Südsudan: „Täglich verhungern zahlreiche Menschen – und es droht schlimmer zu werden“

Berlin, 23. Februar 2017

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Wenn internationalen Hilfsorganisationen im Südsudan nicht schnell ein sicherer Zugang zur betroffenen Bevölkerung gewährt wird, haben bis zum Sommer rund 5,5 Millionen Südsudanesen nicht mehr genug Nahrungsmittel und sind akut vom Hunger bedroht. Das entspricht etwa der Hälfte der Gesamtbevölkerung. Schon heute liegt diese Zahl laut den Vereinten Nationen bei 4,9 Millionen. Allein im nördlichen Bundesstaat Unity State sind laut der UNO bereits 100 000 Menschen direkt vom Hungertod bedroht, weshalb offiziell eine Hungersnot ausgerufen wurde. „Ein solcher Schritt bedeutet, dass bereits jetzt täglich zahlreiche Menschen im Südsudan verhungern – und es droht schlimmer zu werden“, erklärt Julian Jekel, Projektkoordinator der Johanniter-Auslandshilfe, in einem Interview.

Kommt die ausgerufene Hungersnot in Teilen des Südsudans überraschend?
Nein, denn Warnungen gab es schon seit einigen Monaten. Das Problem ist, dass auf diese Situation immer seltener mit adäquater Hilfe geantwortet werden kann. Ständig gibt es im Südsudan mehr Regionen, die aufgrund von Kämpfen und Ausweitung des bewaffneten Konfliktes nicht mehr erreicht werden können. Jur River, eine der wenigen bis vor kurzem noch friedlichen Regionen in der Provinz Western Bahr al Ghazal, ist für uns in Teilen nicht mehr zugänglich. Dort kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen sesshaften Bauern und nomadisierenden Viehzüchtern, die um den Zugang zu den nur noch spärlich vorhandenen natürlichen Ressourcen kämpfen.

Welche Folgen hat der bewaffnete Konflikt auf die Selbstversorgung der Menschen?
Selbstversorgung ist für weite Teile der Bevölkerung längst nicht mehr möglich. Durch ständige Vertreibungen und Plünderungen können die Felder nicht bestellt und keine Ernten eingeholt werden. Wenn mehr als zwei Millionen Menschen vor der Gewalt auf der Flucht sind und ganze Dorfgemeinden ihr Zuhause teils für Monate verlassen, zerstört das die lokalen Strukturen und jegliche Grundversorgung bricht zusammen.

Hat die Dürre in Ostafrika auch Auswirkungen auf den Südsudan?

Die eigentliche Ursache für die Hungersnot ist der Konflikt, die aktuelle Trockenheit verstärkt die schwierige Situation jedoch zusätzlich. Fast sämtliche Nahrungsmittel müssen importiert werden. Deren Transport und Verteilung ist extrem schwierig und macht die Güter sehr teuer. Die Preise für Nahrungsmittel auf den lokalen Märkten haben sich laut Angaben unserer Mitarbeiter zum Teil verachtfacht. Dementsprechend können sich viele Menschen nicht mal mehr Grundnahrungsmittel leisten. Deswegen ist davon auszugehen, dass sich die Not in den kommenden Wochen noch ausweiten wird, sollte sich die Sicherheitslage nicht verbessern, um die dringende Nothilfe leisten zu können. Dazu ist ein sicherer Zugang für internationale Hilfsorganisationen zu den betroffenen Menschen von höchster Priorität.

Julian Jekel war 2007 für die Johanniter-Auslandshilfe im Sudan tätig und verfolgt seit Jahren die Situation im Südsudan. Jetzt koordiniert er die Projekte der Johanniter in dem Land von Deutschland aus.  Am 4. März wird er nach Juba und Wau im Südsudan aufbrechen, um mit dem Johanniter-Team vor Ort Soforthilfemaßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation zu prüfen.

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an:
Sandra Lorenz, Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe, Tel.: 030 26997-356 / Mobil: 0172 563 87 40 / E-Mail: sandra.lorenz@johanniter.de

Um die Betroffenen in Ostafrika zu unterstützen, sind die Johanniter auf Spenden angewiesen

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Erfahren Sie mehr zur Thematik "Hunger" in diesem Video:

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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