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Seit dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 haben die Johanniter im Distrikt Léogâne über 72.000 Menschen medizinisch behandelt, mit einer Prothese, Orthese oder Rollstuhl versorgt sowie physio- und psychotherapeutisch betreut. Um langfristig die medizinische und orthopädische Versorgung der Betroffenen sicher zu stellen, werden alle Programme in permanente Strukturen überführt.
Sicherstellung der medizinischen Betreuung
Bereits in der Soforthilfe setzten die Johanniter eine mobile Klinik für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung im Distrikt Léogâne ein. Fünf weitere mobile Kliniken folgten, da fast alle Gesundheitseinrichtungen der Region durch das Erdbeben zerstört wurden. Inzwischen wird die medizinische Versorgung über feste Einrichtungen weitergeführt.
Gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz) und der Deutsche Bank Stiftung bauen und sanieren die Johanniter acht Gesundheitsstationen in den besonders vom Erdbeben betroffenen Regionen Léogâne, Gressier, Petit Goâve und Grand Goâve.
Nach der Fertigstellung der Einrichtungen werden die Johanniter diese gemeinsam mit dem haitianischen Gesundheitsministerium für weitere zwei bis drei Jahre betreiben, um eine nachhaltige Basisgesundheitsversorgung für die rund 80.000 Einwohner der Region zu gewährleisten.
Langfristige Hilfe zur Mobilität
Mit einer mobilen Orthopädiewerkstatt konnten die Johanniter die Notfallversorgung für frisch amputierte Menschen in Haiti sicherstellen. Um Patienten mit Behinderung umfassend zu versorgen, bieten sie zusätzlich Physiotherapie, psychosoziale Unterstützung und die individuelle Anpassung von Rollstühlen an.
Im Distrikt Léogâne errichten die Johanniter ein permanentes, erdbebensicheres und barrierefreies Rehabilitationszentrum, um mit Hilfe eines Teams aus Orthopädietechnikern und Physiotherapeuten langfristige Rehabilitationsstrukturen aufzubauen. In der Rollstuhlwerkstatt erhalten Erwachsene und Kinder mit Behinderung neben einem individuell angepassten Rollstuhl auch ein Rollstuhl-Training.
Um das Rehabilitationszentrum langfristig zu sichern, bilden die Johanniter elf haitianische Trainees in den Bereichen Physiotherapie und Orthopädietechnik „on-the-job“ und durch weiterführende Seminar aus.Für die Ausbildung in der Orthopädietechnik wollen die Johanniter gemeinsam mit der Don Bosco Universität in El Salvador einen zweieinhalbjährigen Studiengang etablieren.
Mit Hilfe von Aufklärungskampagnen und Fortbildungen möchten sie außerdem die Integration und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung fördern und die Bevölkerung im Distrikt Leógâne für die Rechte und Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisieren.
Bewusstsein für Katastrophen schärfen
Haiti gilt als extrem gefährdet für Naturkatastrophen. Die Johanniter engagieren sich deshalb im Bereich Katastrophenvorsorge in der Region Léogâne. Ziel ist es, die breite Bevölkerung besser auf einen Katastrophenfall vorzubereiten, damit sie sich im Falle einer Naturkatastrophe adäquat verhalten kann.
Dazu vermitteln 20 ausgebildete haitianische Trainer ihre Kenntnisse in Katastrophenvorsorge und Erster Hilfe der zivilen Bevölkerung in Tages-Kursen. Sie gehen in Schulen, Kirchengemeinden, Gesundheitszentren und erreichen damit ca. 30.000 Menschen.
Zusätzlich werden 13 Notfallsammelstellen im Distrikt Léogâne identifiziert und mit Schaufeln, Taschenlampen, Seilen und einfachen Tragen zum Bergen von Verletzten ausgestattet. Ein von Außenminister Guido Westerwelle übergebenes Erdbebenfrühwarnsystem wurde in Léogâne am Bürgermeisteramt errichtet.
Landesweiter Rettungsdienst
Gemeinsam mit dem haitianischen Gesundheitsministerium wollen die Johanniter in ganz Haiti einen einheitlichen Rettungsdienst aufbauen. Um die medizinische Erstversorgung von Unfallopfern sicherzustellen, unterstützen sie das Ministerium auch bei der einheitlichen Ausbildung der Rettungskräfte.
| Region | Projektkurzbeschreibung | Laufzeit | Finanzierung |
|---|---|---|---|
| Distrikt Léogâne | Katastrophenvorsorge für die Gemeinden des Distriktes Léogâne | 01.03.2012 - 31.12.2012 | ADH (Aktion Deutschland Hilft) (Eigenmittel) |
| Distrikt Léogâne | Medizinische Grundversorgung in temporären Gesundheitsposten in Léogâne | 01.03.2012 - 31.07.2012 | ADH (Aktion Deutschland Hilft) (Eigenmittel) |
| Distrikt Léogâne | Nachhaltige Rehabilitationsstrukturen für Menschen mit Körperbehinderung in Haiti | 01.09.2011 - 31.12.2012 | Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) |
| Distrikt Léogâne | Katastrophenvorsorge für die zivile Bevölkerung in 13 Gemeinden im Distrikt Léogâne | 01.07.2011 - 31.12.2012 | Auswärtiges Amt |