Südsudan: Kleine Tiere, große Wirkung

Berlin / Juba , 05. Januar 2018

Ob als Währung, Mitgift oder zur wirtschaftlichen Absicherung: im Südsudan bestimmt traditionell die Rinderhaltung den Status und das Schicksal vieler Familien. Nicht selten führt Viehdiebstahl zu blutigen Fehden, und selbst bei schweren Hungersnöten werden die Tiere nur widerwillig für den eigenen Verzehr geopfert. Dabei hat der Hunger weite Teile des Südsudans seit Jahren im Griff, Anfang 2018 könnte sich die Versorgung laut UN-Angaben wieder verschlechtern. Frauen und Kinder müssen nach Alternativen schauen, um Hunger anderweitig zu lindern. Die Zucht einer neuen Hühnerrasse bietet dabei eine Lösung.

Vor allem für Frauen bringt die verbesserte Hühnerzucht viele Vorteile mit sich: mehr Unabhängigkeit, eine bessere Ernährung der Familie und mehr Einkommen durch den Verkauf von Eiern. © F. Gutierrez/JUH

„Meine Hühner legen sieben Eier pro Tag. Davon bereite ich drei für uns zu und die anderen vier Eier verkaufe ich“, sagt Abal Mou, die gute Erfahrungen mit ihren Hühnern gemacht hat. Die Mutter von sechs Kindern kann durch den Verkauf eines Teils der Eier die Schulkosten für ihre Kleinen aufbringen und Schulmaterialien kaufen. „Durch den Verkauf eines Hahns konnte ich sogar eine Ziege kaufen, die uns jetzt Milch liefert“, so Abal Mou. Die Ziege diene als Rücklage für schlechte Zeiten.

Das Besondere an Abal Mous Tieren: Es handelt sich um Kenbro-Hühner, eine Kreuzung aus einer eingeführten Zuchtrasse und einheimischen Tieren. Sie ermöglichen mehr Erträge auch unter extremen klimatischen Bedingungen. Die Hühner und ihre Eier sind bis zu 50 Prozent größer als die einheimischen Hühner. Sie legen fast täglich Eier und sind nicht auf spezielle Nahrung angewiesen. Weil sie sich schnell vermehren, können gute Gewinne bei überschaubarer Arbeit und begrenzten Raum erzielt werden.

Frauen werden ökonomisch unabhängiger

Der Hühnerbestand hat sich bei vielen Frauen vergrößert, auch Nachbarn kreuzen ihre heimischen Tiere mit der neuen Rasse. Foto: T.Ramm/JUH

Gemeinsam mit Tierärzte ohne Grenzen e.V. arbeiten die Johanniter seit 2014 daran, die Geflügelhaltung in ländlichen Gemeinden der Provinz Western Bahr el Ghazal durch die Einführung dieser Kenbro-Hühner zu verbessern. Rinderhaltung ist im Südsudan reine Männersache, Hühner hingegen sind uninteressant für sie. Daher kamen ausschließlich Frauen für die Verteilung der Hühner infrage. Bisher erhielten 250 Haushalte jeweils zwei Hühner und einen Hahn. Die neuen Besitzerinnen erhielten zusätzlich Veterinär-Medikamente, Futter und eine Beratung zur artgerechten Haltung. Ein Bilderhandbuch steht ihnen als Quelle und Orientierung zur Verfügung.

Die Zucht hat vor allem auch positive soziale Auswirkungen: Der eigene Tierbestand macht die Frauen ökonomisch unabhängiger von den Männern und sie können Rechnungen beim Arzt, für die Schule oder beim Einkauf selbst bezahlen. Zahlreiche Frauen berichten von Nachbarn, die ihre Hühner mitbringen, um sie mit den Kenbro-Hähnen zu kreuzen. Der Erfolg mit der neuen Hühner-Rasse hat sich längst herumgesprochen.

Der Artikel erschien in der jüngsten Ausgabe des "Notruf"-Magazins von Aktion Deutschland Hilft mit dem Schwerpunkt-Thema "Tierische Helfer".

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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