Johanniter weltweit als erstes mobiles Nothilfeteam der WHO klassifiziert

Berlin / Frankfurt, 13. Juni 2017

Die Johanniter-Auslandshilfe hat ihre internationale Soforthilfe durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifizieren lassen und als erstes Team weltweit in der Kategorie „Emergency Medical Team 1 mobile“ (EMT 1 mobil) die Prüfung bestanden. Die Johanniter sind außerdem die erste Nichtregierungsorganisation, die den Klassifizierungsprozess erfolgreich durchlaufen hat.

Geschafft! Die ehrenamtlichen Soforthelfer der Johanniter sind jetzt als Emergency Medical Team der WHO klassifiziert. Foto: S. Grazioli

Ein EMT 1 mobil ist ein medizinisches Nothilfeteam, bestehend aus 21 Einsatzkräften, darunter mindestens drei Ärzte, neun Rettungsassistenten und einer Hebamme, die nach Naturkatastrophen in abgelegenen Regionen medizinische Soforthilfe leisten. Die Klassifizierung soll in Zukunft den Zugang zu Katastrophengebieten regeln, um schnell und koordiniert Menschenleben retten zu können. Nicht-klassifizierte Organisationen werden wesentlich schlechtere Chancen haben, eine Einreiseerlaubnis für betroffene Länder zu erhalten.

Gratulation zu der harten Arbeit und danke, dass die Johanniter an dem Klassifizierungsprozess teilgenommen haben. Die WHO ist sehr glücklich mit den Johannitern zusammenzuarbeiten. Wir hoffen, dass die Johanniter uns weiter dabei unterstützen, vor allem Teams in Entwicklungsländern in die Lage zu versetzen, dass sie zukünftig ihre Katastrophen und Epidemien selber bewältigen können“, sagte Dr. Ian Norton, Leiter des EMT-Klassifizierungsprozesses bei der WHO.

Gemeinsam mit sechs weiteren Experten hatten sie die Prozesse und Standards der Johanniter-Soforthilfe am 12. und 13. Juni in Frankfurt/Main geprüft.

Wolf-Ingo Kunze (li.), Mitglied des Bundesvorstands, und Ian Norton von der WHO bei der feierlichen Übergabe des EMT-Zertifikats. Foto: S. Grazioli

Wir haben den Klassifizierungsprozess von Beginn an aktiv mitgestaltet, weil wir davon überzeugt sind, dass Qualitätsstandards in der Soforthilfe notwendig sind“, erklärte Wolf-Ingo Kunze, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Umso stolzer sind wir, dass erste Team weltweit in dieser Kategorie zu sein."

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Die EMT-Klassifizierung wurde als Reaktion auf das Erdbeben 2010 in Haiti eingeführt, bei dem hunderte Hilfsorganisationen unkoordiniert ins Land strömten und Logistik- und Zollkapazitäten knapp wurden. „Das EMT-System ist ein Paradigmenwechsel in der internationalen Nothilfe“, so Dr. Christoph Lindenstromberg, medizinischer Fachberater der Johanniter-Auslandshilfe in einem Interview über die Bedeutung der Klassifizierung. Um die Klassifizierung zu erhalten, hat sich die Johanniter-Auslandshilfe eineinhalb Jahre auf die Prüfung durch die WHO vorbereitet. Die Johanniter haben unter anderem ihr Lager im Sammlungsraum Logistik und Training in Frankfurt am Main deutlich aufgestockt, Trinkwasseraufbereitungsanlagen angeschafft und umfassende Handlungsrichtlinien für ihre rund 100 ehrenamtlichen Soforthelfer festgeschrieben.

Welche EMT-Kategorien gibt es?

Das Klassifizierungssystem der WHO sieht drei Stufen vor. Teams, die den EMT 1-Standard erfüllen, bestehen aus rund 25 bis 30 Mitgliedern – darunter mindestens drei Ärzte, neun Rettungsassistenten und eine Hebamme – und können täglich mindestens 50 Patienten ambulant versorgen. Ein EMT 1 mobil ist dafür nicht auf einen festen Standort angewiesen. Der Vorteil: Die Patienten müssen keine langen Wege auf sich nehmen, um Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten, sondern Ärzte und medizinisches Personal kommen dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Wer nach EMT 2-Standard klassifiziert ist, bringt einen mobilen Operationssaal mit und hat außerdem 20 Betten für die stationäre Aufnahme. Der EMT 3-Standard entspricht einem mobilen Referenz-Krankenhaus mit mehreren Operationssälen und einer Intensivstation. Länder wie China und Russland haben diese EMT 3-Klassifizierung bereits mit ihren Teams erreicht.

 

Weitere Informationen rund um die EMT-Klassifizierung können Sie hier herunterladen:

1. Infografik "Wer darf helfen?"

2. Interview mit Dr. Christoph Lindenstromberg

3. Hintergrundinformationen zum EMT-Klassifizierungsprozess

Hinweis für Redaktionen:
Für Interviews stehen Ihnen Oliver Rodewald, Leiter der internationalen Soforthilfe
bei der Johanniter-Auslandshilfe, sowie Dr. Christoph Lindenstromberg,
medizinischer Fachberater der Johanniter-Auslandshilfe für die EMT-Klassifizierung,
zur Verfügung.
Medienkontakt:
Sandra Lorenz, Leiterin Kommunikation der Johanniter-Auslandshilfe
0172 / 563 87 40, sandra.lorenz@johanniter.de

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