Libanon: Berufsausbildung für Flüchtlinge

Berlin, 13. März 2017

"Aufgeben nicht denkbar"

Unter dem Motto "Uns sind die Hände gebunden" fordern mehr als 20 Organisationen anlässlich des 6. Jahrestags seit Beginn des Bürgerkriegs humanitären Zugang in Syrien. Hier gibt es das Video zur Aktion:

Der Libanon hat die UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet. Flüchtlinge werden deshalb offiziell nicht als solche anerkannt. Dies macht es den über 1,5 Millionen Flüchtlingen im Land sehr schwer, ein neues Leben aufzubauen. Besonders die Palästinenser, die teilweise bereits seit 1948 im Land sind, leben bis heute in Camps und erhalten kaum Möglichkeit im libanesischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Johanniter unterstützen nun 120 Jugendliche mit und ohne Behinderung dabei, diesen Sprung zu schaffen.

In drei palästinensischen Flüchtlingscamps ermöglichen die Johanniter und ihr lokaler Projektpartner Naba´a den 120 Jugendlichen eine Berufsausbildung. In Berufsschulen erhalten die Jugendlichen eine Ausbildung zum Friseur, Buchhalter, Koch oder Kellner. In einer Marktstudie hatten die Johanniter und Naba’a vorher untersucht, in welchen Bereichen im Libanon Arbeitsplätze vorhanden und vor allem Menschen mit Behinderung eine Jobperspektive haben. Die Hälfte der 120 Jugendlichen leben mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Für sie sind die Hürden in den Berufseinstieg fast unüberwindbar. 

„Wir wollen verhindern, dass sich die Jugendlichen aus Frust extremistischen Gruppen anschließen oder in die Kriminalität und den Drogenkonsum abrutschen“, erklärt Walter Berier, zuständiger Johanniter-Regionalbüroleiter im Nahen Osten, das Ziel des Projekts.

Neben der Berufsausbildung werden den Studenten auch Trainings in den Bereichen Gruppendynamik, Kommunikation und Konfliktlösung angeboten. Nach der sechsmonatigen Ausbildung unterstützen die Johanniter und Naba’a die Studenten dabei, ein Praktikum oder einen Job zu finden. Viele der teilnehmenden Jugendlichen wollen auch ein eigenes Geschäft eröffnen. Hier helfen wir mit Kleinkrediten weiter“, so Berier. 

Freizeitaktivitäten für Kinder

Um bereits Kindern die Möglichkeit zu geben, etwas Abwechslung in dem Camp-Alltag zu erleben, bieten die Johanniter für sie verschiedene Freizeitaktivitäten an. Hierzu wurden 60 Jugendgruppen organisiert und mit 150 Euro finanziell unterstützt, um gemeinsame Aktivitäten durchführen zu können. Das kann vom Volleyballturnier, über Malen, Basteln, Ausflüge, Schwimmen und Kino variieren. Auch hier wird Wert darauf gelegt, dass Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam Zeit verbringen, um Barrieren abzubauen. „Viele der Teilnehmer sind vorher nur zuhause geblieben und hatten keine Freunde. Zu schwierig ist es, sich in den überfüllten engen Camps mit einer Behinderung zu bewegen, auch bestand Angst vor Missbrauch“, erklärt Walter Berier. 

Jeder Vierte im Libanon hat einen Fluchthintergrund

Kein Land der Welt hat in den vergangenen Jahren gemessen an seiner Einwohnerzahl mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. In dem Staat mit rund 4,5 Millionen Einwohnern leben laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) rund 1,5 Millionen Flüchtlinge, die meisten davon aus Syrien. Zudem leben rund 450.000 Palästinenser teilweise in der 2. oder 3. Generation im Libanon, da die ersten palästinensischen Flüchtlinge bereits 1948 mit der Gründung Israels ankamen. Die große Mehrheit der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon besitzt nicht die libanesische Staatsangehörigkeit und ist somit staatenlos. 

Das Projekt wird durch Spenden und aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Höhe von 452.000 Euro ermöglicht.

Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin