Langfristige Hilfe gegen Unterernährung in Pakistan

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Pakistan: Mangelernährtes Baby

Ali Hassan, 3,5 Monate alt (Foto: Laura Salvinelli/ JUH)

Gerade einmal dreieinhalb Monate ist Ali Hassan alt, mit knapp fünf Kilo viel zu leicht für ein Baby seines Alters. Seine Mutter konnte ihn nicht stillen und gab ihm stattdessen verdünnte Kuhmilch. Ali Hassan gilt als unterernährt und wird mit seiner Mutter in einem so genannten Stabilisierungszentrum eines Krankenhauses im Süden Pakistans behandelt. 

„In diesen Stabilisierungszentren versorgen wir die besonders schweren Fälle von Unterernährung“, erklärt Kathleen Glenz, Koordinatorin der Johanniter-Projekte in Pakistan. „Mangelernährte Frauen und Kinder können wir in unseren  Behandlungsstationen oder direkt vor Ort behandeln.“ Mobile Teams der Johanniter gehen dazu regelmäßig in die Gemeinden, um Kinder, Schwangere und stillende Mütter zu untersuchen, mit therapeutischer Zusatznahrung zu behandeln und Aufklärungskurse zu Stillpraktiken und gesunder Ernährung von Kindern durchzuführen.

Unterernährung beginnt oft im Mutterleib

Pakistan: unterernährtes Mädchen im Krankenhaus

Asfara ist fast 5 (Foto: Laura Salvinelli/ JUH)

Fast 40 Prozent aller pakistanischen Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt, so wie die fünfjährige Asfara. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in der südlichen Provinz Sindh. Asfara war bei ihrer Geburt bereits viel zu klein, weil ihre Mutter während der Schwangerschaft selbst hungern musste. „Weil ich nicht genügend Geld hatte, um mir Essen zu kaufen“, sagt die geschiedene Frau.

Armut und fehlendes Wissen sind neben den hohen Lebensmittelpreisen häufige Gründe für die wachsende Zahl von mangel- und unterernährten Menschen in Pakistan. „Die Preise für Nahrungsmittel wie Weizen, Reis und Zucker sind in den vergangenen elf Jahren enorm gestiegen“, so Glenz. „Dazu kommen schwere Überschwemmungen, die die Menschen im Süden Pakistans nicht zur Ruhe kommen lassen.“ Kinder, Säuglinge und ihre Mütter sind besonders betroffen von der humanitären Krise.

Grafik Ursache Folgen Unterernaehrung

Wenn die tägliche Nahrung nicht ausreichend Vitamine und Mineralstoffe enthält, geraten oft ganze Familien in einen gefährlichen Kreislauf: Frauen, die als Kind oder während der Schwangerschaft mangelernährt sind, bringen häufiger untergewichtige Kinder zur Welt. Gelingt es dann nicht, die Kinder gesund zu ernähren, bleiben sie anfälliger für Krankheiten, weniger aufnahme- und lernfähig. Auch ihre Kinder sind später oft unterernährt.

Nachhaltige Erfolge durch Aufklärung

Wissen über Stillpraktiken und Hygiene ist in Pakistan nicht ausreichend verbreitet. In Kursen lernen Mütter und deren Angehörige mehr über gesunde Ernährung und Fragen der Hygiene. Zudem bilden die Johanniter in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium Gesundheits- und Ernährungsmitarbeiter sowie Gemeinde-Gesundheitshelferinnen aus. Auf dem Programm stehen Fragen der Ernährung, Stillpraktiken, Hygiene, Erste Hilfe und Mutter-Kind-Gesundheit.

Nach bereits fünf Tagen im Stabilisierungszentrum kann seine Mutter den kleinen Ali Hassan wieder stillen. In wenigen Monaten, sagen die Ärzte, werde er gesund und ausreichend ernährt sein. Auch Asfara hat gute Chancen auf langfristige Heilung.

2014 konnten wir mit dem Hilfsprogramm in den Provinzen Sindh und Punjab mehr als 350 000 Frauen und Kindern helfen. Das aktuelle Ernährungsprojekt in der Provinz Sindh hat eine Laufzeit von sechs Monaten und wird aus Mitteln des World Food Program (WFP) der Vereinten Nationen finanziert.

Gesundheitsprojekte, speziell für Mütter und Kinder, sind ein wichtiger Schwerpunkt der Johanniter Auslandshilfe.

Ihr Ansprechpartner Linda Zimmermann

Lützowstr. 94
10785 Berlin