Südsudan: Den Hunger lindern

Sadik (2J) und Marian (1J) sind beide mit ihren Müttern wegen Unterernährung in der Klinik in Wau.

Die kleine Sadik schaut noch etwas verunsichert, aber sie hat das Schlimmste überstanden. Unterernährt hatte ihre Mutter sie in ein Krankenhaus in Wau im Südsudan gebracht. Dort kam sie dank spezieller energiereicher Aufbaunahrung schnell wieder zu Kräften. Ohne Behandlung hätte sie an den Folgen der Unterernährung sterben können.

Der Bedarf ist derzeit dringender denn je: laut Angaben von UN-Organisationen sind 2017 mehr als 5,2 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Über eine Million Kinder unter fünf Jahren sind akut unterernährt. In Teilen des Landes wurde im Februar 2017 eine Hungersnot ausgerufen. Die Johanniter haben daher ein umfassendes Programm zur Ernährungssicherung begonnen. In der Provinz Western Bahr al Ghazal versorgen wir unterernährte Kinder und schwangere oder stillende Frauen mit therapeutischer Zusatznahrung oder Lebensmitteln, klären über Säuglings- und Kleinkindernährung auf und unterstützen die Familien in der Landwirtschaft durch Beratung, Saatgut, Nutztiere oder Werkzeug. Über 65.000 Menschen werden mit diesen Maßnahmen direkt erreicht.

„Wir möchten verhindern, dass Menschen an Hunger sterben oder wegen fehlender Lebensmittel ihre Heimat verlassen müssen“, fasst Julian Jekel, zuständiger Projektkoordinator die Ziele des Programms zusammen.

Wegen des Bürgerkriegs haben sich die Preise für Nahrungsmittel teils vervielfacht, viele Menschen können sich keine Lebensmittel auf den Märkten mehr leisten.

Regelmäßige Kontrollen und Behandlung

Mit einem sogenannten MUAC-Band (englisch für Mid-Upper Arm Circumference) untersuchen Johanniter-Mitarbeiter den Ernährungszustand der Kinder.

Mit einem MUAC-Band (Mid-Upper-Arm-Circumference) untersuchen Johanniter-Mitarbeiter den Ernährungszustand der Kinder. Foto: Jacob Studnar

Die von Unterernährung betroffenen stillenden oder schwangeren Mütter sowie Kinder unter fünf Jahren werden in die Gesundheitsstationen der Provinz eingeladen. Dort überwachen geschulte Mitarbeiter deren Ernährungszustand. Schwer unterernährte Kinder werden mit therapeutischer Aufbaunahrung behandelt, einer Erdnuss-Paste, die wichtige Nährstoffe wie Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralien enthält. Sie werden in der Regel wöchentlich kontrolliert und je nach Entwicklungsstand weiterbehandelt. Leicht unterernährte Kinder und Frauen unterstützen wir mit zusätzlichen Nahrungsmitteln wie Mehl, Öl und Zucker mit größerem zeitlichen Abstand.

Mütter helfen Müttern

Um lebensbedrohender Unterversorgung vorzubeugen, klären wir in unseren Projekten Eltern über Säuglings- und Kleinkindernährung auf. In sogenannten „mother-to-mother support“ Gruppen wird besprochen, wie wichtig es ist, Babies in den ersten sechs Lebensmonaten zu stillen und wie die Ernährung der ganzen Familie abwechslungsreich gestaltet werden kann. Zur Vorbeugung gehört auch eine Verbesserung der Hygienesituation in den Dörfern.

Grafik Ursache Folgen Unterernaehrung

Wenn die tägliche Nahrung nicht ausreichend Vitamine und Mineralstoffe enthält, geraten oft ganze Familien in einen gefährlichen Kreislauf: Frauen, die als Kind oder während der Schwangerschaft mangelernährt sind, bringen häufiger untergewichtige Kinder zur Welt. Gelingt es dann nicht, die Kinder gesund zu ernähren, bleiben sie anfälliger für Krankheiten, weniger aufnahme- und lernfähig. Auch ihre Kinder sind später oft unterernährt.

Langfristig sich selbst versorgen

Damit sich die Menschen in Western Bahr El Ghazal langfristig selbst versorgen können, unterstützen unsere Partner „Tierärzte ohne Grenzen“ und Hope Agency for Relief & Development sie bei der Landwirtschaft. Bauern werden im Anbau von Getreide und Gemüse für Trocken- und Regenzeit geschult. Sie erhalten Werkzeuge wie Hacken und Macheten, mit denen sie die Felder bearbeiten. Über Gutscheine können sie das Saatgut kaufen, das sie anpflanzen möchten. Von Frauen geführte Familien erhalten zu dem je drei Hühner. Eier und Fleisch verbessern die Ernährung der Familie und dienen als zusätzliche Einkommensquelle, wenn die Überschüsse auf dem Markt verkauft oder getauscht werden. Um Haus- und Zuchttiere vor Parasiten und Krankheiten zu schützen, werden sie von Fachpersonal behandelt und geimpft. Ausgebildete Voluntäre übernehmen diese tierärztlichen Aufgaben selbständig in ihrern Gemeinden. Die beiden derzeit laufenden Projekte zur Ernährungssicherung in der Provinz werden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell unterstützt. Weitere Aktivitäten werden im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) implementiert.

So können Sie helfen:

Mit 20 Euro ermöglichen Sie den Kauf von wirksamen Medikamenten gegen Fieber und Durchfall.

Mit 75 Euro erhält ein schwer unterernährtes Kind die lebensrettende Behandlung und Aufbaunahrung.

Mit 40 Euro schenken Sie einer Familie Saatgut und Geräte wie Spaten oder Hacke.

Oder unterstützen Sie uns einfach mit einem Betrag Ihrer Wahl.

Spenden Sie jetzt

Ihr Ansprechpartner Julian Jekel

Lützowstr. 94
10785 Berlin