Medizinische Hilfe im Flüchtlingslager Kakuma

Berlin, 04. Januar 2017

Mutter und Kind sind erschöpft, aber wohl auf. Die kleine Riziki ist letzte Nacht in einem Krankenhaus in Kakuma zur Welt gekommen, dem zweitgrößten Flüchtlingslager Kenias. Mama Mireille Lukambala kann schon wieder lachen. Sie ist im Januar 2016 mit ihrem Ehemann aus der Demokratische Republik Kongo geflohen. Seit Januar 2016 lebt sie in Kakuma. Den Namen ihrer Tochter hat sie ganz bewusst ausgesucht, er heißt übersetzt "Geschenk".

Krankenschwester Irene Wandera hat die Geburtsstation fest im Griff. Die Geburtsstation ist Teil des Krankenhauses in Kakuma, welches die Johanniter in Kooperation mit ihrem lokalen Partner „African Inland Churches“ (AIC) und Mitteln des Auswärtigen Amtes, unterstützen. Durchschnittlich acht Kinder kommen hier täglich zur Welt. Nach der Geburt können die Mütter noch 24 Stunden in der Klinik bleiben, um sich etwas zu erholen. Die meisten Mütter sind Flüchtlinge aus Südsudan, Somalia und dem Kongo, aber auch Frauen aus der Umgebung nutzen das medizinische Angebot gern. Das 1992 eröffnete Flüchtlingslager beherbergt rund 200.000 Menschen und liegt in der bitterarmen Wüstenregion Turkana im Nordwesten Kenias. Kaum Infrastruktur, Temperaturen über 30 Grad, kaum Wasser – keine einfachen Bedingungen für eine Familie. Irene Wandera liegt es deshalb besonders am Herzen, den Kindern einen guten Start ins Leben zu geben.

Qualifizierte Betreuung von Müttern und Kindern

Gerade die Geburtsvor- und -nachsorge ist wichtig, um Komplikationen zu vermeiden, die den Kindern den Start ins Leben zusätzlich erschweren. „Deshalb konzentrieren wir uns in diesem Projekt besonders auf die Betreuung von Müttern und Kindern“, erklärt Projektkoordinatorin Nina Skandalaki.

„Unser Ziel ist es, dass keine Frau in Kakuma ihr Kind ohne qualifizierte Hilfe zur Welt bringen muss.“

Zu der Betreuung gehört auch die Kontrolle des Ernährungszustands von Kindern unter fünf Jahren und von schwangeren Frauen. Zeigen sie Zeichen von Mangelernährung, bekommen sie spezielle Nahrung direkt im Krankenhaus. 

Krankheiten behandeln und vorbeugen

Neben der besonderen Fürsorge für Mütter und Kinder, behandeln die Krankenschwestern und –pfleger auch alltägliche Erkrankungen oder Verletzungen. Besonders Hautkrankheiten, Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen sind ein Problem im Flüchtlingslager, in dem die Menschen dicht an dicht wohnen und ansteckende Krankheiten sich schnell ausbreiten können. Auch Impfungen nehmen die Mitarbeiter in der Station vor, um den Ausbruch und die Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden.

Neue Lebensqualität für Kinder und ältere Menschen

Einmal im Monat bieten Fachteams für Augen- und Zahnheilkunde Spezialsprechstunden für die Menschen in Kakuma und den umliegenden Gemeinden an. Besonders ältere Menschen leiden unter Krankheiten, die ihr Sehvermögen mindern. Kleinere Beschwerden können direkt vor Ort behandelt werden. „Oft helfen schon eine Brille oder ein paar Augentropfen“, weiß Nina Skandalaki. „Größere Augenerkrankungen übernimmt unser speziell ausgerüstetes Operationsteam.“ Operationen an Zähnen oder Kiefer werden direkt im Krankenhaus durchgeführt.

„Mit geringem Aufwand können wir in vielen Fällen eine große Wirkung erreichen und den Menschen ein erhebliches Stück Lebensqualität zurückgeben.“

Das gilt auch für die orthopädischen Operationen, die ein weiteres Ärzteteam durchführt. Viele ihrer Patienten sind Kinder, die durch Erkrankungen an der Wirbelsäule, Fehlbildungen oder Brandvernarbungen stark in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. „Je früher wir die Kinder behandeln können, umso eher können wir Folgeschäden vermeiden“, erklärt Skandalaki. Die Operationen geben den Kindern ihre Beweglichkeit zurück, sie können spielen, in die Schule gehen, wieder am Leben teilhaben.

Ein Zuhause für 20 Nationalitäten

Das Flüchtlingslager Kakuma, 1992 gegründet und ursprünglich für maximal 30 000 Menschen geplant, ist zurzeit das Zuhause von rund 200 000 Flüchtlingen. Die meisten kommen aus den Bürgerkriegsländern Südsudan und Somalia, aber auch aus der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien und Burundi flüchten ganze Familien nach Kakuma. Ungefähr 20 Nationalitäten leben hier zusammen.

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