„Meine Enkel nicht!“

Aisha sitzt vor ihrem aus Brettern zusammengezimmerten Häuschen im Slum Balbala in Dschibuti-Stadt, der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes. Die 53-jährige erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sie ihre Fröhlichkeit verlor. Es war ein sonniger Tag und sie spielte mit ihren Freunden, als ihre Mutter sie ins Haus rief und ihr befahl, sich auf den Boden zu legen. Mutter und Großmutter hielten sie fest, während eine fremde Frau ihr Kleid hochschob und die Beine spreizte. Was dann geschah, weiß Aisha nicht mehr genau. Sie verlor das Bewusstsein. Als sie wieder erwachte, spürte sie den unerträglichen Schmerz zwischen den Beinen. Über Wochen konnte sie sich kaum bewegen und erst mit der Zeit begriff sie: Ich bin beschnitten. Und trotz all dem Schmerz und der Scham, den sie damals verspürte, ließ auch sie später ihre Kinder beschneiden. Die Tradition verlangte es einfach.

Heute schüttelt es sie bei dem Gedanken. Bevor die Johanniter mit ihren Aufklärungsveranstaltungen begannen, wusste sie es einfach nicht besser. Erst sie erzählten ihr das, was sie im Verborgenen eigentlich schon geahnt hatte. Oft genug hatte sie Frauen bei der Geburt sterben sehen oder von Frauen gehört, die keine Kinder bekommen können. Dass das eine Ursache der Beschneidung sein könnte, war ihr nicht klar. Denn in Dschibuti sind über 90 Prozent aller Frauen beschnitten. Dort gehört das Ritual zum Erwachsenwerden,  zum Alltag wie bei uns die Konfirmation. In den Fortbildungen der Johanniter erfuhr sie alles über die medizinischen Folgen der Beschneidung und auch über die kulturellen Mythen. Ein lokaler Imam klärte sie über die Fehlinterpretationen des Koran auf, „kein Gott will, dass ihr Eure Körper verstümmelt.“

Schon während der Fortbildungen dachte Aisha, dass müssen meine Nachbarinnen und Freunde erfahren. Viel Leid könnte dadurch vermieden werden. Und so wurde sie zu einer von 60 Ehrenamtlichen der Johanniter, die nun in ihren Gemeinden die Mütter und Großmütter in Hausbesuchen über die Beschneidungsfolgen aufklären.

„Es gibt immer mehr Frauen, die ihre Kinder nicht beschneiden lassen und auch meine Tochter konnte ich davon überzeugen, dass ihre Enkel nicht beschnitten werden“, berichtet Aisha stolz.

Weitere Informationen zur Arbeit der Johanniter in Dschibuti finden Sie hier.

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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