Kenia: Unterernährung stark angestiegen – mehr als 70.000 Kinder von Hungertod bedroht

Berlin / Nairobi, 21. August 2017

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In einer gemeinsamen Pressemitteilung warnen Hilfsorganisationen davor, dass aufgrund der Dürre der vergangenen Monate fast 73.000 Kinder in Kenia akut unterernährt und vom Hungertod bedroht sind, wenn nicht umgehend Nothilfe geleistet werde. Das habe eine gemeinsame Erhebung zur Ernährungssituation ergeben, welche die lokalen Gesundheitsbehörden, UNICEF und neun Hilfsorganisationen durchgeführt hatten.

Die Daten ergaben, dass sich allein in der nordwestlich gelegenen Turkana-Region der Anteil an akuter Mangelernährung - die lebensbedrohlichste Form des Hungers - in nur einem Jahr von 2,3% auf 8,3% fast vervierfacht hat. Besonders Kinder sind betroffen. In Turkana Süd leidet jedes achte Kind unter fünf Jahren an Unternährung und akuter Mangelernährung. Auch in Ost-Pokot (5,8%), Mandera (5,2%), Samburu (3,8%) und West Pokot (3,2%) sind die Raten für Unterernährung und akute Mangelernährung alarmierend hoch.

Über 70.000 Kinder sind laut einer Erhebung in Kenia vom Hungertod bedroht. Foto: Axel Fassio

Nach der Präsidentschaftswahl vor zwei Wochen fordern die Johanniter gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen die nationalen und lokalen Regierungen nachdrücklich auf, in gemeinsamer Abstimmung auf die Dürrefolgen zu reagieren und finanzielle Mittel zur Bekämpfung des Hungers bereitzustellen. Dies schließt Nahrungsmittelprogramme ein, um die am meisten Gefährdeten zu erreichen und unnötige Todesfälle zu verhindern.
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Laut den Daten sind in einigen Teilen der nordwestlichen Provinz Turkana bis zu 12 Prozent der Kinder unter fünf Jahren stark unterernährt. Das ist sechsmal so hoch wie der Grenzwert für starke Unterernährungsraten der Weltgesundheitsorganisation, ab dem man von einer Notsituation spricht“, sagt Philippe Carrette, Johanniter-Länderbüroleiter in Kenia, der sich von den Ergebnissen alarmiert zeigt.

Grund für die Entwicklung ist vor allem die anhaltende Dürre. „Die dritte Regenzeit in Folge ist  ausgefallen. Die nächste Regenzeit wird erst für Oktober erwartet. Bis dahin gibt es keine andere Lösung, als die Bevölkerung weiter mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser zu unterstützen“, berichtet Carrette. Die Studie belegt, dass acht von zehn Frauen in Turkana unter Mangelernährung leiden. Das liege vor allem daran, dass Milch, Mais und Bohnen – die Grundnahrungsmittel der Turkana-Bewohner - kaum noch zur Verfügung stünden. Zudem seien bereits 70 Prozent der Nutztiere gestorben. Die verbleibenden finden kaum noch Nahrung und Wasser und produzieren deshalb keine Milch.

Unterstützung für Schulspeisung - Nothilfe auch im Südsudan ausgeweitet

Die Johanniter, die seit der schweren Dürre 2011 in Turkana tätig sind, versorgen schon seit Monaten mehr als 4000 Menschen mit Wasser und Grundnahrungsmitteln. Als Reaktion auf die aktuellen Ergebnisse werden sie ihre Maßnahmen aufstocken und anpassen. „Wichtig ist die zügige Verteilung von proteinreichen Nahrungsmitteln, vor allem an Frauen und Kinder”, sagt Carrette. Ab September werden die Johanniter gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation AICHM eine kontinuierliche Schulspeisung für mehr als 2900 Schüler an sechs Schulen in Turkana West sicherstellen. Zusätzlich sollen rund 200 Straßenkinder Zugang zu regelmäßigen Mahlzeiten und sauberem Trinkwasser erhalten. Die Maßnahme ist für sechs Monate geplant.

Unterdessen haben die Johanniter auch in der Provinz Bahr el Ghazal im Südsudan ihre Nothilfe ausgeweitet. Nach Gefechten im April sind rund 6000 Menschen aus der Stadt Raga und dem Umland in die südlicher gelegene Kleinstadt Deim Zubeir geflohen, wo sie unter widrigen Bedingungen ausharren. In den kommenden zwei Wochen werden die Menschen mit Sorghum-Hirse, Bohnen, Speiseöl und Salz versorgt. Finanziert werden die neu gestarteten Maßnahmen in Kenia und dem Südsudan über Spendengelder von Aktion Deutschland Hilft.

Philippe Carrette, Länderbüroleiterin der Johanniter-Auslandshilfe in Kenia, steht Ihnen für Telefoninterviews zur Verfügung.

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an:Sandra Lorenz, Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe, Tel.: 030 26997-356 / Mobil: 0172 563 87 40 / E-Mail: sandra.lorenz@johanniter.de

Mehr Informationen zur drohenden Hungersnot und Einblicke in die Arbeit der Johanniter im Südsudan erhalten Sie hier in einem WELTSPIEGEL Extra der ARD vom 11. April 2017

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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