Wie nachhaltig sind unsere Projekte? Teil 2

Wenn Hilfsprojekte eingestellt werden, soll deren positive Wirkung Bestand haben und möglichst nachhaltig die Lage der Menschen verbessern. In Simbabwe haben die Johanniter eine Projektregion besucht, in der vor fünf Jahren zahlreiche Gemeinden und Gesundheitseinrichtungen im Kampf gegen Cholera und Krankheiten auf verschiedene Weise unterstützt wurden. Eine Bestandsaufnahme.

Verbesserungen in Kliniken

Neben dem Bau von Brunnen führten die Johanniter auch Hygieneschulungen durch. Sie installierten Wassertanks und Plazenta-Gruben in elf Kliniken sowie behindertengerechte Latrinen. Solch eine steht im Eingangsbereich der St. Joseph-Klinik von Chishawasha. Ein Blick hinein verrät, dass die Toilette mit Rampe schon seit langer Zeit weder genutzt noch gereinigt wurde. „Das ärgert mich“, sagt Nerio Nyabvure, Länderbüroleiter der Johanniter in Simbabwe. „Wir haben uns damals bemüht, alle Aktivitäten am Bedarf zu orientieren und gemeinsam abzusprechen. Es ist mir ein Rätsel, warum die Toilette nicht genutzt wird“, sagt Nyabvure kopfschüttelnd, der sich jeden Aspekt zu Herzen nimmt.

Behindertengerechte Latrine in Klinik: kaum genutzt und wenig gepflegt. Foto: D. Brazier

Nur wenige Meter weiter ein ähnliches Beispiel: ein damals gebauter Brunnen steht im Gemüsegarten der Klinik. An den Rändern wuchert Gras, offensichtlich wird das Brunnenwasser einzig vom Gärtner verwendet, statt für eine regelmäßige Trinkwasserversorgung. Die Klinikmitarbeiter zucken mit den Schultern und erklären knapp, dass die örtliche Wasserversorgung wieder seit einigen Jahren gut funktioniere und daher der Brunnen keine Verwendung finde. An sich eine gute Sache. Aber Nyabvure erklärt ihnen Sinn und Zweck des Brunnens als Absicherung in zukünftigen Notlagen, sollte der Strom und somit die Wasserversorgung wie früher wieder tagelang ausfallen. Er schlägt ihnen vor, den Brunnen mit einer zusätzlichen elektrischen Pumpe auszustatten, damit Wasser in die Kliniktanks fließt und der Brunnen nicht langsam verrottet.

Andere Probleme drücken: Nur Krankenschwester Barbra Deve hatte vor fünf Jahren an den Hygieneschulungen teilgenommen. Foto: D. Brazier

Bei der Frage, wer damals bei den Trainings und Workshops dabei war, meldet sich nur eine Krankenschwester zu Wort. Darin liegt vielleicht eines der Probleme: die Mitarbeiter wechseln die Arbeitsstelle oder den Wohnort, die Bedeutung für die Verbesserungen etwa in den Kliniken geht beim neuen Personal verloren. Andere Sorgen drücken und die Instandhaltung des Brunnens oder der Latrine gerät ins Hintertreffen. Oder es ist schlicht und einfach falsches Management.

Probleme bei Projektumsetzungen gehören genauso dazu wie Lösungen. Ein Beispiel war der Bau von Verbrennungsöfen für medizinische Abfälle, die 2012 in zehn Kliniken installiert wurden. Oft werden biologisch gefährliche Abfälle in offenen Gruben entsorgt, die damit in Berührung kommenden Fliegen und Haustiere konnten Infektionen leicht auf Menschen übertragen. Um Abhilfe zu schaffen, wurden geschlossene Plazentagruben mit Fliegenfallen und unterirdische Silos für Asche aus medizinischen Abfällen errichtet. Nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der Metallöfen gab es jedoch Probleme. „Das Gewicht der Kaminrohre und die Hitze bei der Verbrennung deformierten den Ofen. Wir mussten sie technisch nachbessern“, sagt Nyabvure. „Wir haben nächtelang nach einer technischen Lösung für das Kaminproblem gesucht und wie wir die Hitzeübertragung auf das Material verhindern konnten.“ Mitte 2016 wurde dann auch der letzte Ofen nachgebessert, seitdem funktionieren alle einwandfrei.

„Wir machen den Ofen einmal pro Woche an“, erklärt Prascedes Mabvene. Die 63-jährige Krankenschwester blickt stolz auf die neue Anlage des St. Barbara-Hospitals, in dem sie mit zwei weiteren Schwestern Patienten aus dem Distrikt Mutasa betreut, der ebenfalls im östlichen Simbabwe liegt und zur Provinz Manicaland gehört. Überall auf dem Gelände stehen gut sichtbar Abfalltonnen getrennt nach Art des Mülls, insgesamt macht die Einrichtung einen äußerst sauberen und gepflegten Eindruck. „Früher hatten wir einen kleinen Steinofen“, sagt sie und zeigt auf einen kegelförmigen Ofen hinter der neuen eingezäunten Anlage. Der Rauch strömte seitlich aus, Mitarbeiter waren den gefährlichen Gasen ausgesetzt. Eine ordentliche Zuluft gab es nicht, um die notwendige Hitze zur kompletten Verbrennung zu erreichen.

Jetzt feuert ein Mitarbeiter in Arbeitskleidung und mit Atemschutz sowie Helm den Ofen an und schiebt einen geschlossenen Plastiksack mit den Abfällen in den Ofen. Das genaue Gewicht des Sacks wird in einem Buch notiert. „Wir verbrennen hier nicht mehr nur unseren Müll. Mittlerweile bringt auch die Gemeinde riskante Abfälle zu uns, um sie fachgerecht verbrennen zu lassen. Die Asche wird danach in unserer neuen versiegelten Grube gelagert“, sagt Mabvene. Ein gutes Zeichen dafür, dass das Bewusstsein für einen sorgsamen Umgang mit Abfällen und die Kenntnisse über Risiken gestiegen ist, auch über die Grenzen der Klinik hinaus. „Wir haben Anfragen erhalten, bei weiteren öffentlichen Kliniken solche Öfen zu installieren“, erklärt Nyabvure. Nach all dem Kopfzerbrechen und den Problemen ein Beweis dafür, es am Ende richtig gemacht zu haben.

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