Genitalverstümmelung bekämpfen

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Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist in der dschibutischen Gesellschaft noch immer weiter verbreitet. Rund 79 Prozent der Frauen in Dschibuti wurden als Kind Teile der Genitalien entfernt. Unter den Folgen leiden sie häufig noch Jahre später. In sieben ländlichen Gemeinden klären die Johanniter im Rahmen einer breit angelegten Kampagne über die Folgen weiblicher Genitalverstümmelung auf und informieren über Frauenrechte und -gesundheit.

Weltweit gehen die Vereinten Nationen von 200 Millionen betroffenen Frauen aus. Maja Bünsche, Projektkoordinatorin der Johanniter, weiß, dass es nicht leicht ist, gegen verfestigte Traditionen anzukämpfen: „In Dschibuti ist die Beschneidung von Mädchen im Kindes- und Jugendalter ein jahrhundertealter Brauch. Unbeschnittene Frauen gelten als „unrein", was ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt schmälert." Die Folgen der Verstümmelungen sind gravierend: lebenslange psychische Traumata und schwere gesundheitliche Schäden beeinträchtigen die Frauen ein Leben lang. Eine normale Geburt ist für beschnittene Frauen oft nicht möglich, doch nur selten ist ein Arzt in der Nähe, um zu helfen. Viele Frauen und Kinder sterben daher bei der Geburt.

Doch wie übermittelt man die Folgen der brutalen Beschneidungstechniken den Menschen in Dschibuti, die häufig in den entlegensten Regionen leben? „Wir gehen in ländliche Gemeinden und arbeiten direkt mit den Gemeindemitgliedern. Wir bilden Komitees aus Gemeindevorstehern, Imamen, Beschneiderinnen, Müttern und Jugendlichen aus dem jeweiligen Dorf. Die aktive Beteiligung der Dorfgemeinschaft ist besonders wichtig“, berichtet Maja Bünsche. „Unser Ziel ist es, dass die Gemeinden die Abschaffung von Genitalverstümmelung in ihren Dörfern beschließen“, so die Projektkoordinatorin weiter.

Lesen Sie hier die Geschichte von Aisha

Die Johanniter engagieren sich bereits seit 2012 für eine Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung in Dschibuti. Gemeinsam mit dem dschibutischen Ministerium für Frauenförderung, familiäre und soziale Angelegenheiten bilden wir die Mitglieder der Aufklärungskomitees aus. Inhalte der Schulungen sind die gesundheitlichen Folgen der Beschneidungspraktiken, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Informationen zur reproduktiven Gesundheit. Dieses Wissen geben die Komitees in Versammlungen und Hausbesuchen an die Dorfgemeinschaft weiter.

Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und die Inhalte leichter vermitteln zu können, setzen die Komitees dabei eine Bildergeschichte ein, die die Johanniter zusammen mit dem Ministerium für Gesundheit und einem lokalen Künstler erarbeitet haben. Auch ein mit Hilfe der Frauenorganisation SAMATAR produzierter Spielfilm wird in den Gemeinden gezeigt. Im Anschluss an die Vorführung werden die Inhalte des Films diskutiert. Bis jetzt konnten die Johanniter mit der umfassenden Aufklärungskampagne bereits 15 500 Menschen erreichen.

Seit der Einführung eines nationalen Strategiepapiers zur totalen Überwindung aller Formen der weiblichen Genitalverstümmelung im November 2006, ist der prozentuale Anteil von beschnittenen Frauen und Mädchen von 93,1 Prozent auf 73,1 Prozent im Jahr 2015 gesunken. Die staatlichen Informationsprogramme erreichen städtische Gebiete meist einfacher als ländliche Regionen. „Durch unsere Aktivitäten können abgelegene Gemeinden und Dörfer in den landesweiten Kampf gegen die Genitalverstümmelung integriert werden“, schildert Maja Bünsche die Auswirkungen der Aufklärungsmaßnahmen.

Die aktuelle Aufklärungskampagne zur Stärkung der Frauenrechte und Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung startete im Januar 2017 mit einer Laufzeit von achtzehn Monaten und wird von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung finanziert.

Mehr Informationen zu den Aktivitäten der Johanniter in Dschibuti finden Sie hier.

Gesundheitsprojekte wie dieses sind ein wichtiger Schwerpunkt der Johanniter Auslandshilfe.

Bitte unterstützen Sie uns bei unserer Arbeit in Dschibuti, um Frauen und Mädchen eine selbstbestimmte Zukunft zu schenken.

Ihr Ansprechpartner Maja Bünsche

Lützowstr. 94
10785 Berlin