Musik als Mittel zur Integration

Allgäu, 10. August 2016

Die Johanniter gehen in der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge manchmal unkonventionelle Wege - Wege, die sich nah an den tatsächlichen Interessen der Jugendlichen orientieren und ihnen neue Möglichkeiten zur Integration öffnen. Gerade hat die Hilfsorganisation, die derzeit in fünf familiär gehaltenen Unterkünften im ganzen Allgäu rund 90 Flüchtlingsjungen zwischen 14 und 17 Jahren sozialpädagogisch betreut und bei ihrer Integration in unsere Gesellschaft unterstützt, den Diplom-Musikpädagogen Stefan Bienert eingestellt. Er gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, Musikinstrumente zu erlernen.

In Roßhaupten beispielsweise formiert sich mit Hilfe von Stefan Bienert gerade eine Band aus jungen Flüchtlingen. Sie spielen E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards. In einer anderen Unterkunft haben die Jungs großen Spaß an ihrer Ukulelenband. In einer dritten bauen Bienert und ein paar seiner Schützlinge eifrig ihre eigenen Cajons.

Das Spektrum, das der Musiklehrer, der Jazz, Rock und Pop studiert hat, den Jugendlichen bieten kann, ist groß. „Die Jungs kommen mit ganz unterschiedlichen Wünschen auf mich zu. Einige möchten Klavier, Trompete, Kontrabass oder auch Blockflöte lernen.“ Andere fordern ihn als Instrumentenbauer. „Ein junger Afghane etwa hat in seiner Heimat schon als Zwölfjähriger Santurs gebaut, eine Art Hackbrett. Da tüfteln wir jetzt daran herum“, schmunzelt er. Mit einem anderen versucht er sich an einer Krar, einem gitarrenähnlichen Zupfinstrument, das in Eritrea und Äthiopien verbreitet ist.

Die Jugendlichen hätten großes Interesse an dem Einzel- als auch Gruppenunterricht, sagt der 47-Jährige Kemptener, der seit Mai in den Unterkünften der Johanniter in Oy-Mittelberg, Oberstdorf, Lauben bei Erkheim, Bad Wörishofen und Roßhaupten im Einsatz ist. Die Vorkenntnisse seien völlig unterschiedlich. „Manche sind mit Feuereifer dabei und üben richtig viel. Manchmal sitze ich aber auch mit einer Gruppe Jugendlicher zusammen, die noch nie ein Instrument in der Hand hatten und wir fangen bei Null an, mit einer Art musikalischer Früherziehung.“ So oder so, der Spaß und die Freude an der Sache seien auf beiden Seiten groß, so Bienert. Auch wenn er zunächst lernen musste, von gewohnten Mustern abzuweichen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es nichts bringt, feste Termine zu vereinbaren. Inzwischen verfahre ich nach dem Motto: Ich komme unangemeldet, dann fangen wir an und spielen so lange, bis keiner mehr mag.“ In absehbarer Zukunft möchte er die ausländischen dann mit seinen deutschen Musikschülern für gemeinsame Projekte zusammenbringen.

In den ersten paar Monaten habe er zunächst einmal viel Aufbauarbeit leisten müssen, erzählt Bienert. Inzwischen seien gewisse Strukturen sowie ein Grundstock an Musikinstrumenten vorhanden. Die Johanniter werden ihm überdies in Kürze ein größeres Fahrzeug, sozusagen einen Johanniter-Bandbus, zur Verfügung stellen. „Aber es wäre ein Traum, wenn sich Spender fänden, die uns mit weiteren Instrumenten aushelfen könnten.“

Ganz besonders gefragt sind Blechblasinstrumente wie Trompeten, Tenorhörner oder Euphonien aber auch Mikrofone, Kabel, Boxen und anderes Equipment für die Band. Sehr gefreut habe er sich über eine Spende der Maria-Ward-Schule aus Kempten, sagt Stefan Bienert. „Sie haben uns Gitarren und Teile eines Schlagzeugs zukommen lassen. Vielleicht hat ja die eine oder andere Firma, Schule oder auch Privatperson Interesse, uns ebenfalls mit Sach- oder Geldspenden zu unterstützen. Die Jungs und ich würden uns jedenfalls sehr freuen!“

Kontakt: www.johanniter.de/allgaeu oder 0831 521570 oder allgaeu@johanniter.de

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE50370205000004303801, BIC BFSWDE33XXX

 

 

Pressekontakt Nicole Schön

Haubenschloßstraße 6
87435 Kempten