„Die Menschen müssen im Mittelpunkt stehen, nicht die Organisationen“

Berlin, 12. Februar 2018

Die Johanniter-Auslandshilfe ist der Einhaltung und Umsetzung humanitärer Standards verpflichtet. Wie diese länderübergreifend umgesetzt werden, wird derzeit intern geprüft. Unsere Kollegin Magdalena Kilwing, zuständig für Monitoring und Evaluierung, war im Januar in Nepal, um sich in Kathmandu und im Distrikt Sindhupalchowk die Arbeit der Johanniter anzuschauen und langfristig zu verbessern.

Die Johanniter begannen ihr Engagement in Nepal mit Hilfsgüterverteilungen nach dem Erdbeben 2015. Werden die Maßnahmen seitdem in bester Weise umgesetzt? ©Paul Hahn

Vor knapp drei Jahren bebte in Nepal die Erde, die Johanniter-Auslandshilfe hatte Soforthilfe und anschließend Wiederaufbau geleistet. Du warst nun im Januar dort, um nicht nur die Projekte zu besichtigen, sondern das Team und die regionalen Partner genauer unter die Lupe zu nehmen. Warum?

Wir möchten herausfinden, inwieweit wir als Johanniter mit unserer Arbeit unseren gesetzten Standards nachkommen. Das machen wir, indem wir uns selbst auf allen Ebenen analysieren. Ein Teil davon ist die Analyse unserer direkten Arbeit vor Ort in den Länderbüros, mit den lokalen Partnerorganisationen und den Menschen in den betroffenen Gemeinden. Die Johanniter haben sich der Umsetzung des Core Humanitarian Standard (CHS) verpflichtet. Dies ist ein internationaler Standard für die Qualität von humanitärer Hilfe, der insbesondere die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Da es zu aufwendig und teuer wäre, alle unsere Projektländer zu analysieren, haben wir uns beispielhaft für die Philippinen und Nepal entschieden. Was lässt sich verbessern hinsichtlich unserer Herangehensweise? Welche Best Practice-Beispiele gibt es aus den Projekten, aus denen wir vielleicht als gesamte Organisation lernen können? Das waren Fragestellungen, mit denen ich ins Land gereist bin.

Magdalena Kilwing: "Den Menschen auf Augenhöhe begegnen."

Welche praktischen Beispiele hast du gefunden?

In Nepal zum Beispiel arbeiten unsere lokalen Partnerorganisationen sehr eng mit den lokalen Regierungsstrukturen zusammen. Das müssen sie, da der Staat die Arbeit von in- und ausländischen Organisationen koordiniert und kontrolliert. An sich eine gute Sache, denn wir wollen ja, dass die Länder eigenverantwortlich handeln, was in vielen anderen Ländern leider nicht passiert. Das Risiko an dieser Kontrollinstanz ist jedoch, dass wir die betroffenen Menschen dadurch nicht mehr direkt mit einbeziehen können und Entscheidungen eventuell über ihren Kopf hinweg getroffen werden. Um das zu verhindern, arbeiten wir zusammen mit unseren lokalen Partnern beispielsweise an Feedback- und Beschwerdemechanismen, oder an Maßnahmen wie gemeinsame Planungs- und Auswertungsworkshops, um die Gemeindekomitees eng in die Durchführung der Aktivitäten einzubeziehen. Denn das Besondere am seit 2015 bestehenden CHS ist, dass er die betroffenen Menschen und Gemeinden in den Mittelpunkt stellt und die Arbeit von humanitären Organisationen aus deren Perspektive bewertet wird. Das deckt sich eins zu eins mit dem Leitbild der Johanniter.

Niemand lässt sich gern auf die Finger schauen. Wie wurde das von den eigenen Mitarbeitern vor Ort aufgenommen?

Es ging bei meinem Besuch ja nicht darum, die Arbeit der Kollegen und Kolleginnen in Nepal zu bewerten, sondern darum, wie wir als Gesamtorganisation arbeiten. Wenn ein Aspekt des CHS in Nepal beispielsweise noch nicht umgesetzt wird, dann kann dies ja auch möglicherweise daran liegen, dass die nötigen Ressourcen von Seiten unseres Büros in Berlin nicht zur Verfügung gestellt wurden. Insofern war das Team sehr offen und hat mich uneingeschränkt unterstützt, da ihnen klar war, dass die Selbstanalyse ein gemeinschaftliches Anliegen ist. Die Erkenntnisse dienen ja dazu, die Arbeit von uns allen für die betroffenen Menschen noch besser zu machen.

Wie wird die Organisation von den Menschen wahrgenommen? Kilwing im Gespräch mit Anwohnern in Sindhupalchowk. ©Sommerfeldt/JUH

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse der Reise und wie werden diese genutzt, um in Zukunft besser Hilfe zu leisten?

Wir sind aktuell dabei, die Erkenntnisse aus Nepal und den anderen Organisationsebenen zusammenzutragen und auszuwerten. Das Ergebnis wird dann ein konkreter Verbesserungsplan sein. Dieser könnte zum Beispiel Trainingsmaßnahmen enthalten, um unsere Teams besser bei der Umsetzung unserer bestehenden Vorgaben zu unterstützen. Ein Beispiel sind Art und Umfang, wie wir Informationen über uns als Organisation und unsere Arbeit an die Menschen vor Ort weitergeben. Wir machen tolle Arbeit in den Projekten, aber mein Eindruck war, dass die Menschen vor Ort manchmal noch zu wenig darüber wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben; nämlich mit einer Hilfsorganisation, die ihnen auf Augenhöhe begegnen möchte und sie in den Mittelpunkt stellt. Da können wir noch besser werden.

Überblick: Unsere Hilfe in Nepal

Nach den verheerenden Erdbeben im April und Mai 2015 leisteten die Johanniter medizinische Soforthilfe, und versorgten die betroffene Bevölkerung mit Lebensmitteln, Zeltplanen und Haushaltsutensilien. Auch ein Reha-Zentrum und drei temporäre Schulen wurden im Distrikt Sindhupalchowk unterstützt. Zusammen mit lokalen Partnerorganisationen schafften die Johanniter sichere Räume für traumatisierte Frauen und Kinder, wo diese psychosoziale Betreuung erhielten. Um zukünftigen Katastrophen vorzubeugen, schulen derzeit unsere Partner vor Ort die Menschen in den Gemeinden in Sofortmaßnahmen. Im Ernstfall sollen sie richtig reagieren und die Schäden so gering wie möglich gehalten werden können.
Zusammen mit den lokalen Partnern wurden im letzten Jahr zwei Gesundheitsstationen im Distrikt Dolakha wieder aufgebaut, mit den nötigen Geräten ausgerüstet, und mit Medikamenten ausgestattet. Der Wiederaufbau von drei weiteren Stationen soll 2018 starten.

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Ihr Ansprechpartner Magdalena Kilwing - Monitoring & Evaluation

Lützowstr. 94
10785 Berlin