Wie nachhaltig sind unsere Projekte? Teil 1

Wenn Hilfsprojekte eingestellt werden, soll deren positive Wirkung Bestand haben und möglichst nachhaltig die Lage der Menschen verbessern. In Simbabwe haben die Johanniter eine Projektregion besucht, in der vor fünf Jahren zahlreiche Gemeinden und Gesundheitseinrichtungen im Kampf gegen Cholera und Krankheiten auf verschiedene Weise unterstützt wurden. Eine Bestandsaufnahme.

Sauberes Trinkwasser gegen Ausbreitung von Krankheiten

Noah Kariwo dreht sein Handy in den Schatten und wischt über das völlig zerkratzte Display. „Sehen sie das?“, sagt der 47-jährige Mann. Man sieht fast nichts. „Das ist der Status aller Brunnen, die wir in unserem Distrikt haben“, erklärt Kariwo stolz und scrollt hoch und runter. Bunte Balken und Zahlen erscheinen kaum erkennbar in einer langen Tabelle. Kariwo ist der so genannte „Water Point Manager“ in seinem Distrikt Goromonzi im Osten von Simbabwe. Seit dem Jahr 2000 hat der öffentliche Funktionär den Job inne und kümmert sich um die Funktionstüchtigkeit der Brunnen, die meist handbetrieben sind. Er wacht über 587 Brunnen, alle abrufbar auf seinem Smartphone. Digitales Zeitalter stößt auf einfachste Wasserversorgung. „Die Informationen bekomme ich von den Verantwortlichen der Gemeinden gesendet und kann dann reagieren, sollte etwas kaputt sein.“

So wie heute. Drei junge Männer setzen wieder die verzinkten Eisenrohre zusammen, die sie am Morgen aus dem 50 Meter tiefen Brunnen gezogen haben. Die Gummidichtung ganz unten war rissig, die Pumpe somit kaum noch funktionstüchtig. Jetzt haben sie das Teil ausgetauscht und bauen den Brunnen wieder zusammen, was viele Stunden dauert. Die drei Männer gehören zu Freiwilligen, welche die Johanniter 2011 im Rahmen eines Projekts ausgebildet haben. 64 Brunnen wurden damals gebohrt und repariert, nachdem ein Jahr zuvor Cholera im Land ausbrach. Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eine der Grundlagen, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Fünf Jahre danach funktionieren die meisten Brunnen noch, aber die Instandhaltung bereitet Kariwo immer öfter Kopfzerbrechen. Von den einst zwölf ausgebildeten Freiwilligen in der Gemeinde Chishawasha sind nur noch drei vor Ort, die anderen sind in andere Landesteile gezogen und haben ihr Wissen mitgenommen. Die Verbliebenen dagegen machen ihre Arbeit nur noch ungern freiwillig. Sie erwarten von den Bewohnern etwas Geld oder zu Essen, die Bewohner kümmert deren Belange nur wenig. Zu groß sind die eigenen Probleme. „Ihr müsst anfangen, etwas zu sparen“, ermahnt Kariwo seine Kontaktperson in der Gemeinde leise, aber nachdrücklich. Nicht unbedingt, um die Mechaniker zu bezahlen, aber um zumindest die Ersatzteile kaufen zu können. „Noch haben wir Gummidichtungen, Ersatzteile und Werkzeuge aus dem Projekt, aber irgendwann müssen wir uns und die Gemeinden sich selbst darum kümmern“, erklärt er. In Zeiten von Geldmangel und anhaltender Wirtschaftskrise erscheint Sparen utopisch. Die wenigsten Gemeindemitglieder machen es, auch wenn es sich nur um Cent-Beträge pro Familie handelt.

Dass dieses gemeindebasierte Management dennoch funktioniert, zeigt ein anderer Brunnen nur wenige Kilometer weiter: rund 15 Frauen warten mit Wassereimern an einem Brunnen und füllen diese nacheinander auf. Der Brunnen sieht aus wie neu, die Betonfläche und besonders der gegen Rost anfällige Brunnenausgang sind gepflegt. Die 49-jährige Gloria Sakaike füllt ihren 20-Liter-Eimer und läuft zu ihrem naheliegenden Haus. „Früher musste ich über eine Stunde zum nächsten Brunnen laufen. Jetzt habe ich mehr Zeit für andere Aufgaben im Haus“, erklärt sie, mit dem Brunnen in Sichtweite.  Noch früher habe es hier gar keine Brunnen gegeben. Sie erinnert sich, dass die Menschen Oberflächenwasser nutzen mussten und viele dadurch krank wurden. Das sei nun vorbei. Die Anwohner kümmern sich nun um den Brunnen und befreien ihn regelmäßig von Bewuchs und Unrat.

Gloria Sakaike schützt ihren Mais wie einen Schatz

Wie lebenswichtig Wasser ist, hat sie die letzten zwei Jahre erfahren müssen. Eine ungewöhnlich lange Trockenheit hat die Böden austrocknen lassen, die Ernten fielen nur sehr gering aus. Die Wasserpegel der Brunnen sind zwar gefallen, aber sie sind zum Glück nicht ausgetrocknet, da sie tief genug gebohrt wurden. Die Maisernte aus dem letzten Jahr lagert in der Ecke ihres bescheidenen Wohnzimmers. „Normalerweise bewahren wir den Mais draußen in der Küche auf, aber hier ist er sicherer vor Dieben“, sagt sie. Lebensmittel sind wie gute Ernten rar geworden, Hunger wieder allgegenwärtiger. Rund 90 Kilogramm Mais hat sie noch, für ihre siebenköpfige Familie reicht es kaum bis zur neuen Ernte. .Auf ihrem Feld von der Größe eines halben Fußballfeldes hat sie Mais gesät, die ersten Triebe schauen bereits heraus. Damit diese überhaupt keimen konnten, hat sie etwas von dem Wasser aus den Brunnen genutzt. Den Rest muss nun der Regen leisten, der zum Jahresende wieder normal einsetzen soll.

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