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Pakistan

Soforthilfe nach der Flut

Mit Sehnsucht erwarten die Menschen in Pakistan jedes Jahr den Monsunregen. Er bewässert die Felder und füllt die Wasservorräte auf. Doch im Juli 2010 wurde dieser herbeigesehnte Segen zum Fluch. Anfangs wurden Überschwemmungen in den nördlichen Himalaya-Ausläufern gemeldet. „Die Flut kam während der Nacht, und als das Wasser bereits einen Meter hoch stand, liefen wir zu einem anderen Dorf, das etwas höher liegt. Wir konnten kaum etwas retten“, erinnert sich ein Flutopfer.

 

Medizinische Hilfe für eine halbe Million Menschen

Die Gemeinde Charbarese, in der Nähe der Provinzhauptstadt Peshawar im Nordwesten Pakistans, ist eine ländliche Gegend, in der hauptsächlich Kleinbauern wohnen. Vor der Flut lebten dort rund 60 000 Einwohner. Doch aufgrund der starken Überschwemmungen im Sommer 2010 flüchteten weitere 60 000 Menschen aus den betroffenen Gebieten in diese Gemeinde. Hier fanden sie Unterschlupf bei Verwandten oder harrten über Wochen in Zelten und unter Plastikplanen aus.

„Zurzeit gibt es mehr als doppelt so viele Kranke wie vor der Flut und viel zu wenig Medikamente, Ärzte und anderes medizinisches Personal“, klagte ein
lokaler Arzt. „Außerdem können sich die Menschen jetzt, wo sie alles verloren haben, wo es kaum noch Arbeit gibt und die Ernte auf den Feldern zerstört ist, keinen Arztbesuch mehr leisten.“ Die Johanniter richteten deshalb in einem Wohnhaus eine kleine Gesundheitsstation zur kostenlosen medizinischen Grundversorgung von Betroffenen ein, mit je einem Behandlungsraum für Männer und Frauen sowie einem Entbindungszimmer.

Einmal die Woche kommt ein Kinderarzt, um sich schwerwiegendere Fälle anzusehen. Ein Ambulanzwagen sorgte für den schnellen Transport Verletzter in die nächste Klinik. „Im Schnitt haben wir täglich rund 500 Patienten, die vor allem an Hautinfektionen durch verschmutztes Trinkwasser, Durchfall, Augenentzündungen und Atemwegsinfekten leiden“, berichtete einer der Ärzte der Johanniter-Station im August 2010.

Für Patienten, die das Haus nicht verlassen können, fahren vier mobile Teams der Johanniter täglich zu Hausbesuchen in die Dörfer. Zudem beraten sie die Bevölkerung bei Hygiene- und Gesundheitsfragen.

So wie in Charbarese haben die Johanniter während der monatelangen Nothilfephase an 40 Standorten in ganz Pakistan Gesundheitsstationen aufgebaut. „Durch unsere Hilfe haben mehr als eine halbe Million Menschen eine medizinische Behandlung, Impfungen und Aufklärungskurse über wichtige Gesundheits- und Hygienethemen erhalten“, fasst Naseer Kakar, Länderbüroleiter der Johanniter in Pakistan, die Hilfe der vergangenen Monate zusammen.

Medizinische und orthopädische Versorgung

Gemeinsam mit den lokalen Gesundheitsbehörden werden die Johanniter beispielsweise die bereits von ihnen betriebenen Gesundheitsstationen sanieren. Unter anderem werden Stromleitungen gelegt und die sanitären Einrichtungen instand gesetzt. Außerdem werden die bereits angelaufenen Ernährungsprogramme landesweit ausgebaut. An Krankenhäuser
angeschlossene Stabilisierungszentren für schwer unterernährte Kinder werden eingerichtet, um deren umfassende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation „Motivation“ werden die Johanniter zudem die Versorgung körperlich behinderter Menschen sicherstellen. Über lokale Orthopädiewerkstätten werden sie Betroffene mit Prothesen, Orthesen und Rollstühlen unterstützen.

 

Hunger und Mangelernährung

Neben der allgemeinen medizinischen Versorgung legten die Johanniter einen Schwerpunkt auf die Betreuung mangelernährter Frauen und Kinder. Denn vor allem in den ländlichen Gebieten tritt Mangelernährung sehr häufig auf. „Die Bevölkerung besitzt keine eigenen Felder, sondern arbeitet auf denen der Großgrundbesitzer. Diese bezahlen die Arbeiter nicht mit Geld, sondern mit einem Teil der Ernte“, erklärt Barbara Neumann, Koordinatorin der Johanniter-Programme gegen Mangelernährung in Sindh. „Ohne Geld können sie aber nichts kaufen. Also verkaufen sie einen Teil der erhaltenen Ernte und haben so weniger zu Essen für ihre Familie.“

Die Johanniter setzen landesweit mobile Teams ein, die regelmäßig die Patienten in den Gemeinden untersuchen, mit therapeutischer Zusatznahrung behandeln und Aufklärungskurse zu gesunder Ernährung durchführen. Darüber hinaus richteten die Johanniter an mehreren Krankenhäusern sogenannte Stabilisierungszentren ein. Schwere Fälle von Unterernährung werden dorthin überwiesen und stationär behandelt. „Die Krankenhäuser sind mit der Behandlung schwer unterernährter Kinder nicht vertraut. Durch unsere zusätzlichen Einrichtungen stellen wir die lebenswichtige Betreuung sicher“, erklärt Jens Schwalb, Fachbereichsleiter für Pakistan in der Johanniter-Auslandshilfe.

Katastrophenvorsorge

Um auf künftige Katastrophen besser vorbereitet zu sein, bilden die Johanniter in Punjab die Bevölkerung in Erster Hilfe und Katastrophenvorsorge aus. Zudem werden kommunale Schnell-Einsatz-Gruppen aufgestellt, die nach ihrer Ausbildung in die staatlichen Katastrophenschutz-Strukturen eingegliedert werden. Bisher gibt es in Pakistan nur wenige freiwillige Helfer auf diesem Gebiet - mit eine Erklärung für die vielen Todesopfer nach den bisherigen Katastrophen. Langfristig ist der Aufbau einer Facheinrichtung geplant, die landesweit Kurse im Bereich Katastrophenvorsorge und Erster Hilfe gibt, um im Falle eines Notfalles in den verschiedenen Gemeinden zeitnah und qualifiziert helfen zu können.

Hier erfahren Sie mehr zum aktuellen Projekt "Katastrophenvorsorge und medizinische Hilfe im Flutgebiet" der Johanniter-Auslandshilfe in Pakistan.

Ansprechpartner und Links

Überblick über die Hilfsmaßnahmen für die Flutopfer

Region Projektkurzbeschreibung Laufzeit Finanzierung
Distrikte Ghotki und Larkana Versorgung schwer unterernährter Kinder in Stabilisierungszentren August 2011 – Dezember 2011 Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Spenden
Provinz Sindh, Distrikt Qamber Basisgesundheit: Medizinische Versorgung von Betroffenen der Flutkatastrophe August 2011 - Dezember 2011 Spenden
Provinz Sindh, Distrikte Shikarpur und Qamber Gemeindebasiertes Ernährungsprogramm für mangelernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter Juli 2011 – November 2011 Spenden
Provinz Khyber Pakhtoonkhwa, Distrikt Nowshera Gesundheits- und Ernährungsprogramm für Flutopfer Juli 2011 - April 2012 Spenden, JUH Österreich und Stadt Wien
Provinz Sindh, Distrikte Kashmore, Qamber, Shikarpur, Ghotki, Jacobabad und Sukkur UNICEF-Programm zur Versorgung von Betroffenen der Flutkatastrophe im Bereich Wasser, Sanitär & Hygiene, Gesundheit und Reduzierung von Mangelernährung sowie Katastrophenvorsorge Mai 2011 - Oktober 2011 Spenden und UNICEF
Provinz Punjab, Distrikt Rawalpindi Katastrophenvorsorge und Ausbildung von Katastrophenschutzhelfern März 2011 - März 2012 Spenden
Provinz Punjab & Sindh, Distrikte Ghotki, Kashmore, Jhang, Bhakkar Gemeindebasiertes Ernährungsprogramm für mangelernährte Kinder, schwangere und stillende Mütter August 2011 - August 2012 Spenden
Provinz Punjab, Distrikte Bhakkar und Jhang Rehabilitation von vier Gesundheitsstationen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit September 2011 - September 2012 Diakonie Katastrophenhilfe