Myanmar: Schmaler Grat zwischen Krieg und Frieden

Berlin / Rangun, 11. September 2017

Karen in Myanmar: Erst zur Flucht und nun zur Rückkehr gezwungen? Foto: JUH

In vielen Landesteilen Myanmars kämpfen ethnische Minderheiten gegen die Zentralregierung des Landes. So eskaliert derzeit erneut der Konflikt mit den Rohingyas, weshalb bereits über Hunderttausend von ihnen ins benachbarte Bangladesch geflohen sind. Mit anderen ethnischen Minderheiten wurden zwar Friedensabkommen getroffen, doch die über Jahrzehnte zerstörte Infrastruktur und weiterhin starke Militärpräsenz erschweren ein friedliches Zusammenleben.

Über 60 Jahre bekämpften sich die Karen, eine ethnische Minderheit im Osten Myanmars, und die Zentralregierung. Der Konflikt war damit einer der weltweit am längsten anhaltenden Bürgerkriege. Das Ziel der Karen war ein unabhängiger Staat oder mehr Autonomie von der Zentralregierung in einem föderalen System. Die Folge waren hunderttausende Flüchtlinge in den Lagern in Thailand, niedergebrannte Dörfer, verminte Felder und unzählige Tote. Erst im Jahr 2012 kam es zu einem Waffenstillstand und 2015 zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens.

Internationale Hilfe endet

Seitdem versuchen die Karen sich ein neues Leben in der zerstörten Region aufzubauen. Doch noch immer harren in Thailand rund hunderttausend Menschen in neun Lagern in Grenznähe aus. Deren internationale Hilfe soll dieses Jahr enden und es wird erwartet, dass die meisten der Flüchtlinge zurückkehren. „Wohin sie zurückkehren und wie sie überleben sollen, ist nicht geklärt“, so Lothar Kinzelmann, Leiter des Johanniter-Büros in Myanmar. Er bereiste vor kurzem erneut die Region, in der die Johanniter Projekte zur Verbesserung der notwendigsten Infrastruktur durchführen.

Aufgrund der Beendigung der internationalen Hilfe für die Flüchtlinge ist zu erwarten, dass die Bevölkerung in den Gemeinden massiv anwächst und die Infrastruktur dafür erst geschaffen werden muss. Da auch nicht geklärt ist, ob die Menschen etwas Land für die Landwirtschaft erhalten, ist noch völlig unklar, wovon die Rückkehrer leben sollen.“

Verbesserung der Infrastruktur

Eines der beiden unterstützten Gesundheitszentren befindet sich in Kler Day, das im August feierlich eröffnet wurde. Foto: JUH

Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern und finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben die Johanniter in 39 Dörfern im Hlaingbwe Township des Karen-Staats eine medizinische Infrastruktur geschaffen, wodurch mehr als 12.000 Menschen wieder eine medizinische Versorgung erhalten. So wurden zwei Gesundheitszentren rehabilitiert und ausgestattet sowie Gemeindegesundheitshelfer ausgebildet. Sie kümmern sich um die tägliche medizinische Versorgung und sind auch auf medizinische Notfälle vorbereitet. Zudem werden in Dörfern, die Zugang zu Quellen haben, Wasserversorgungsanlagen installiert und die Menschen beim Bau von Latrinen unterstützt. Schulgärten werden eingerichtet, um die Bauern im Anlegen von Gemüsegärten zu schulen. Außerdem erhalten sie Gerätschaften für den Gartenbau und Saatgut sowie Unterstützung beim Installieren von Bewässerungssystemen. In Trainings werden die Bauern über verbesserte Lagerungsmethoden von Reis und Saatgut geschult. „Dank dieser Maßnahmen können wir die Bevölkerung in der Region stärken und so einen Beitrag zur friedlichen Integration von Familien leisten, die bereits zurückgekehrt sind“, freut sich Kinzelmann.

Ethnische Minderheiten in Myanmar

Die Situation der Rohingya im Westen Myanmars ist verheerend und alarmierend – und Teil eines vielschichtigen und jahrzehntelangen Konflikts in Myanmar. In dem Vielvölkerstaat leben mehr als 100 ethnische Gruppen zusammen. Nach der Unabhängigkeit 1948 suchten einige von ihnen die teils gewaltsame Loslösung vom Zentralstaat, da der versprochene Föderalstaat mit lokaler Selbstbestimmung nie umgesetzt wurde. Zehntausende Menschen sind seitdem umgekommen, die Zahl der Binnenvertriebenen wird auf mehr als eine halbe Million vermutet, hunderttausende flohen ins Ausland. Zwar konnten in der Vergangenheit zahlreiche Waffenstillstände vereinbart werden, doch noch immer wird in vielen Teilen des Landes gekämpft.

Das Vertrauen der Bevölkerung in das Militär ist gestört. So sollen die Karen jetzt in eine Region zurückkehren, aus der sie vor Jahren vor Vergewaltigung, Tod und Gewalt durch das Militär geflohen sind und in der auch heute noch das Militär stark präsent ist.“

Warum arbeiten die Johanniter nicht im westlichen Bundesstaat Rakhine?

„Um effizient Nothilfe leisten zu können, sind aus unserer Sicht etablierte Strukturen und Arbeitserfahrungen in dieser hochsensiblen Region vonnöten“, erklärt Jutta Meissner, Fachbereichsleiterin der Johanniter für Südostasien. „Rakhine war für uns in der Vergangenheit nicht zugänglich, deswegen haben wir dort keine Expertise. Umso wichtiger ist es jetzt, die dort bereits aktiven Hilfsorganisationen arbeiten zu lassen und ihre Rolle als unparteiische Akteure zu respektieren.“

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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