Hühnerfedern und Benzin gegen Ohrenschmerzen

Berlin / Phnom Penh, 07. August 2017

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Wer Kinder hat oder an seine eigene Kindheit zurückdenkt, kennt das Gefühl von juckenden und schmerzenden Ohren, meist einhergehend mit Fieber und Schwindel. Schnell wird das Zwiebelsäckchen geschnürt und auf die Ohren gedrückt. In vielen kambodschanischen Dörfern hingegen wird nicht mit Zwiebeln, sondern Betel- oder Tausendfüßlersaft getrunken, Hühnerfedern in die schmerzenden Ohren gesteckt oder Benzin hineingegossen.

„Wenn ohnehin bereits eine Verletzung des Ohres vorliegt, wird diese leicht durch solche Praktiken verschlimmert, manchmal irreparabel“, so Claudia Zehl, Projektkoordinatorin für Kambodscha bei der Johanniter-Auslandshilfe.

Um Patienten mit Ohrenschmerzen eine Linderung zu ermöglichen und Hörgeschädigte wieder zu kurieren, haben die Johanniter gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation „All Ears Cambodia“ im Rukhakiri-Distrikt, in der Provinz Battambang, eine Ohrenklinik errichtet, klinisches Personal geschult und Aufklärungskurse veranstaltet. Denn Schäden am Gehör haben Auswirkungen auf eine Vielzahl von anderen Lebensbereichen und wirken sich je nach Alter unterschiedlich aus. So wird bei Kindern vor allem der Spracherwerb und die kognitive Entwicklung beeinträchtigt, was wiederum schulischen Fortschritten im Wege steht. Für Erwachsene stehen berufliche und finanzielle Schwierigkeiten im Vordergrund, während bei Älteren Schwerhörigkeit häufig zu Vereinsamung und Vernachlässigung führt. Für alle Altersstufen sind Gehörschäden mit sozialen Schwierigkeiten und oft mit Stigmatisierung verbunden.

 

Mittelohrentzündungen und Ohrenschäden durch Lärmbelastung

Die häufigste Ohrenkrankheit in Entwicklungsländern ist Mittelohrentzündung. Armut geht dabei mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher, was darin begründet liegt, dass vor allem in armen Gemeinden alle Risikofaktoren, die zu dieser Krankheit führen können, anzutreffen sind. Durch gezielte Diagnose und Medikation kann den Patienten hier schnell Linderung verschafft werden. Ein weiterer typischer Fall sind Ohrenschäden, die durch konstante Lärmbelastung am Arbeitsplatz ausgelöst werden. Arbeits- und damit auch Gehörschutz ist in Kambodscha keine Selbstverständlichkeit. In unserem Projekt klärten wir die Betroffenen nicht nur über die Hintergründe ihres Leidens auf, sondern konnten ihnen auch sowohl individuell angepasste Hörgeräte als auch medizinischer Lärmschutz zur Verfügung stellen.

Resonanz enorm

Im dem einjährigen Projekt konnten wir insgesamt 1600 Patienten von jung bis alt mit Ohrenleiden behandeln. Dies war nur dank der finanziellen Unterstützung durch die Dr. Hella und Dieter Siekermann-Stiftung sowie Margarete-Müller Bull Stiftung möglich. Da die Resonanz auf das Projekt allerdings so enorm war, weiten wir es jetzt aus. Dank der Unterstützung durch die Tereska-Stiftung können wir ein weiteres Jahr die Aktivitäten fortsetzen und auf die benachbarten Provinzen Pursat und Kampong Chhnang ausgeweiten.

Für die medizinische Behandlung von Ohrenkrankheiten in Kambodscha sind die Johanniter auf Spenden angewiesen.

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Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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