Auf eigenen Beinen stehen

Die Erdbeben in Nepal haben neben materieller Zerstörung und seelischen Verletzungen vielerorts ein wirtschaftliches Chaos hinterlassen. Zahlreiche Familien, die bereits zuvor mit einem unsicheren Einkommen haushalten mussten, haben durch den Verlust von Vieh, Gütern oder Infrastruktur ihre Subsistenz verloren und standen plötzlich vor dem Nichts. Einkommen schaffende Maßnahmen der Johanniter in dem Distrikt Sindhupalchowk haben das Bild verändert und den Menschen wieder mehr Zuversicht und eine neue Chance gegeben.

„Die Katastrophe hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte“, erinnert sich die 32-jährige Kabita Sundas. „Ich war wie viele andere Bewohner frustriert und deprimiert und konnte viele Nächte vor Sorge nicht schlafen.“ Kabita wohnt in der Ortschaft Petku allein in einem Haus. Ihre Kinder sind in der Hauptstadt Kathmandu untergebracht und ihr Mann arbeitet wie viele andere Nepalesen in Dubai. Ihr gemeinsames kleines Stück Land reichte nicht, um alle zu ernähren.

Dank finanzieller Hilfe konnte Kabita Sundas ihre Schneiderei mit Nähmaschinen und Textilien ausrüsten. Foto: GMSP

Um die Familie finanziell über Wasser zu halten, eröffnete sie eine kleine Schneiderei. „Arbeit hatte ich ausreichend, aber nicht genug Geld, um die Kapazität der Werkstatt zu vergrößern“, erinnert sich Kabita. Durch das Johanniter-Projekt erhielt sie finanzielle Unterstützung, um die Hürde zu nehmen. Mit rund 170 Euro konnte sie Textilien und neue Nähmaschinen anschaffen, so ihr Geschäft erweitern und das Einkommen erhöhen. Was erstmal wenig klingt, ist für nepalesische Verhältnisse viel Geld. Die meisten Menschen verdienen nur wenig mehr als umgerechnet einen Euro pro Tag. 

Traumabehandlung und Einkommensförderung ergänzen sich

Therapeutische Gruppensitzungen für Erwachsene sind Teil der Projektaktivitäten. Foto: JUH/Minzayar

Darüber hinaus hat die Hilfe einen weiteren wichtigen Wert:  „Ich gehe in meiner Arbeit auf. Das erlaubt mir, die Erinnerungen und den Stress durch die Katastrophe zu vergessen“, sagt Kabita. Diese Erfahrung teilt sie mit anderen Menschen. „Bei der Kombination von Traumabehandlung und schnellen Einkommensmöglichkeiten fördern sich beide Komponenten gleichermaßen“, sagt Kathleen Glenz, Projektkoordinatorin der Johanniter. „Die psychosozialen Maßnahmen helfen einerseits bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse und ermöglichen wieder eine aktivere Teilnahme am Leben der Menschen. Andererseits verleiht die eigene Arbeit und mehr Einkommen den Menschen Selbstvertrauen, welches hilft, um Zweifel und Frustration zu bewältigen.“ Deshalb hat die psychosoziale Arbeit einen hohen Stellenwert. 19 kinderfreundliche Räume wurden eingerichtet, um mit den Kleinen spielerisch traumatische Erlebnisse verarbeiten zu können. Therapeutische Gruppensitzungen für Erwachsene und kulturelle Aktivitäten finden zusätzlich statt.

Den verlorenen Faden wieder aufnehmen

Pente Gurung konnte dank der Hilfe neue Ziegen für ihre Viehzucht anschaffen. Foto: GMSP

Innerhalb des Projekts, das mit Geldern des Spendenbündnisses Aktion Deutschland Hilft finanziert und über die lokale Partnerorganisation Gramin Mahali Srijansil Paribar (GMSP) implementiert wird, werden bis Ende 2016 insgesamt 1.000 Haushalte in den drei Gemeinden Petku, Karthali und Marming bei der Verbesserung ihrer Einkommen unterstützt. Mit den Anwohnern wurde im Vorfeld ein Geschäftsplan entwickelt, der an die Tätigkeit vor dem Erdbeben anknüpft oder die bereits aufgenommene Arbeit finanziell und beratend fördert. Während eine Familie einen Ochsen angeschafft hat, um diesen für die Landarbeit zu verleihen, nimmt eine andere beispielsweise die Produktion von Eiern durch neue Hennen wieder auf, um sie auf dem lokalen Markt zu verkaufen. Jede Unterstützung ist dabei abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse, Vorerfahrungen und Gegebenheiten

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„Ich habe die Unterstützung für ein besseres Angebot in meinem Lebensmittelgeschäft benötigt. Jetzt habe ich Waren im Wert von 30.000 NPR (umgerechnet 245 Euro). Dadurch konnte ich meinen Umsatz innerhalb eines Monats verdoppeln, habe mehr Geld zum Nachkauf von Waren und ein besseres Einkommen“, sagt die 45-jährige Verkäuferin und zweifache Mutter Sanumaya Tamang.

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