Weltwassertag: Ein Dorf hält zusammen

Berlin/Quito, 21. März 2018

Im Hochland Ecuadors dreht sich alles um Regen. Wenn dieser einmal ausfällt, bleibt auch die Ernte aus. In der Gemeinde Pucará gehören diese Sorgen seit einigen Jahren der Vergangenheit an. Dank den installierten Wassersystemen, welche die natürlichen Ressourcen schonen. Und dank der jahrhundertealten Tradition der "Minga", bei der sich die Menschen vor Ort gemeinschaftlich für das Wohl aller einsetzen.

Die Sonne steht hoch über dem Hang des Vulkans Cayambe. Mit zugekniffenen Augen blickt Margarita Richtung Himmel. Sie ist die Vorsteherin der Gemeinde Pucarà in der Provinz Pichincha, die im Hochland von Ecuador liegt. „Bohnen, Kartoffeln, Brokkoli, Zwiebeln und Quinoa“,  beginnt sie mit einem Lächeln aufzuzählen, was auf ihren Feldern alles wächst. Früher hatte sie Sorgen, wenn die Sonne wie jetzt seit Tagen scheint. Das bedeutete oft, dass die kommende Ernte nur spärlich ausfiel. „Ohne Wasser geht hier gar nichts“, weiss Margarita nur zu gut.

Ernten - auch wenn der Regen ausfällt

Ohne Wasser keine gesunde Ernährung: Erfolgreiche Landwirtschaft hängt vom Schutz der natürlichen Ressourcen statt. ©JUH

„Ich musste schauen, wie ich meine Familie in solchen Zeiten satt bekam“, sagt sie nachdenklich. Zudem konnte sie dann auch nichts auf dem Markt verkaufen, das ihr ein wenig Einkommen einbrachte. Ohne dieses Geld kann kein Essen wie Mehl oder Öl eingekauft werden, auch für Medikamente ist nichts da. „Jetzt kann ich aber das ganze Jahr ernten und unsere Mahlzeit beinhaltet viel mehr als bloß Bohnen.“

Insbesondere ländliche Gemeinden wie in Pucará sind abhängig von ihren Ernteerträgen und somit vom Regen. Abseits von den Städten lebt jeder sechste Einwohner in tiefer Armut. In den letzten Jahrzehnten haben viele von ihnen notgedrungen immer höhere Lagen der Anden bewohnt und landwirtschaftlich genutzt. Bergwälder wurden zu Brennholz und viele Böden im Laufe der Zeit ausgewaschen. Rund 30 Prozent der sensiblen Hochlandregionen sind mittlerweile erodiert. Die einst hohe natürliche Wasserspeicherkapazität hat sich reduziert. Bei anhaltender Trockenheit ist die Wasserversorgung enorm gefährdet, sogar in der Millionenstadt Quito.

Minga: Alle übernehmen Verantwortung

Verlegen der Rohre in Gemeinschaftsarbeit: Der sorgsame Umgang mit der Ressource Wasser ist Aufgabe aller Bewohner. ©JUH

In der Gemeinde von Margarita wurde gehandelt. Die Menschen dort nutzen ein Bewässerungssystem, das vor fast sieben Jahren auf ihren Feldern installiert wurde. Damals hatte die ganze Gemeinde gemeinsam mitangepackt und geholfen, die Wasserrohre zu verlegen. Diese besondere Form der Gemeinschaftsarbeit namens "Minga" ist eine jahrhundertealte Tradition in Ecuador. Nachbarn und Freunde helfen und unterstützen sich gegenseitig. Und auch für die Wartung der Wasserleitungen sind alle gemeinsam verantwortlich: mit regelmäßigen Beiträgen beteiligen sich alle an den Kosten für Reparaturen. Diese gelebte Gemeinschaft ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Wasserleitungen auch heute noch gut intakt sind und mit dem Wasser sorgsam umgegangen wird.

Jetzt kann Margarita ganzjährig ernten und vielseitiger anbauen. Durch die neuen Systeme mit Tröpfchenbewässerung und wechselnder Produkte bleiben die Böden fruchtbarer und somit langfristig nutzbar. Das Pflanzen einheimischer Nutzhölzer, die später als Brennholz dienen, verbessert dabei das Mikroklima und die Wasserspeicherkapazität der Böden. Die Bauern lernen schonend mit den Ressourcen umzugehen und damit auch ihre Einkommensquellen zu sichern. Margaritas Ernte fällt im Vergleich zu früher so gut aus, dass Sie regelmäßig einen Teil davon auf dem Markt verkaufen kann.

Hintergrund "Weltwassertag"

Rund 2,1 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser - das ist fast jeder dritte Bewohner dieses Planeten. Ziel des 1993 von der UNESCO ins Leben gerufenen Weltwassertages (22. März) ist es, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit aufmerksam zu machen. Die nachhaltigen Entwicklungsziele sehen vor, dass bis 2030 alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben. Fakt ist aber auch, dass 80 Prozent des Abwassers ungefiltert entsorgt werden und Erosion sowie Abholzung die Speicherkapazität der Böden verringern. Um das ergeizige Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen gefragt, welche den Schutz der Natur berücksichtigen. Die Wiederbelebung von Flußauen gehören genauso dazu wie konservierende Landwirtschaft, welche beispielsweise die Bauern in Ecuador betreiben. "Naturbasierte  Lösungen" stehen deshalb beim Weltwassertag 2018 im Mittelpunkt.

Mehr Infos zu diesem Tag finden Sie auf Englisch hier.

Das BMZ hat zum Thema Wasser eine Sonderseite eingerichtet, die Sie hier einsehen können.

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