Kambodscha: Integrale Hilfe gegen Unterernährung

Berlin / Phnom Penh, 24. Juni 2016

Effizientere und integrale Landwirtschaft, Schutz der Natur und der Ressourcen, Einkommensverbesserungen für Frauen und gesündere Ernährungsgewohnheiten: Gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, werden die Johanniter in  den kommenden vier Jahren 45.000 Menschen in zwei Provinzen im Nordosten Kambodschas stärken, um widerstandsfähiger gegen Klimawandel und Armut zu sein.

Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre in Kambodscha hat seine Gewinner und Verlierer: in den Städten führte er zu einer deutlichen Verringerung der Armut. Doch dort wohnt und arbeitet nur jeder fünfte Kambodschaner. Die große Mehrheit lebt auf dem Land, wo der Aufschwung statt besserer Lebensbedingungen vor allem Probleme geschaffen hat. In abgelegenen Regionen im Nordosten des Landes verlieren die Menschen zusehends ihre natürlichen Ressourcen. Illegale Abholzung und industrielle Fischerei in den Flüssen unter Einsatz von Chemikalien zerstören ihre Lebensgrundlage. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen durch den Klimawandel mit einhergehenden Überschwemmungen, Dürren und Stürmen. Die traditionelle Landwirtschaft gerät durch Billigimporte und Massenproduktion wirtschaftlich ins Hintertreffen. Düstere Aussichten für viele ländliche Gemeinden, wo jeder fünfte Mensch als unterernährt gilt.

Video unserer Partnerorganisation SCW zum Thema Umweltschutz in Kambodscha

Integrale Landwirtschaft zur Stärkung der Gemeinschaften

Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Save Cambodia´s Wildlife (SCW) werden die Johanniter in den kommenden vier Jahren Familien in 38 Gemeinden der nordöstlichen Provinzen Kratie und Stung Treng stärken. Hierzu werden Maßnahmen zur integralen Landwirtschaft durchgeführt, wie beispielsweise Schulungen in verbesserten Agrartechniken, um die Erträge im Reisanbau um 15 Prozent zu steigern. Knapp 4000 Landwirte werden involviert sein.

Der Anbau weiterer Nutzpflanzen soll vielfältiger werden, wofür zunächst Modellfarmen bei einigen Landwirten eingerichtet werden. Diese dienen mit Vorbildfunktion zur Nachahmung durch andere Bauern. 150 Familien, die kein eigenes Land besitzen, werden bei der Anlage von Hausgärten begleitet, um so die Eigenversorgung mit Gemüse zu erreichen und die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Denn vielfach führt einseitige Ernährung und die falsche Zubereitung von Nahrungsmitteln zu Mangelerscheinungen und Unterernährung. Schulungen und Kochkurse zum Umgang mit den Produkten und die Vermittlung von Hygieneregeln sollen zu einer gesünderen Ernährung beitragen.

Förderung der eigenen Produktvermarktung

Neben dem verbesserten Zugang zu Nahrungsmittel unterstützen die Johanniter die Familien auch bei der Einkommensverbesserung. So werden 460 Frauen bei der Unternehmensgründung unterstützt. „Soziales Unternehmertum ist wichtig, damit Basisorganisationen und Gemeinden auf eigenen Beinen stehen können“, erklärt TEP Boonny, Direktor von SCW. „Die Prüfung der Nachfrage auf dem Markt und die Abstimmung geeigneter lokaler Produkte darauf gehören zusammen, um langfristig bestehen zu können. Reine Wohltätigkeit bringt die Menschen hier nicht weiter.“

Kinder-Öko-Clubs und Einsatz erneuerbarer Energien

Schüler und Lehrer werden zudem in 38 Öko-Clubs über Klimawandel und Umweltverschmutzung sprechen und gemeinsam Kampagnen zur besseren Müllentsorgung durchführen. Erstmals werden zu Demonstrationszwecken in fünf Haushalten Biogasanlagen installiert, um die Bevölkerung die Nutzung erneuerbarer Energien näherzubringen. Mit der Technologie können die Familien selbst erzeugtes Gas aus organischen Haushaltsabfällen insbesondere zum Kochen verwenden. Das spart Zeit, Geld und Strom und schont die Umwelt, ebenso wie 38 stromsparende Solarpumpen zur Bewässerung der Gärten.

„Wir wollen mit unseren Aktivitäten erreichen, dass die Kapazitäten und die Widerstandskraft der Kleinbauern gestärkt werden. Denn der Klimawandel hat zunehmend spürbare Folgen auf die Nahrungsmittelproduktion“, erklärt die zuständige Projektkoordinatorin der Johanniter, Claudia Zehl.