Ernährungssicherung mit Vorbildcharakter

Mit einem Projekt zur Verbesserung der Ernährungssicherheit unterstützen die Johanniter 3000 Haushalte im Südosten Simbabwes. Die Hilfe begann zur rechten Zeit, eine lang anhaltende Dürre durch das El Niño-Phänomen hält die ganze Region seit 2015 in Atem. Ein parallel laufendes Nothilfe-Projekt unterstützt deshalb zusätzlich viele Familien mit Bargeld, um die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überstehen. Armut, hohe  HIV-Infektionsraten und fehlende Perspektiven bestimmen das Leben der Menschen.

Hin und wieder brettert ein LKW auf der asphaltierten Landstraße entlang, die in Richtung mosambikanische Grenze führt, und unterbricht die Ruhe. „Manchmal verkaufe ich am Straßenrand Tomaten, aber die haben wir nur im August. Oder ich hole dort Brennholz, wenn mich jemand gegen Bezahlung beauftragt“, erzählt Judith Mlambo und zeigt hinter die Straße, die an ihrem Haus entlangführt. Dort erstreckt sich eine riesige flache Ebene. Zwischen buschähnlichen Bäumen stehen dicke Baobabs, Sandteufel ziehen weit entfernt durch die vor Hitze flimmernde Ebene.

Etwas Regen vor ein paar Tagen hat die Büsche und Bäume ausschlagen lassen, darunter zeigt der ausgedörrte rötliche Boden aber noch, wie er die letzten Jahre hier aussah. Eine lange Trockenheit hatte das ganze südliche Afrika heimgesucht, ausgelöst durch das El Niño-Phänomen. Regen fiel nur noch unregelmäßig oder gar nicht, die Ernteerträge halbierten sich. Für viele Menschen in Simbabwe ist das existenzbedrohend, denn die Meisten leben von der Subsistenzwirtschaft und die eigenen Reserven sind bei vielen Familien längst aufgebraucht.

Nur eine Mahlzeit pro Tag durch Dürre

Judith Mlambo kann in ihrer Küche wieder mehr als eine Mahlzeit pro Tag zubereiten. Foto: David Brazier

Die 47-jährige Judith Mlambo, Mutter von fünf Kindern, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sie steht  stellvertretend für viele Familien mit einem ähnlichen Schicksal: Judith ist alleinerziehend und HIV-positiv. Seit Jahren hält das stille Sterben in Simbabwe, das eine der höchsten HIV-Infektionsraten der Welt aufweist,  durch Aids an, obwohl es große Fortschritte bei der Behandlung gab. Der Mann von Judith starb 2004, seitdem muss sie allein ihre Familie versorgen. Sie ist froh, dass sie es bis hierher geschafft hat. Drei ihrer Kinder sind mittlerweile erwachsen und leben allein. Aber vor allem die letzten Jahre seien ein Kraftakt gewesen. „Ich habe zwar zwölf Hektar Land, aber davon kann ich allein nur einen kleinen Teil bewirtschaften“, sagt sie. Durch die Dürre hat sie nur etwas Sorghum-Hirse ernten können, die sie jetzt in der Hoffnung auf Regen wieder ausgesät hat. Mit Folgen: „Wir konnten über Monate nur einmal am Tag etwas essen. Durch die Bargeldhilfe geht es nun wieder morgens und abends“, erzählt sie.

Bargeldhilfe lindert Not

Judith und ihre Kinder gehören zu den Begünstigten von gleich zwei Johanniter-Projekten. 2015 wurden sie Teil eines Projekts, welches durch Spendengelder und das BMZ finanziert und durch die lokale Partnerorganisation Cristian Care umgesetzt wird. Ziel ist, die Ernährungssituation besonders vulnerabler Familien durch vielfältige Komponenten zu verbessern und so die Unterernährung zu bekämpfen. Bereits Anfang 2015 war die Versorgung vieler Menschen gefährdet, als sich El Niño noch als drohendes Zukunftszenario darstellte. Als das Wetterphänomen dann eintraf, musste im Frühjahr 2016 ein paralleles Hilfsprojekt mit finanzieller Unterstützung durch das Auswärtige Amt ins Leben gerufen werden. Die Betroffenen bekommen nun Bargeld für das Nötigste. „Ich erhalte monatlich 30 US-Dollar. Damit kann ich mir die nötigen Lebensmittel kaufen, die wir selbst nicht mehr ernten oder kaufen können“, so Judith.

Wie unser Cashtransfer-Projekt funktioniert, lesen Sie hier.

Bessere Selbstversorgung durch Schlüsselloch-Gärten

Auch die Selbstversorgung konnte sie trotz der Trockenheit verbessern. Wenige Meter neben ihrem strohbedeckten Haus hat sie einen Kleingarten angelegt. Dornige Äste schützen das begehrte Grün dahinter vor Ziegen und Kühen. Judith hat unter technischer Anleitung von Cristian Care und als Teil des BMZ-Projekts einen so genannten Schlüsselloch-Garten angelegt. Das Hochbeet ist so angelegt, dass vor allem Menschen mit Behinderung die Fläche aus der Mitte bewirtschaften können, ohne sich viel bewegen zu müssen. Zudem verhindert eine feste Schicht unter der Erde ein schnelles Versickern des kostbaren Wassers, welches Judith täglich aus einem rund zwei Kilometer entfernten Brunnen in Eimern heranschaffen muss. Mit wenig Wasser und Aufwand hat sie dort jetzt Spinat und Zwiebeln auf rund zwei Quadratmeter angebaut. „In den letzten sechs Monaten konnte ich drei Mal ernten“, erzählt sie. Die täglichen Mahlzeiten - basierend auf Mais oder Sorghum - konnte sie so mit vitaminreichem Gemüse aufbessern.

Verbesserungen sollen Vorbildcharakter haben

Das Projekt zielt darauf ab, das Wissen über verbesserte Landwirtschaftsmethoden durch Schulungen und praktische Umsetzung an die Menschen vor Ort weiterzugeben. Insbesondere die Gärten sollen Vorbildcharakter haben. Neben der Reparatur von Brunnen sind auch sanitäre Verbesserungen und Schulungen über Hygiene vorgesehen. So steht auf dem Grundstück von Judith nun auch eine neue Latrine, die sie hegt und pflegt. 540 sollen bis zum Ende des Projekts 2018 errichtet werden, um die weit verbreitete offene Defäkation zu verringern, die Krankheitsherde darstellen. „Ich wünschte, mein Haus wäre so gebaut wie diese Latrine“, sagt sie aufrichtig lächelnd und stolz. „Ich hoffe, dass meine Kinder irgendwann Arbeit finden werden und mir ein Haus bauen können, das auch so schön ist.“

Chipo Maurayi hat die Idee des Hochbeets in ihrem Garten kopiert und baut nun Mangold und Spinat an. Foto: David Brazier

Dass die Schlüsselloch-Gärten als Vorbild Anklang finden, zeigt das Beispiel der 48-jährigen Chipo Maurayi. Sie ist zwar nicht im Projekt involviert, hat aber bei ihrer Nachbarin das Hochbeet aus Stein gesehen und sofort angepackt. In ihrem Garten steht nun auch ein leicht veränderter Schlüsselloch-Garten, auf dem dicht an dicht Mangold und Spinat wächst. „Der Garten spart deutlich mehr Wasser als unten auf der Erde und er ist viel leichter zu pflegen“, sagt Chipo Maurayi. Spinat als vitaminreiches Gemüse war für sie völlig neu. „Ich kannte das nur vom Markt und dachte immer, das sei Gemüse für Weiße“, sagt sie lachend. „Jetzt esse ich es auch.“

Lesen Sie hier, warum Gesundheit ein wichtiger Aspekt in den Projekten der Johanniter ist.

Um den betroffenen Familien in Simbabwe helfen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Bitte unterstützen Sie uns!

Spenden Sie jetzt

Erfahren Sie hier, wie wir Menschen etwa bei der Landwirtschaft und Einkommensverbesserung in Kenia helfen.

Ihr Ansprechpartner Nina Skandalaki

Lützowstr. 94
10785 Berlin