Sri Lanka: Barrieren überwinden

Berlin, 29. August 2017

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Kleine Stufen, schmale Türen oder Löcher im Boden stellen für Menschen mit Behinderungen oft unüberwindbare Hindernisse dar. In Ländern wie Sri Lanka sind die Mittel meist begrenzt, um ansatzweise Barrierefreiheit zu schaffen. Seit 2015 verfolgen die Johanniter dort umfassende Verbesserungen für 600 Kinder, die vor allem unter Zerebralparese leiden, einer Bewegungsstörung durch Hirnschädigung. Unsere Projektkoordinatorin Linda Zimmermann war im Sommer dort und berichtet von ihren Eindrücken.

 

Rollstühle ermöglichen den Familien mehr Lebensqualität und Teilhabe am öffentlichen Leben. Foto: JUH

Das Mädchen lächelt schüchtern und blickt verlegen zu Boden, als ich sie frage, wie es ihr heute geht. „Eigentlich hat sie immer Schmerzen“, antwortet ihre Mutter. „Aber wir sind alle sehr froh, dass sie mit Hilfe ihres Rollstuhls zumindest wieder normal zur Schule gehen kann.“ Das Mädchen ist zehn Jahre alt und leidet an einer sehr schweren Form von Rheuma – ein seltener Fall, den man leider kaum behandeln kann. Vor ein paar Jahren fing es mit Schmerzen in den Fingern an, mittlerweile sind Beine als auch Arme des Mädchens betroffen. Ohne Rollstuhl würde sich ihr Leben wohl hauptsächlich in diesen vier Wänden abspielen.

Im September 2015 begannen die Johanniter in enger Kooperation mit drei Partnerorganisationen ein Projekt mit dem Ziel, Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe für Kinder mit Zerebralparese und anderen Behinderungen im Norden Sri Lankas zu fördern. Finanziell wird es vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt. Kein leichtes Unterfangen: 26 Jahre litt die Region unter einem Bürgerkrieg und erst 2009 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet. Bis heute sind weite Teile insbesondere im Norden des Inselstaats vermint. Erst einer der insgesamt sechs Bezirke wurde während meines Besuchs als minenfrei deklariert.

Barrierefreies Umfeld verbessert Lebensqualität

Dennoch ist die Situation nicht zu vergleichen mit meinem letzten Aufenthalt im Jahr 2010: die Menschen sind optimistischer und es hat sich einiges zum Positiven entwickelt, besonders im Bereich der Infrastruktur.  Daran sollen und müssen auch die Menschen mit Behinderung teilhaben. Für eine Woche bin ich mit unserem Partner Motivation in den Distrikten Mannar und Mullaitivu unterwegs, um zu verstehen, was unser Projektziel in der Praxis bedeutet. So besteht eine Maßnahme darin, die Kinder mit Rollstühlen auszustatten und ihr Wohngebiet mit Rampen und betonierten Wegen entsprechend anzupassen. Wir besuchen Häuser, welche die Kinder nun leicht in Rollstühlen verlassen können, weil Stufen oder andere Barrieren entfernt wurden. Das hat enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität der gesamten Familie und deren Alltag. Viele Kinder erhalten individuell angepasste Sitzschalen. Sie helfen, ihre Körperhaltung zu verbessern und physische Fehlentwicklungen zu vermeiden oder zumindest zu verlangsamen. Oft können unsere Maßnahmen wie bei dem Mädchen nicht die Ursache bekämpfen, aber die negativen Wirkungen deutlich lindern.

Verständnis für Menschen mit Behinderung schaffen

Anschließend fahren wir zu einem sogenannten „Parent Carer Training“. Hier sollen die Eltern von Kindern mit Zerebralparese im Umgang mit ihren Kindern unterstützt werden. Neben praktischen Kenntnissen ist das Verständnis für sie dabei besonders wichtig. Viele Kinder mit Behinderung werden noch immer von ihren Eltern aus Scham versteckt, oder weil sie von der Gesellschaft schlichtweg abgelehnt werden. Deshalb geht es beim Training auch um das Thema Kommunikation. Als wir ankommen, verteilt Motivation-Mitarbeiterin Visikulah gerade Marshmallows an die Teilnehmer. „Die brauchen wir für unsere nächste Übung“, erklärt sie mir. Eine der Frauen meldet sich als Freiwillige. Sie hat die Aufgabe, einfache Fragen zu beantworten, was mit drei großen Marshmallows im Mund gar nicht so einfach ist, wie sich schnell herausstellt. Außer Genuschel und unklaren Lauten ist wenig zu verstehen. „Wie geht es dir damit, dass du dich nicht verständlich machen konntest?“ fragt die Trainerin im Anschluss. „Kannst du dir vorstellen, dass es deinem Sohn ständig so geht?“

Nicht selten fällt diesen Kindern deshalb leichter, sich Tieren anzuvertrauen. Unser Projektpartner MARDAP bietet seit neuestem eine tiergestützte Therapie mit Eseln an. Hier können die Kinder ihre Gefühle zeigen sowie eine emotionale Bindung entwickeln. Besonders das Lernen ist mit einer schweren Behinderung besonders schwer. Das Projekt unterstützt deshalb auch den Aufbau und die Erweiterung von vier Förderschulen für insgesamt 180 Kindern in den beiden Distrikten. Parallele Sensibilisierungsmaßnahmen und Aufklärung sind der Grundstein dafür, das Inklusion zukünftig auch an regulären Schulen gelebt und angewendet wird. Wenn unser Projekt 2018 ausläuft, stehen in Mannar und Mullaitivu den rund 13.000 Kindern mit Behinderung erstmals umfassende Rehabilitationsdienstleistungen und Bildungsangebote zur Verfügung. Einige der größten Hürden sind für sie damit genommen.

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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