliche
Versorgung bieten und dazu beitragen, dass die dafür notwendigen
Bedingungen geschaffen werden. Das sind Ausgangs-, Mittel- und
Zielpunkte unserer Bemühungen.
Wichtigste Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Wir übernehmen pflegerische Verantwortung im unmittelbaren Dienst am Patienten und im Krankenhausmanagement (Leitungsfunktionen). Wir unterstützen die Vermittlung von Kenntnissen. Wir setzen uns für das als richtig Erkannte auch öffentlich ein.
2.3
Wir Johanniterschwestern reagieren auf neue Formen sozialer Not,
vor allem von Menschen in unserer Gesellschaft, die wenig
Lebenschancen haben.
Wir beobachten aufmerksam unser gesellschaftliches Umfeld und versuchen kreativ und innovativ Unterstützung anzubieten. Dies geschieht durch einzelne Johanniterschwestern oder ist z.B. möglich durch die Beteiligung an Hospizarbeit durch die Johanniter-Schwesternschaft. Bei allem Engagement achten wir auf unsere Leistungsgrenzen.
2.4
Wir sind offen für Frauen aus allen pflegerischen Berufen,
pflegebezogenen Studiengängen und anderen Gesundheitsberufen,
wenn sie die pflegerische Ausrichtung und das Leitbild unserer
Vereinigung anerkennen und mittragen wollen.
Wir legen Aufnahmekriterien fest. Für Bewerberinnen aus anderen Gesundheitsberufen (einschließlich Sozialberufen) ist fachlich die pflegerische Ausrichtung ihrer Ausbildung und Tätigkeit maßgeblich. Beispiele für Gesundheitsberufe, die Mitglied werden können, sind: Gesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, Altenpflegerinnen, Hebammen, Physio-/Ergotherapeutinnen, Logopädinnen. Die Johanniterschwestern haben so die Chance als multidisziplinäres Team zusammenzuarbeiten.
2.5
Wir möchten unser Engagement, unsere Kompetenzen und unsere
Professionalität verantwortlich realisieren. Besonders unterstützt
die Gemeinschaft diejenigen, die innovativ und kreativ nach
neuen Wegen suchen.
Das bedeutet für uns vor allem, dass wir uns mit den Entwicklungen und Formen der stationären und ambulanten Pflege immer wieder neu vertraut machen und Versuche unterstützen, Ideen in der Praxis zu erproben und ggf. anzuwenden. Dieser Prozeß erfordert auch die Kooperation mit anderen Berufsgruppen. Verantwortlich heißt für uns:
2.6
Wir erwarten voneinander Wertschätzung und Aufrichtigkeit.
Wir arbeiten daran, dass das Gespräch zwischen den Generationen
ständig weitergeführt wird und wir bereit sind, voneinander
zu lernen.
Konkret:
Da jeder Mensch ein Individuum ist, gilt es, ihn in seinen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Ebenen zu respektieren und zu unterstützen. Dabei helfen z.B. folgende Möglichkeiten:
2.7
Wir halten bewusst daran fest, eine Gemeinschaft von Frauen zu sein,
die sich in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung im Dienst
am Nächsten solidarisch und partnerschaftlich unterstützen.
Wir fördern dies durch folgende Maßnahmen:
Wir sind offen für weitere Veränderungen, z.B. Aufnahme von Männern. Im Jahr 2005 erfolgte deshalb eine Neufassung der Satzung.
Durch Beschluss der Mitgliederversammlung werden vorerst nur Frauen als ordentliches Mitglied aufgenommen. Herren können z.Zt. als Fördermitglied beitreten.
2.8
Wir sorgen für bestmögliche Voraussetzungen in Aus-, Fort- und
Weiterbildung, wobei wir immer wieder die Fähigkeiten und Ressourcen
in unserer Gemeinschaft und im Orden einbeziehen wollen.
Wir fördern Neigungen und Begabungen, um verantwortungsvolle
Leitungsfunktionen übernehmen zu können.
Konkret:
2.9
Wir nutzen unsere Professionalität aus der pflegerischen und sozialen
Arbeit für die Teilnahme an der öffentlichen Diskussion zu berufs-,
gesundheits und gesellschaftspolitischen Themen.
Unsere Berufe üben wir mit immer wieder aktualisiertem Fachwissen und mit voller Verantwortung aus. Das verpflichtet uns auch, uns zu Themen zu äußern, zu denen wir durch unsere Fachkompetenz einen Beitrag leisten können, mit den Zielen:
Dazu bilden wir eine Arbeitsgruppe, die sich mit ausgewählten aktuellen Fragestellungen aus der Gesundheits-, Berufs- oder Gesellschaftspolitik beschäftigt. Wir sind kein Berufsverband!
2.10
Wir bemühen uns um eine gute Kooperation mit Menschen, die im Dienste
von Hilfsbedürftigen stehen und die nicht unserer Gemeinschaft
angehören.
Täglich arbeiten wir mit Pflegenden und anderen Berufsgruppen, die im Gesundheits- und Sozialwesen tätig sind, zusammen. Für die konkrete Tätigkeit vor Ort bis hin zu berufspolitischem Engagement sind wir gegenseitig aufeinander angewiesen, um den Dienst gut ausüben zu können.
Wir wollen diese Kooperation pflegen durch Offenheit und regelmäßige, konstruktive Gespräche mit anderen Berufsgruppen, Berufsverbänden, Schwesternschaften, Angehörigen, Selbsthilfeorganisationen, Politikern...
Zentrale Koordinationsstelle für die Kommunikation außerhalb unserer Tätigkeitsfelder ist die Ordensoberin, die ihrerseits Aufgaben delegieren kann.
2.11
Wir erwarten von uns, dass wir aktiv an dem fachlichen und sozialen
Leben der Schwesternschaft teilnehmen, es mittragen und einander
Rückhalt bieten. Die notwendige Transparenz wird gewährleistet
durch größtmögliche Information und Kommunikation.
Der Qualitätssicherungsprozess in der Schwesternschaft bedeutet für uns, dass die Mitglieder regelmäßig an einem Schwesterntag und/oder an anderen Aktivitäten der Schwesternschaft teilnehmen. Wir bieten einander Rückhalt durch das angebotene Gespräch mit den Kontaktschwestern und anderen Johanniterschwestern sowie durch regionale Begegnungen. Bei jeder Veranstaltung sollte angemessener Raum und Zeit zur Verfügung stehen, dass sich Teilnehmende vorstellen und kennenlernen können. Während unserer aktiven Tätigkeit im Beruf verpflichten wir uns zur Teilnahme an einer fachbezogenen Fortbildung nach den Regeln der freiwilligen Registrierung für beruflich Pflegende.
Wir anerkennen mit der Mitgliedschaft die Berufsordnung für professionell Pflegende der ADS.
2.12
Wir erwarten von uns selbst und voneinander, dass wir uns mit diesem
Leitbild identifizieren und ständig an seiner Umsetzung in die Praxis
arbeiten.
Das bedeutet, dass jedes Mitglied ein Exemplar des Leitbildes erhält und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an den Aktivitäten der Schwesternschaft beteiligt.