Johanniter warnen: Choleraepidemie in der DR Kongo weitet sich aus

Berlin / Goma, 09. November 2017

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Stefan Bihl, Johanniter-Länderbüroleiter in Goma, Demokratische Republik Kongo, schätzt die derzeitige Entwicklung der Choleraepidemie als sehr besorgniserregend ein.

„Über die Hälfte der Bevölkerung nutzt weiterhin verschmutztes Wasser. Sanitäre Anlagen und grundlegende Kenntnisse über die Krankheit und Maßnahmen zum Schutz gegen eine Ansteckung fehlen. Daher rechnen wir besonders im Distrikt Masisi mit einer weiteren Ausbreitung der Epidemie.“

So wurden im Distrikt Masisi, nordwestlich der Provinzhauptstadt Goma, in den letzten Wochen 1.500 Patienten mit Cholera registriert. Die Johanniter sind hier seit fast zehn Jahren tätig und unterstützten derzeit 16 Gesundheitsstationen. Landesweit sind die Zahlen seit dem Ausbruch im Juli auf 40.000 Infizierte gestiegen, so die aktuellen Zahlen des kongolesischen Gesundheitsministeriums. 771 Menschen starben bereits an der Durchfallerkrankung. Insgesamt sind 21 der 26 Provinzen des Kongos betroffen.

„Die Epidemie kann sich vor allem aufgrund der derzeitigen Regenzeit immer weiter ausbreiten“, berichtet Bihl. „Schmutziges Wasser gelangt in die Brunnen. Erdrutsche verschütten Quellen, wodurch  die Menschen auf Wasser aus schmutzigen Kanälen angewiesen sind.“

Im Video: Stefan Bihl zur Situation im Kongo

Medizinische Versorgung und Aufklärung

Um die Cholera einzudämmen, arbeitet die Johanniter-Auslandshilfe eng mit dem kongolesischen Gesundheitsministerium zusammen. So werden Medikamente und Infusionen zur Cholerabehandlung bereitgestellt. Von Cholera betroffene Haushalte und Gesundheitsstationen erhalten Desinfektionsmittel. Das medizinische Personal wird zu Desinfektionsmaßnahmen und im Umgang mit infizierten Patienten geschult.

„Auch klären wir die Bevölkerung über Ansteckungsgefahren und präventive Maßnahmen, wie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen, auf“, ergänzt der medizinische Koordinator der Johanniter in Goma, Dr. Louis Massing. „Trotz der enormen Anstrengungen auf allen Seiten besteht jedoch ein großer Bedarf bei der Versorgung der vielen Patienten.“

Die Johanniter-Auslandshilfe ist seit fast zehn Jahren in der DR Kongo mit verschiedenen Projekten aktiv, hauptsächlich in der Basisgesundheits- und Wasserversorgung. Mehr als 160.000 Menschen erhielten im Jahr 2016 die Möglichkeit zur medizinischen Versorgung. Gleichzeitig versorgen die Johanniter Menschen, die sexuelle Gewalt überlebt haben.

Die Johanniter sind im Kampf gegen die Cholera in der DR Kongo dringend auf Spenden angewiesen. Bitte unterstützen Sie uns!

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Was ist Cholera?

Cholera ist eine akute, bakterielle Darminfektion, die innerhalb weniger Stunden zum Tod führen kann. Weltweit infizieren sich laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich drei bis fünf Millionen Menschen. Etwa 100.000 bis 120.000 Menschen sterben jedes Jahr an der Durchfallerkrankung.

Die Cholera entsteht dort, wo das Bakterium auf viele Menschen trifft, die durch Mangelernährung nicht genügend Antikörper bilden können und die in schlechten hygienischen Verhältnissen auf engstem Raum zusammenleben: In Slums, Armenvierteln in den Großstädten von Entwicklungsländern und Flüchtlingslagern.

Häufig gibt es hier nur mangelhafte sanitäre Anlagen – wenn überhaupt. Dieser katastrophale Missstand ist eine Ursache für eine Choleraepidemie, da sich über die Exkremente die Cholera-Bakterien verbreiten. Zum Beispiel über das Abwasser, das viele auch als Trinkwasser, zum Kochen oder Waschen nehmen. Darüber gelangt das Bakterium „Vibrio cholerae“ in den Magen-Darm-Trakt. Drei Viertel aller Infizierten haben keine Symptome und scheiden das Bakterium wieder aus. Bei den übrigen bricht nach zwei Stunden bis fünf Tagen die Krankheit aus.

Bei einem schweren Verlauf führen Durchfall und Erbrechen zu einer Dehydrierung des Körpers, die lebensbedrohlich werden kann. Deshalb muss der Cholera-Kranke schnellstmöglich medizinisch versorgt werden. Mit einer Salz-Zucker-Lösung, die intravenös oder oral verabreicht wird, kann Cholera mittlerweile gut behandelt werden. In besonders schlimmen Fällen wird ein Antibiotikum gegen den Erreger gegeben. Auch gibt es mittlerweile Impfstoffe, die für begrenzte Zeit Schutz vor einer Infektion bieten.

Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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