Integrale Hilfe gegen Unterernährung

Effizientere und integrale Landwirtschaft, Schutz der Natur und der Ressourcen, Einkommensverbesserungen für Frauen und gesündere Ernährungsgewohnheiten: Mit der Förderung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stärken die Johanniter 45.000 Menschen in zwei Provinzen im Nordosten Kambodschas bis 2020, um widerstandsfähiger gegen die Klimaerwärmung und drohende Armut zu sein.

Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre in Kambodscha hat seine Gewinner und Verlierer: in den Städten führte er zu einer deutlichen Verringerung der Armut. Doch dort wohnt und arbeitet nur jeder fünfte Kambodschaner. Die große Mehrheit lebt auf dem Land, wo der Aufschwung statt besserer Lebensbedingungen vor allem Probleme geschaffen hat. In abgelegenen Regionen im Nordosten des Landes verlieren die Menschen zusehends ihre natürlichen Ressourcen. Illegale Abholzung und industrielle Fischerei in den Flüssen unter Einsatz von Chemikalien zerstören ihre Lebensgrundlage. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen durch den Klimawandel mit einhergehenden Überschwemmungen, Dürren und Stürmen. Die traditionelle Landwirtschaft gerät durch Billigimporte und Massenproduktion wirtschaftlich ins Hintertreffen. Düstere Aussichten für viele ländliche Gemeinden, wo jeder siebte Mensch als unterernährt gilt.

Video unserer Partnerorganisation SCW zum Thema Umweltschutz in Kambodscha

Integrale Landwirtschaft zur Stärkung der Gemeinden

Gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Save Cambodia´s Wildlife (SCW) werden die Johanniter in den kommenden vier Jahren Familien in 38 Gemeinden der nordöstlichen Provinzen Kratie und Stung Treng stärken. Dazu gehören Maßnahmen zur integralen Landwirtschaft, die Schulungen in verbesserter Agrartechnik umfassen, um die Erträge im Reisanbau um 15 Prozent zu steigern. Knapp 4000 Landwirte sind involviert.

Der Anbau von Nutzpflanzen soll vielfältiger werden, wofür zunächst Modellfarmen bei einigen Landwirten eingerichtet werden. Diese haben eine Vorbildfunktion für andere Bauern. 150 Familien, die kein eigenes Land besitzen, werden bei der Anlage von Hausgärten begleitet, um so die Eigenversorgung mit Gemüse zu erreichen und die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Denn vielfach führt einseitige Ernährung und die falsche Zubereitung von Nahrungsmitteln zu Mangelerernährung. Schulungen und Kochkurse zum Umgang mit den Produkten und die Vermittlung von Hygieneregeln tragen zu einer gesünderen Ernährung bei.

Förderung der eigenen Produktvermarktung

Außerdem werden Familien bei der Einkommensverbesserung und 460 Frauen bei der Unternehmensgründung unterstützt. „Soziales Unternehmertum ist wichtig, damit Basisorganisationen und Gemeinden auf eigenen Beinen stehen können“, erklärt TEP Boonny, Direktor von SCW. „Die Prüfung der Nachfrage auf dem Markt und die Herstellung geeigneter lokaler Produkte bedingen sich gegenseitig, um langfristig bestehen zu können. Reine Wohltätigkeit bringt die Menschen hier nicht weiter.“

Kinder-Öko-Clubs und Einsatz erneuerbarer Energien

Schüler und Lehrer engagieren sich in 38 Öko-Clubs, um über Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung zu sprechen und führen gemeinsame Kampagnen zur besseren Müllentsorgung durch. Erstmals werden zu Demonstrationszwecken in fünf Dörfern zehn Biogasanlagen installiert, um die Bevölkerung die Nutzung erneuerbarer Energien näherzubringen. Mit der Technologie können die Familien selbst erzeugtes Gas aus organischen Haushaltsabfällen produzieren und dieses zum Kochen verwenden. Das spart Zeit, Geld und Strom und schont die Umwelt, ebenso wie 38 stromsparende Solarpumpen zur Bewässerung der Gärten.

„Wir wollen mit unseren Aktivitäten erreichen, dass die Kapazitäten und die Widerstandskraft der Kleinbauern gestärkt werden. Denn der Klimawandel hat zunehmend spürbare Folgen auf die Nahrungsmittelproduktion“, erklärt die zuständige Projektkoordinatorin der Johanniter, Claudia Zehl.

Ihr Ansprechpartner Johanniter-Auslandshilfe

Lützowstr. 94
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