Schutz des Hochlands sichert Zugang zu Wasser

Ob bei Trinkwasser für den Konsum oder Betriebswasser für die Landwirtschaft: das Leben im andinen Hochland Ecuadors wird von den Niederschlägen in den Bergen beeinflusst. Seit nunmehr sechs Jahren engagieren sich die Johanniter im Bau von Trinkwasserleitungen. Bisher erhielten mehr als 3400 Familien einen Trinkwasseranschluss, bis 2019 werden es über 5400 sein. Ob die Menschen auch zukünftig Zugang zu sauberem und ausreichendem Wasser haben, hängt maßgeblich vom Schutz der Hochlandregion ab.

„Ohne Wasser geht gar nichts“, sagt Margarita Quilimbaquin. „Vor zwölf Jahren hatten wir eine Trockenheit, die ein Jahr lang andauerte. Ich weiß nicht, wie wir das damals überlebt hatten.“ Rund um den Vulkan Cayambe dreht sich alles um die Niederschläge. Fallen sie schlecht aus, „gibt es nicht einmal Wasser für die Tiere“, so Margarita. Sie ist Vorsteherin ihrer Gemeinde Pucará in der Provinz Pichincha. Rund 8000 Menschen leben an den Hängen des Vulkans von der Landwirtschaft. Die Böden sind nährstoffreich und die Niederschläge waren in der Vergangenheit meist konstant.

Trotz zahlreicher Fortschritte in Ecuador lebt noch immer jeder sechste Einwohner auf dem Land in Armut. Foto: JUH

Und dennoch haben viele Familien keinen gesicherten Zugang zu ausreichenden Nahrungsmitteln. Laut UNO-Angaben sind in der andinen Zone zwischen Venezuela und Bolivien über sieben Millionen Menschen betroffen, eine halbe Million Kinder leiden an Unterernährung. Meist sind Gemeinden indigenen Ursprungs in abgelegenen Regionen betroffen. Maßnahmen zur infrastrukturellen Verbesserung und Armutsminderung sind insbesondere auf städtische Regionen Ecuadors konzentriert und erreichen kaum ländliche Gemeinden.  Jeder sechste Einwohner lebt dort in tiefer Armut.

Selbstverwaltete Wasserversorgung

Umso wertvoller ist die Tatsache, dass sich die Menschen in indigenen Gemeinden seit Generationen gemeinschaftlich organisieren. Ein Beispiel ist die Gemeinde Tolontag - El Marco: In kollektiven Arbeitseinsätzen – so genannten Mingas – haben die Bewohner zwischen 2011 und 2013 zusammen mit den Johannitern unter anderem 99 Kilometer Wasserleitungen verlegt, sechs Wasserspeicher installiert  und zwei Quellfassungen erneuert. „Fast 1400 Personen hatten daran gemeinschaftlich mitgewirkt und jede Person hat im Schnitt 117 Arbeitstage eingebracht. Das Engagement war großartig," sagt stolz Kirsten Wesenberg, Büroleiterin der Johanniter-Auslandshilfe in Ecuador. „Jetzt haben nicht nur 90 Prozent der Bewohner eine Trinkwasseranbindung, sondern auch ein funktionierendes Tarifsystem durch den örtlichen Wasserverband. Jeder zahlt 2,70 US-Dollar für 18 Kubikmeter Wasser pro Monat ein, durch diese Rücklagen - unter anderem für Reparaturen - funktionieren die Leitungen bis heute ohne Probleme“, so Wesenberg.

Kollektive Bewässerung für sorgsame Wassernutzung

Auch in Margaritas Gemeinde Pucará spielt Solidarität eine wichtige Rolle. Drei Viertel der Bewohner haben sich für ein gemeindebasiertes Bewässerungssystem organisiert. Sie selbst hat auf ihrem Feld ein System zur Tröpfchenbewässerung installiert. Jetzt kann sie fast ganzjährig Kartoffeln, Brokkoli, Zwiebeln und Quinoa anbauen und frisch ernten. „Unsere Mahlzeiten sind gesünder, deswegen werden wir nicht mehr so oft krank“, ist sie überzeugt. Andere Bewohner bearbeiten die Felder gemeinschaftlich und bewässern sie kollektiv mit einem Sprenger, der nach einem festgelegten Zeitplan reihum geht.

Agustín Cacuango teilt sich den Acker neben seinem Haus mit drei weiteren Familien. „Im Sommer 2015 war hier noch alles tot“, erinnert er sich. „Uns hatte die Trockenheit schwer getroffen, wir mussten bis zu drei Stunden laufen, um Wasser aus dem Kanal zu holen. Aber jetzt? Alles grün dank der neuen Bewässerung.“ Im Hintergrund durchbricht das Geräusch einer Kettensäge die fast absolute Stille. „Das gefällt mir gar nicht. Das Geräusch bedeutet Trockenheit“, sagt Agustín. „Wir brauchen die Bäume zum Schutz des Bodens und sie sägen sie nur ab.“

Schutz des Hochlands sichert die Zukunft

In den letzten Jahrzehnten haben die Menschen – meist getrieben von der tiefen Armut – immer höhere Lagen der Berge bewohnt und landwirtschaftlich genutzt. Bergwälder wurden zu Brennholz und viele Böden im Laufe der Zeit ausgewaschen. Rund 30 Prozent der sensiblen Hochlandregionen sind mittlerweile erodiert und die einst hohe natürliche Wasserspeicherkapazität hat sich reduziert. Bei anhaltender Trockenheit ist die Wasserversorgung enorm gefährdet, sogar in der Millionenstadt Quito.

Typische Landschaft im andinen Hochland: Acker- und Weideflächen sind meist von Eukalyptusbäumen unterbrochen. Wälder an den Hängen werden seltener. Foto: JUH

Deshalb haben sich die Johanniter im Jahr 2013 auch den Schutz der Hochlandzonen auf die Fahnen geschrieben. Umgesetzt werden die Projektaktivitäten, die unter anderem durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert werden, mit den Partnerorganisationen IEDECA und FHE. Langsam setzt sich das Bewusstsein durch. 50 000 neue Bäume wurden unterhalb der natürlichen Baumgrenze gepflanzt: „Sie schützen die Böden, verbessern das Mikroklima und dienen später als Quelle für Brennholz, sodass die ursprünglichen Bergwälder nicht weiter abgeholzt werden“, so Wesenberg. "Es wurden gemeinschaftliche Bewirtschaftungsgrenzen in den Gemeinden festgelegt und Kleinbauern in nachhaltiger Landnutzung geschult. Infolge der verbesserten Produktion ist eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr notwendig." Dem Schutz des Hochlandes und einem gesicherten Leben in der Region kommt man so ein gutes Stück näher.

Die Einwohner haben bereits mit der Verlegung der Rohre begonnen. In einem nächsten Schritt werden wir zwei Bewässerungssysteme installieren und 50.000 einheimische Nutzhölzer pflanzen.

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