Libanon

Der Libanon gilt seit dem Bürgerkrieg in den siebziger und achtziger Jahren als äußerst instabil und politisch polarisiert. Zu den rund fünf Millionen Einwohnern kamen in den letzten Jahren weit über eine Million Flüchtlinge aus Syrien hinzu, was für das kleine Land  - nur halb so groß wie Hessen – eine immense Herausforderung ist. 

Vor allem syrisch-palästinensische Flüchtlinge wie hier im Camp Ain-Al-Helway leben dicht an dicht unter prekären Bedingungen.

An den Rändern der südlibanesischen Stadt Tyre treffen Generationen von Flüchtlingen aufeinander. Bereits 1948 wurde hier das erste palästinensische Flüchtlingscamp gegründet, von denen es um Tyre offiziell drei gibt. 120.000 Palästinenser fanden damals in und nahe der Stadt Zuflucht, im Laufe der Jahre wuchs deren Zahl im gesamten Libanon auf über 450.000 an. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt  heute in Camps. Durch den Syrienkrieg kamen in den letzten Jahren über 50.000 syrisch-palästinensische Flüchtlinge dazu. Für sie ist die aktuelle Situation besonders schwierig: einst aus Palästina nach Syrien geflüchtet, mussten sie nun ein zweites Mal vor den dortigen Kämpfen in den Libanon fliehen und beispielsweise nahe Tyre Zuflucht suchen. Dort hat mittlerweile jeder zweite Einwohner einen Fluchthintergrund.

Kaum Chancen für angemessene Selbstversorgung

Flüchtlinge mit palästinensischen Wurzeln fristen ihr Dasein zumeist als Staatenlose und ohne Aussicht auf eine feste Arbeit. „Die traditionellen Lager sind durch den Syrienkrieg voll und nicht jeder findet  dort einen Wohnsitz“, erzählt Projektkoordinatorin Anette Müller. Das ist jedoch formell wichtig: „Wer sich in den Lagern über dortige UN-Programme als Flüchtling palästinensischer Abstammung registriert, erhält zumindest eine beschränkte Arbeitserlaubnis, beispielsweise als Arbeiter auf dem Bau. Nicht registrierte Flüchtlinge bleiben außen vor“, so Müller. Selbst die Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor sind mittlerweile rar. Mit immensen Folgen: Neun von zehn Kindern haben nicht genug zu essen, um satt zu werden. Viele Familien sind auf die Hilfe internationaler Hilfsorganisationen angewiesen.

Erfahren Sie mehr über unsere Nothilfe im Libanon in diesem Video:

Johanniter leisten Nothilfe...

Die Johanniter-Auslandshilfe hat aufgrund des stetig steigenden Flüchtlingsstroms reagiert und 2013 zusammen mit ihrer Partnerorganisation Naba´a damit begonnen, die Menschen zu versorgen. Knapp 50.000 palästinensisch-syrische Flüchtlinge haben bis Anfang 2016 Hygiene- und Nahrungsmittelpakete erhalten. Über 2500 Menschen wurden mit Kleidung und Schuhen unterstützt. 205 besonders bedürftige Menschen und 55 Haushalte erhielten Bargeld oder finanzielle Hilfen, um die Kosten für wichtige Anschaffungen oder etwa Arztrechnungen zu tragen. Die bisherige Nothilfe wurde durch Spenden und durch die Unterstützung des Auswärtigen Amtes finanziert.

...und unterstützen die Schaffung neuer Perspektiven

120 Jugendliche in Flüchtlingscamps erhalten eine Berufsausbildung, um ihre Zukunftsperspektiven zu verbessern.

Doch allein Nothilfe reicht nicht, um Flüchtlinge mittelfristig aus ihrer schwierigen Situation im Libanon zu befreien. Denn im weltweiten Schnitt bleibt ein Flüchtling 17 Jahre fern seiner Heimat. Die Gefahr ist groß, dass besonders Jugendliche durch Frust sich extremistischen Gruppen anschließen oder in die Kriminalität und den Drogenkonsum abrutschen. Um für diese Generation bessere Perspektiven zu schaffen, werden die Johanniter und Naba´a 120 Jugendlichen bis Ende 2017 in drei palästinensischen Flüchtlingscamps eine Berufsausbildung ermöglichen. Die Hälfte von ihnen werden Jugendliche mit Behinderung sein, da die Hürden für sie für einen Berufseinstieg fast unüberwindbar sind. Ihre Fähigkeiten werden durch Berater gestärkt und ihre Berufswünsche mit den Marktgegebenheiten abgestimmt. Ziel ist am Ende, dass die jungen Menschen mit einer Jobperspektive einen deutlich besseren Zugang zum libanesischen Arbeitsmarkt haben und ihre Familien unterstützen können.

Weitere 420 Jugendliche werden sich in Jugendgruppen organisieren und an Freizeitaktivitäten teilnehmen, da die Möglichkeiten für eine kreative Beschäftigung Jugendlicher in den Lagern kaum existieren. Kampagnen und Lobbyarbeit sollen auf die Rechte Behinderter hinweisen und barrierefreie Arbeitsplätze fördern. Das Projekt wird durch Spenden und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ermöglicht.

Erfahren Sie mehr über unsere Hilfe in Syrien und Jordanien

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