"Mathenge"-Baum in Kenia: Vom Fluch zum Segen

Nairobi, 02. November 2017

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Seit 2011 engagieren sich die Johanniter für eine Zukunftsperspektive der Turkana-Nomaden im Nordwesten Kenias. Wie bei der Dürre 2011 kämpfen sie heute ums Überleben, nachdem abermals die Regenzeiten ausgeblieben sind. Der Unterschied zu damals: sie sind sesshaft geworden und hängen nicht mehr allein von ihren Viehherden ab. Dabei spielt der Mathenge-Baum, einstiger Fluch der Viehzüchter, eine Schlüsselrolle.

Die zweistündige Fahrt von Kakuma nach Nasinyono im Nordwesten Kenias führt durch unwegsames Gelände. Die Straße ist nicht asphaltiert und endet im Zielort. Die Temperaturen liegen um 11Uhr vormittags bereits bei 35 Grad Celsius und starker Wind wirbelt den lockeren Sand in dieser flachen Region auf. Der Name Nasinyono, so erklären es die Einheimischen, bedeutet loser Sand. Dennoch überrascht der erste Eindruck: die Region Turkana im Norden Kenias wirkt grün. Trotz der Tatsache, dass dieses Gebiet oft heiß, trocken und staubig ist. Und trotz der extrem langen Dürre, welche die Region im Griff hat und viele Menschen hungern lässt.

Nicht länger eine Bedrohung

Was macht Turkana so grün? Der Grund dafür ist Prosopis juliflora oder umgangssprachlich Mathenge, eine buschähnliche Pflanzenart, die in dieser Region verbreitet ist und von den Einheimischen lange Zeit als Bedrohung für ihre traditionelle Viehhaltung und die Weiden angesehen wurde. „Für uns war der Mathenge-Baum ein Fluch“, sagt John Losikikia, Gemeindevertreter in dem Ort. „Aber jetzt ist er ein Segen, wenn er gut verwaltet und sinnvoll genutzt wird, etwa für die Produktion von Holzkohle, Brennholz, Zaunpfähle oder als Viehfutter."

Die Johanniter hatten in Zusammenarbeit mit ihrer nationalen Partnerorganisation AICHM in den vergangenen Jahren Wege gesucht, für die Bewohner von Nasinyono das Potenzial dieses Baumes zu nutzen. Für Losikikia war das neben anderen Maßnahmen ein Meilenstein zur Existenzsicherung für die Gemeinschaft, die zuvor als Viehzüchter durchs Land zogen. "Vor 2011 war der Ort ein Transitpunkt für Nomadenfamilien, die von Lokichogio in den Südsudan oder andersherum zogen. Heute gibt es hier zahlreiche Familien, die sich dauerhaft niedergelassen haben."

Wirtschaftliche Abhängigkeit vom Vieh verringert

2000 Sack Holzkohle werden Ende des Jahres ausgeliefert. Der Ertrag kommt der gesamten Gemeinde zugute. Foto: Axel Fassio

Die Nomaden haben heute feste Häuser in der Siedlung und einzig die Männer begleiten ihre Herden. Wirtschaftlich hängen sie nicht mehr allein vom Vieh ab. Die meisten Mathenge-Produkte wie Holzkohle, Brennholz und Stämme zum Hausbau finden Kundschaft. Vor allem das riesige Flüchtlingslager in Kakuma ist zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden. Die Gemeinde arbeitet mit dem Welternährungsprogramm (WFP) und dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR zusammen. Deren lokale Partnerorganisation LOKADO kauft die Produkte ein und gibt sie bedarfsgerecht an die Camp-Bewohner weiter. „Die Erlöse aus dem Verkauf der Holzprodukte werden gemeinschaftlich verwaltet und auf einem Sparkonto angelegt“, erklärt Jacob Kyalo von AICHM, der seit Jahren die Nasinyono-Gemeinde begleitet. „Pro Tag werden zwischen 5 und 7 Säcke Kohle produziert, zum Jahresende sollen wieder 2000 Säcke an WFP geliefert werden, welche umgerechnet fast 11.000 Euro für die Bewohner von Nasinyono einbringen“, so Kyalo. Damit können Setzlinge für zukünftige Aussaaten bei der Landwirtschaft oder Schulmaterialien angeschafft werden, je nach Bedarf in der Gemeinde. Der Mathenge-Baum ist nicht nur eine wirtschaftliche Alternative, sondern vor allem zu einer Option für eine Zukunft in Turkana geworden.

Woher kommt der Mathenge-Baum?

Mathenge ist eine buschähnliche Pflanze, der laut Angaben des Kenya Forest Research Institute (Kefri) in Südamerika heimisch ist. Die Art wurde in den 1960er Jahren von der kenianischen Regierung eingeführt, um die Wüstenbildung einzudämmen. In den 80er Jahren wurde gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) intensiv eine Verbreitung des Mathenge in ariden und semi-ariden Regionen wie der Turkana-Region eingeleitet. Das Problem: seitdem verbreitet sich die dornige Pflanze, die als Baum bis zu 12 Meter hoch werden kann, unkontrolliert und rasant aus, hat die Weideflächen der Nomaden reduziert sowie einheimische Pflanzenarten verdrängt. Denn durch die tiefen Wurzeln erreichen sie auch noch bei starker Trockenheit tiefliegende Feuchtigkeit im Boden und lassen anderen Sträuchern und Bäumen keine Chance.

Der Name Mathenge wird auf Bewohner der kenianischen Ortschaft Hola zurückgeführt. Sie kannten den Namen des Baumes nicht, aber die Kinder genossen es, in das Haus eines Mannes zu gehen, um dort die Samen dieses Baumes zu essen. Als sie gefragt wurden, welchen Baum sie pflanzen sollten, sagten sie nur: „Ule wa Mathenge“ - jenen auf dem Mathenge-Grundstück.

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