Kolumbien: "Ich bin stolz, ein Zentrum für meine Tochter zu bauen."

Medellín, 24. Januar 2017

Bald ist es soweit: die neue Kindertagesstätte in Medellín ist fast fertig.

 2015 wurde der Grundstein gelegt und nur noch wenige Wochen fehlen für die Inbetriebnahme der neuen Kindertagesstätte. Die lokale Partnerorganisation "Las Golondrinas" baut derzeit mit Unterstützung der Johanniter und finanzieller Hilfe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die moderne Einrichtung in der kolumbianischen Metropole Medellín. Genauso wie das umliegende Armenviertel wird auch die Kindertagesstätte „Llanaditas“ heißen, die über 300 Kindern im Alter bis sechs Jahre das bieten wird, was ihnen in Medellín meist verwehrt bleibt: einen kindgerechten Ort und professionelle Betreuung. Sie erhalten bis zu vier Mahlzeiten pro Tag, werden basismedizinisch versorgt und die Eltern werden über gesunde Ernährung, familiäres Zusammenleben und kindliche Entwicklung durch die Mitarbeiter von „Las Golondrinas“ beraten. Eine Schule für ältere Jahrgänge ist dem Gebäude angeschlossen, ein Bereich mit psychosozialer Betreuung hilft Familien, über Krisen, Probleme oder traumatische Erlebnisse hinwegzukommen.

Maria Cenedes: "Stolz, dieses Zentrum bauen zu dürfen." Foto: Golondrinas

Bis die Eröffnung so weit ist, werden noch die letzten Handgriffe getan. Maria Cenedes ist eine von ihnen, die auf der Baustelle mit anpackt. Sie ist vor zwanzig Jahren aus der nördlich gelegenen Provinz Urabá mit ihrer Familie nach Medellín geflüchtet, nachdem ihr Bruder von rechten Paramilitärs ermordet wurde. Zehntausende ereilte in den vergangenen Jahren ein ähnliches Schicksal. Kolumbien ist trotz eines kürzlich vereinbarten Friedensabkommens trauriger Spitzenreiter bei der Zahl der intern Vertriebenen weltweit: fast sieben Millionen Menschen sind in den letzten 30 Jahren vor Gewalt und Krieg innerhalb des eigenen Landes geflüchtet.

Video über die Arbeit unserer Partnerorganisation "Las Golondrinas"

Die große Mehrheit suchte wie Maria in den Städten einen Neuanfang, der äußerst schwierig ist. „Ich war damals schwanger und alleinstehend“, erinnert sich Maria an die Zeit danach. Sie musste viel kämpfen, um ihren beiden Kindern ein einigermaßen gutes Leben zu geben. Arbeiten und gleichzeitig auf die Kinder aufpassen, war kaum vereinbar. Zudem studiert sie noch, um professionell im Leben weiterzukommen. Umso mehr freut sie sich, dass sie nun das Studium durch die Arbeit auf der Baustelle finanzieren und gleichzeitig ihre Familie unterstützen kann. Vor allem langfristig: „Ich bin stolz darauf, ein Kinderzentrum zu bauen, in das meine Tochter in Zukunft geht“, sagt Maria.

Einweihung einer Kita in 2013. Foto: JUH

Schon 2013 haben Las Golondrinas und die Johanniter im Medellíner Stadtviertel Caicedo (Comuna 8) eine ähnliche Kindertagesstätte fertiggestellt und feierlich eröffnet. Im nordwestlichen Department Córdoba werden derzeit Kindertagesstätten in der Stadt Monteria sowie vier ländlichen Gemeinden bei der Ausstattung und durch Renovierungsarbeiten bis 2018 unterstützt. Mehr als 4600 Kinder erhalten dort eine Betreuung von den Golondrinas und können in Zukunft unter deutlich besseren Bedingungen aufwachsen und lernen.

Hier geht es zur Kolumbien-Seite der Johanniter

Auch Sie können unsere Arbeit für Kinder in Kolumbien durch Ihre finanzielle Hilfe unterstützen!

Ansprechpartnerin Christine Leicht

Lützowstr. 94
10785 Berlin