Kenia: "Die Dürre tötet alle unsere Tiere"

Berlin / Nairobi, 22. Februar 2017

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Aufgrund einer anhaltenden Dürre droht in Nordkenia in den kommenden Monaten eine enorme Hungersnot. Auch Äthiopien und Somalia sind betroffen. Insgesamt sind in Ostafrika 12 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Johanniter unterstützen in Turkana, im Norden Kenias, seit mehreren Jahren die Bevölkerung beim Anbau von Nahrungsmitteln. Durch die ausgefallene Regenzeit sind nun die Ernten bedroht.

Ohne Regen keine Ernten

„Rund 60 Prozent der Menschen in der Turkana-Region sind auf der Suche nach Wasser“, berichtet Nina Skandalaki, zuständige Projektkoordinatorin bei der Johanniter-Auslandshilfe.

Gemeinsam mit ihrer lokalen Partnerorganisation Africa Inland Church (AIC) prüfen die Johanniter derzeit, wie sie ihre Aktivitäten in den kommenden Wochen der Situation anpassen. AIC ruft bereits in ihren Kirchengemeinden zu Spenden auf und verteilt Nahrungsmittel an die Betroffenen.

Die Johanniter-Auslandshilfe ist seit mehr als sechs Jahren im Norden Kenias aktiv. „Wir begleiten die Gemeinschaften vor Ort bei der Verbesserung ihrer Eigenversorgung und ihres Einkommens“, erklärt Projektkoordinatorin Nina Skandalaki. Böden werden urbar gemacht, Felder angelegt, Hirse, Melonen und verschiedene Gemüsesorten angebaut. „Wenn jetzt selbst die Flüsse kein Wasser mehr führen, um die umliegenden Böden und Felder feucht zu halten, sind keine nennenswerten Ernten in der Region möglich,“ befürchtet Skandalaki.

Notstand ausgerufen

Die kenianische Regierung hat in 23 von 47 Bezirken des Landes den Notstand ausgerufen. Mit umgerechnet rund 95 Millionen Euro will die Regierung bis April unter anderem die Getreidepreise durch zusätzliche Importe stabilisieren und die Folgen in besonders betroffenen Gebieten durch Bargeldverteilung und Verdopplung von Nahrungsmittelverteilungen mildern. Die internationale Gemeinschaft wurde aufgerufen, das Land bei der Bewältigung der sich verschärfenden Krise zu unterstützen.

Berichte von Betroffenen in Kenia zeigen: die jahrelangen Anstrengungen, um die Menschen langfristig vor Hunger zu schützen, reichen bei einer extremen Dürre wie jetzt nicht aus. Die Johanniter-Auslandshilfe ist mit ihrer Partnerorganisation Africa Inland Church Health Ministries (AICHM) seit 2011 in der Turkana-Region mit dem Ziel aktiv, die Ernährungssicherheit der Menschen zu verbessern. Gemeinsam mit ihnen werden alternative Einkommensmöglichkeiten erarbeitet. Die Maßnahmen zur Stärkung der Menschen stoßen jedoch an ihre Grenzen.

Simon Kachenge, Wanderhirte aus Nasinyono in der nordkenianischen Region Turkana:
„Die Dürre wirkt sich auf die gesamte Turkana-Region aus. Es hat seit Mai 2016 nicht mehr geregnet. Wir sind Nomaden und leben von unseren Kühen, Ziegen und Kamelen, aber jetzt sind fast alle Tiere gestorben. Durch die Hilfe der Johanniter und AIC sind uns in Nasinyono noch ein paar Säcke Sorghum als Reserve verblieben, die wir essen können. Aber die letzte Ernte ging komplett verloren. Normalerweise säen wir im März neu aus, aber bei dieser Trockenheit macht es keinen Sinn. Letztes Jahr wurde uns beigebracht, wie man als Imker zur Honigherstellung arbeiten kann, aber durch die Dürre gibt es keine Blumen und alle Bienen sind jetzt tot. Sollte es wieder irgendwann regnen und Gras wachsen, müssen wir irgendjemand um eine Ziege anbetteln, um wieder ganz von vorne anzufangen.“

Auszüge aus Gesprächen mit Frauen und Ältesten aus den Nomaden-Gemeinden:


Wir hatten in den letzten fünf Jahren immer Probleme mit der Trockenheit, aber dieses Jahr tötet die Dürre alle unsere Tiere. Früher hatten wir Grasland zur Reserve eingezäunt, um es in Trockenzeiten für die Tiere nutzen zu können. Aber alle Flächen sind mittlerweile abgegrast und unser Vieh stirbt wegen fehlendem Futter und Wasser. Wir hängen sehr an unseren Tieren. Einige von uns haben 300 Ziegen verloren, das traumatisiert uns sehr.

Wir können nicht einmal das Fleisch der verendeten Tiere essen. Deshalb essen wir manchmal nur einmal täglich.“

Wir sind in die Stadt Kakuma gekommen, um nach Essen zu betteln. Manchmal arbeiten wir hier für Flüchtlingsfamilien (im Flüchtlingscamp Kakuma). Wir tragen für sie Wasser, Feuerholz und Geäst zusammen, mit dem wir ihre Behausungen umzäunen. Oder wir putzen ihre Häuser, waschen ihre Wäsche im Tausch für Essen oder Geld. Mit dem Geld bezahlen wir auch die Schulgebühren unserer Kinder.“

Wir hatten Gemüse an den Flussufern angepflanzt und es mit dem Wasser aus Löchern im trockenen Flussbett bewässert. Aber durch die Dürre geht selbst das nicht mehr und unsere Gärten sind vertrocknet.“

Wir haben kein sauberes Trinkwasser mehr und müssen das verschmutzte Wasser aus dem trockenen Flussbett trinken. Das macht viele von uns krank.“

Einige von uns sind mit ihrem Vieh auf der Suche nach Grasland nach Uganda und in den Südsudan gezogen. Aber das schürt gewaltsame Konflikte wegen des Wassers und des Landes mit der lokalen Bevölkerung.“

Mehr zur drohenden Hungersnot erfahren Sie hier

Um die Betroffenen in Ostafrika zu unterstützen, sind die Johanniter auf Spenden angewiesen

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Erfahren Sie mehr zur Thematik "Hunger" in diesem Video:

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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