Weltfrauentag: Mit Lebenswille und Ausdauer gegen Armut und Hunger

Berlin, 07. März 2017

Eine Frau zu sein, heißt in vielen Ländern der Welt, keine Rechte zu haben und gleichzeitig alleinverantwortlich für Kinder und Familie zu sorgen. Ein Großteil der Frauen kümmert sich um die Felder, den Haushalt und das Wohlergehen der Kinder. Der Ehemann und Vater der Kinder arbeitet häufig in weit entfernten Regionen, ist verstorben oder hat die Familie verlassen. So wird jeder Tag ein Kraftakt für das Überleben der Familie, oft unter widrigsten Umständen. Immer wieder treffen wir in unseren Projekten beeindruckende Frauen, die unter Dürre, Armut und Hunger leiden, aber jeden Tag den Herausforderungen mit Kraft, Ausdauer und Lebenswille begegnen. Drei Beispiele aus Afrika stellen wir hier anläßlich des Weltfrauentags am 8. März vor:

Elisabeth Mayual, aus dem südsudanesischen Dorf Kuajena in der Provinz Western Bahr el Ghazal

Der Unabhängigkeitskrieg gegen den Sudan nahm Elisabeth Mayual ihren Mann. 1998 starb er und die Familie musste fliehen. Erst 2005 kam die Familie zurück nach Kuajena. Dort lebt sie nun gemeinsam mit ihrer Schwägerin und deren Ehemann Peter Kon. Er ist auch der Partner von Elisabeth und passt auf sie auf. Elisabeth weiß nicht, wie alt sie ist. Sie muss täglich viele Kilometer mit ihrem Fahrrad fahren, um auf entfernten Feldern die Arbeit zu verrichten. Damit und durch den Verkauf von Gemüse auf dem Markt ernährt sie ihre Kinder. Die älteren Kinder passen unterdessen auf die jüngeren Geschwister auf. Keiner von ihnen geht zur Schule, weil sie als Familie nicht das Schulgeld aufbringen können.

Jestina Pellu, Chipinge-Distrikt in Simbabwe

„Ich bin nicht glücklich über meine Situation, aber ich habe keine andere Option“, sagt Jestina Pellu lächelnd und lässt beide Hände auf ihrem runden Bauch ruhen. „Ein paar Ochsen wären schön, damit ich mein Feld pflügen kann“, sagt sie bescheiden. Die 38-jährige Jestina ist im sechsten Monat schwanger und allein für ihre drei Kinder Lucky, Victor und Success verantwortlich. Ihr Mann ist an AIDS gestorben. Allein kämpft Jestina nun ums Überleben ihrer Familie, was die letzten Jahre besonders schwierig war. Ihre kleine Hütte liegt im Distrikt Chipinge im Südosten Simbabwes, wo die vergangenen zwei Jahre eine Dürreperiode das Leben der Menschen beherrschte.  Hunger wurde auch im Haus von Jestina ein ständiger Begleiter, nichts wuchs mehr auf ihrem Feld. Die Ernten bei Grundnahrungsmitteln wie Mais hatten sich in den letzten Jahren teils halbiert, zeitweise litten laut Welternährungsprogramm über ein Drittel der rund 13 Millionen Einwohner des Landes an chronischer oder akuter Unterernährung.
Zur Überbrückung der Dürrefolgen erhielt Jestina bis März 2017 Geld aus einem Bargeld-Projekt der Johanniter, mit finanzieller Unterstützung durch das Auswärtige Amt. Ein längerfristiges Projekt soll ihre Selbstversorgung zukünftig verbessern helfen.

Anna Lopii Kanukuring, aus der Turkana-Region in Kenia

„Ich wünsche mir, dass auch die Kinder meiner Enkelkinder noch hier leben können und immer genügend Regen für die nächste Ernte haben“, antwortete Anna Lopii auf die Frage nach ihren Zukunftswünschen bei unserem Besuch im November 2016. Zuhause war früher für sie kein Ort, sondern allein ihre Familie. Anna gehört zu der kenianischen Ethnie der Turkana, die im Nordwesten des Landes leben. Wie fast alle Turkana lebte Annas Familie von ihren Tieren, mit denen sie jedes Jahr viele hundert Kilometer auf der Suche nach Nahrung zurücklegten. Seit der Gründung der kleinen Siedlung Nasinyono hat sich das für die 49-Jährige verändert. Anna ist mit ihrer Familie auf dem Feld zur Vorbereitung der Aussaat. Mühsam und unter brennender Sonne lockert sie den trockenen Boden und brennt die vertrockneten Überreste der letzten Ernte ab. Die Asche wird als Dünger für die neuen Triebe der Sorghum-Hirse genutzt. Bei Regen schwellen die sonst ausgetrockneten Flüsse in der kargen Region an, aus denen der umliegende Boden das Wasser zieht. Die Feuchtigkeit im Boden reicht aus für das Pflanzenwachstum, und um die Speicher der kleinen Gemeinde für die nächsten Monate mit Getreide zu füllen.
Die derzeit herrschende Dürre in Ostafrika war damals noch nicht in ihrem Ausmaß absehbar, die Menschen säten in Erwartung einer Regenzeit, die jedoch ausbleiben sollte.

Um die Betroffenen in Ostafrika zu unterstützen, sind die Johanniter auf Spenden angewiesen

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Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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