Jordanien

Die Auswirkungen des syrischen Bürgerkrieges bekommt das Nachbarland Jordanien mit voller Wucht zu spüren: über 600.000 Flüchtlinge haben dort in den letzten Jahren Zuflucht gesucht. Die Johanniter-Auslandshilfe engagiert sich vor allem für traumatisierte Minderjährige, um ihnen ein Stück Kindheit zurückzugeben.

Seit Januar 2013 ist die Johanniter-Auslandshilfe von ihrem Länderbüro in der Hauptstadt Amman aus aktiv, um den Flüchtlingen und insbesondere Kindern und Jugendlichen in Jordanien zu helfen. Über 16.000 Menschen wurden in den letzten vier Jahren unterstützt. Diese kommen meist mit schweren seelischen Belastungen in das Land. Der Verlust eines Angehörigen, schreckliche Kriegserlebnisse und Verletzungen hinterlassen vor allem Spuren in der seelischen und emotionalen Verfassung der Kinder.

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Unmittelbare Hilfe für Flüchtlinge

Seit 2012 wurden mehr als 10.000 Flüchtlinge nach ihrer Ankunft vor allem in den Wintermonaten mit den nötigsten Hilfsgütern versorgt. Die Johanniter und lokale Partnerorganisationen verteilten unter anderem Decken, Matratzen, Hygienekits und Heizmittel, um die Kälte zu überstehen. Über 700 Unterkünfte in städtischen Vierteln wurden instand gesetzt, um ein Leben in Würde und unter gesünderen Bedingungen zu gewährleisten. In Jordanien können die Behörden nur einmal in der Woche Wasser zur Verfügung stellen, das meist in Tanks auf den Hausdächern gespeichert wird. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen müssen sich immer mehr Menschen dieses Wasser teilen. Durch die Reparatur, neue Leitungen und Wasserfilter wurde 2600 Menschen Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht. Einem Mobility Solutions Center in Amman stellten die Johanniter Materialien und Passteile bereit, um Menschen mit Behinderungen mit Prothesen und Orthesen versorgen zu können und ihre Mobilität und Lebensqualität zu erhöhen.

Gegen traumatische Erlebnisse anspielen

Die Johanniter legen den Fokus ihrer Hilfe nun vor allem auf traumatisierte Flüchtlingskinder und ihre Familien. Bereits Anfang 2015 wurden 500 Kinder in Amman in den Vormittagsstunden in kindgerechten Räumlichkeiten betreut. In den so genannten „Child-Friendly-Spaces“ erhalten die Kleinen die Möglichkeit, sich in einer geschützten und unbeschwerten Umgebung zu entwickeln, zu lernen und zu spielen. Jetzt arbeiten dort ausgebildete Psychologen und Sozialarbeiter, um Traumata fachgerecht durch psychosoziale Betreuung zu überwinden und den Kindern ihre Lebensfreude zurückzugeben.

Seit August 2015 unterhalten die Johanniter gemeinsam mit ihrem lokalen Partner United Muslim Relief im Norden Jordaniens, an der Grenze zu Syrien, zwei neue geschützte Räume für 400 Kinder und Jugendliche. Die Unterstützung dort haben die Familien dringend nötig.

Viele, die hier ankommen, leiden unter Angstzuständen und Albträumen. Sie ziehen sich zurück und verstummen oft", berichtet Walter Berier, Leiter unseres Länderbüros in Jordanien.

Um dem entgegenzuwirken, sprechen Psychologen mit den Kindern über das Erlebte. Sie erhalten fachmännische therapeutische Hilfe. Die geschützten Räume sind ein Rückzugsort von einem Alltag, der den Bedürfnissen von Kindern so radikal entgegengesetzt ist. 

Erfahren Sie mehr über unsere Hilfe in Syrien und Libanon

Unsere bisherige Hilfe in Jordanien:

  • 10 700 Flüchtlinge erhielten Matratzen, Decken und Hygiene-Kits
  • 705 Unterkünfte wurden instand gesetzt
  • 375 Menschen mit Behinderung wurden mit orthopädischen Hilfsmittel versorgt
  • 2675 Menschen erhielten Zugang zu sauberem Wasser
  • 1045 Kinder und Jugendliche erhielten psychosoziale Unterstützung in kindgerechten Räumlichkeiten
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Ihr Ansprechpartner Anette Müller

Lützowstr. 94
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