Das wahre Abenteuer Leben

Rhein-Ruhr, 12. Juli 2013

Wie ein Koch zu den Johannitern kam

Nach und nach fahren Einsatzfahrzeuge der Johanniter sowie des Katastrophenschutzes auf den Hof der Hilfsorganisation. Insgesamt waren 13 Helfer der Johanniter aus dem Regionalverband Rhein-Ruhr zum Helfen in das Hochwasserkrisengebiet in Sachsen-Anhalt gefahren. Für die ehrenamtlichen Frauen und Männer geht nun der Dauereinsatz am Feldkochherd nach über einer Woche zu Ende.

 

Unter den heimkehrenden Helfern ist auch Fernsehkoch Dirk Hoffmann, der sich bei den Johannitern ehrenamtlich engagiert. „Als ich noch in der Gastronomie tätig gewesen bin, habe ich eine 80-Stunden-Woche gehabt“, sagt Hoffmann. „Nach 38 Berufsjahren wollte ich mal etwas Neues ausprobieren.“ Einen Ausgleich hat er bei den Johannitern gesucht und gefunden. Während die Fahrzeuge ausgeladen und nicht verbrauchtes Material wieder in das Lager eingeräumt werden, spricht der 53-Jährige über seine Eindrücke und das Erlebte.

 

Was die Johanniter alles leisten und in welchen Bereichen sie überall tätig sind, hat der gelernte Koch erst durch sein Mitwirken erfahren. Er hilft in der Betreuungseinheit und kümmert sich hauptsächlich um den Einkauf der Waren und dem Zubereiten von Mahlzeiten. Sein kleines Team aus freiwilligen Helfern kocht für die Einsatzkräfte, die sich bei Sanitätsdiensten, Sportveranstaltungen und Konzerten vorsorglich im Hintergrund bereithalten. Gleichzeitig bildet er die Helfer am 40 Jahre alten Feldkochherd aus und gibt seine Erfahrungen weiter. Dass er jemals zu einem Katastrophenschutzeinsatz gerufen wird, konnte sich Hoffmann bis zum 4. Juni 2013 nicht vorstellen. „Mittags rief unser Regionalbereitschaftsleiter an und fragte mich, ob ich für einen längeren Einsatz zur Verfügung stehen würde.“ Spontan sagte er zu und hielt sich mit gepackten Taschen für die kommenden 24 Stunden bereit. „Es steht außer Frage, hier zu helfen!“ und begründet dies mit der Hilfe, die er selbst einmal erfahren hat, als ihm buchstäblich das Wasser bis zum Hals gestanden hat. Bereits am Folgetag machte sich eine 13-köpfige Gruppe von Helfern Richtung Dessau auf. Beeindruckend empfindet Hoffmann auch die Bereitschaft der überwiegend jungen Ehrenamtlichen, die mitgekommen sind. Manche von ihnen haben dafür sogar von ihren Arbeitgebern freibekommen oder extra Urlaub genommen, obwohl der Einsatz nicht behördlich angeordnet wurde.

 

Gemeinsam mit Kräften der Bundeswehr betrieben die Johanniter in Dessau eine von drei Feldküchen und bereiteten für die mehr als 1.200 Helfer täglich vier Mahlzeiten zu. „Hier ausreichend Ware zu bekommen, war aufgrund der nicht mehr vollständig gegebenen Infrastruktur nicht einfach. Auch fehlte es an ausreichenden Kühlmöglichkeiten, so dass hier täglich frisch gekocht werden musste“, beschreibt Hoffmann die Situation. In mehreren Schichten mit nur sehr wenig Schlaf, bereiteten die Feldköche hier über eine Woche abwechslungsreiche Gerichte zu. Rund fünf Tonnen Lebensmittel inklusive Getränken wurden täglich verarbeitet und an die verschiedene Einsatzorte rund um Dessau zu den Kräften transportiert. „In den vielen Jahren habe ich es nicht erlebt, ob jung oder alt und vor allem alles ohne Bezahlung, dass so eine Einsatzbereitschaft für andere gezeigt wird. Für Außenstehende ist das nicht vorstellbar“, lobt Hoffmann das Engagement der gesamten Helferschaft.