Sieben Jahre Syrienkrieg: Flüchtlinge warten in tiefer Armut auf Rückkehr

Berlin/Amman/Beirut, 16. März 2018

Sieben Jahre nach Beginn des Syrienkrieges ist die humanitäre Lage der Bevölkerung weiter dramatisch. Die große Mehrheit der Syrer sind inner- und außerhalb ihres Landes auf Nothilfe angewiesen. In den Nachbarländern Libanon und Jordanien leben syrische Flüchtlinge unter schwierigsten Bedingungen, wie unsere Beispiele zeigen.

Mamdouh ist 14 Jahre alt. Er kann weder sprechen noch laufen. Zusammen mit seiner Familie floh er im Jahr 2012 aus dem syrischen Holmes in ein Flüchtlingscamp im Norden des Libanon. Dort leben er, seine Eltern und seine sechs Geschwister in einem Zelt, das  Wohnbereich, Schlafraum den Kochbereich umfasst. Der Boden ist nackter Beton. Ein dünner Teppich schützt etwas vor der Kälte. Seit fast sechs Jahren harrt die Familie ohne Perspektive, Arbeit oder Geld aus.

52 Familien drängen sich in 29 Zelten auf gerade einmal 1500 Quadratmeter. Das entspricht in Deutschland einem größeren Einfamiliengrundstück. Es gibt einen Waschplatz mit drei Toiletten für alle Bewohner dieses Camps. Sie alle leben dort illegal, denn keiner kann sich die horrenden Registrierungsgebühren von 200 Dollar pro Person leisten, die halbjährlich gezahlt werden müssen. „Arbeiten dürften wir aber trotzdem nicht, egal ob wir registriert sind oder nicht“, sagt der Vater von Mamdouh. Er und sein 10-jähriger Sohn arbeiten deshalb illegal als Tagelöhner. „Wenn die Soldaten uns erwischen, würden sie uns sofort zurück nach Syrien bringen“, beschreibt der Vater die tägliche Angst.

Als die Familie noch in Syrien lebte, arbeitete der Vater als Fahrer. Sie wohnten in einem Haus mit eigenem Garten. Das ist jetzt zerstört. Sie alle wollen trotzdem zurück nach Syrien, wenn sich die Lage dort etwas stabilisiert hat. Vorher macht es keinen Sinn.

Wenn ich jetzt vorausgehe, um die Rückkehr meiner Familie vorzubereiten, darf ich nicht mehr in den Libanon einreisen. Deshalb bleiben wir hier und warten, bis der Krieg vorbei ist“, so der Vater.

Fast jeder dritte Einwohner im Libanon ist Migrant aus den verschiedenen Krisenherden der Region der vergangenen Jahrzehnte. Wie die Johanniter das Zusammenleben unterstützen und Perspektiven schaffen, erfahren Sie hier.

Jordanien: tiefe Armut trotz besserer Voraussetzungen

Samira lebt mit ihren drei Kindern im Norden Jordaniens. Sie floh vor fünf Jahren vor den Kriegswirren in Syrien. Nun lebt sie unter ärmlichsten Bedingungen in einem Camp an der syrischen Grenze. „Der Krieg in Syrien geht jetzt ins siebte Jahr. Unsere ganzen Ersparnisse sind weg. In der Vergangenheit erhielten wir noch Bargeld- und Nahrungsmittelhilfen, aber auch diese Unterstützung gibt es nicht mehr“, berichtet Samira. „Jeden Morgen wache ich auf und frag mich, wie wir den Tag überleben sollen. Wir stehen unter enormen finanziellen Druck, weshalb auch meine Kinder arbeiten."

Im Gegensatz zum Libanon müssen Flüchtlinge in Jordanien keine Registrierungsgebühren zahlen. Theoretisch dürfen sie auch legal arbeiten, aber eine Arbeitserlaubnis kann man nur nach einem langwierigen Prozess erlangen. Im Vergleich zum Libanon sind die Ausgangsbedingungen zwar besser, dennoch leben fast alle Syrer in Jordanien unter der Armutsgrenze. „Ich vermisse Syrien sehr und würde gern zurückkehren“, wünscht sich Samira. Doch so wie im Libanon verbietet auch Jordanien die Rückkehr, sobald die Flüchtlinge das Land verlassen haben.

Viele Kinder sind in den Kriegswirren Syriens zur Welt gekommen und heute im Schulalter. Um ihnen auch in Jordanien einen guten Start zu ermöglichen, unterstützen wir eine Kita und ein Jugendzentrum.

Unterstützen Sie unsere Hilfe weltweit.

Spenden Sie jetzt
Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin