Fünf Jahre Trauerbegleitung für Kinder

Rosenheim, 13. Juni 2018

Aktionstag am 30.6. zum Lacrima-Jubiläum in Rosenheim

Seit nunmehr fünf Jahren sind die Johanniter mit der Trauerbegleitung Lacrima in Rosenheim aktiv. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die ein Elternteil, ein Geschwisterkind oder eine nahestehende Person verloren haben. Ausgebildete Trauerbegleiter betreuen und begleiten sie und ihre Familien im Rahmen von regelmäßigen Gruppentreffen in ihrer Trauer – bei Bedarf über mehrere Jahre.


Am 30. Juni von 10 bis 14 Uhr findet zum Jubiläum ein Aktionstag der Johanniter auf dem Max-Josefs-Platz in Rosenheim statt. Das Angebot an diesem Tag ist vielfältig: ehrenamtliche Trauerbegleiter geben einen Einblick in ihr Engagement und auch die Johanniter-Rettungshundestaffel berichtet über Ausbildung und Einsätze. Für Kinder gibt es zudem eine Hüpfburg in Rettungswagenform und ein Einsatzmotorrad zum Probesitzen.


Entstanden ist Lacrima in München, vor fünf Jahren wurde die erste Trauergruppe in Rosenheim gegründet. Deren Initiatorin und Leiterin, die Trauerbegleiterin Dr. med. Beate Düntsch-Hermann, blickt auf die Anfänge zurück und schildert, was die Arbeit bei Lacrima für die betroffenen Kinder, Jugendliche und ihre Familien bedeuten kann.


„Der Tod eines Elternteils oder eines Geschwisterkindes ist eine schreckliche Wunde, die der Kinderseele geschlagen wird“, weiß Beate Düntsch-Hermann. „Unsere Aufgabe ist es, den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien einen Rahmen zu bieten, in dem sie mit ihrem Verlust umgehen und ihren ganz eigenen Trauerweg finden können – damit diese Wunde gut von innen heraus heilt.“


Von Anfang an habe sie in Rosenheim „eine große Willkommenskultur und eine unglaubliche Unterstützung erfahren“, sagt sie dankbar. Heute treffen sich bei Lacrima in Rosenheim in einer Gruppe Kinder zwischen sechs und 12 Jahren sowie in einer speziellen Outdoorgruppe Jugendliche von 12 bis 17 Jahren. „Sie alle erleben bei uns, dass es noch andere gibt, die in der derselben Situation sind. Hier müssen sie sich nicht erklären und sie haben keine Sonderrolle wie sie es oft in ihrem Schul- oder Freizeitumfeld erleben. Das ist für die meisten unglaublich entlastend.“


Die Kindergruppe umfasst derzeit sieben Kinder. Sie treffen sich alle 14 Tage in den Räumlichkeiten des Kinderhorts im Familienzentrum der Kirchengemeinde Christkönig. Dort können sie aus verschiedenen Angeboten wählen: sie können kreativ sein, spielen, reden, toben oder sich einfach still in den Kuschelraum zurückziehen. „Bei uns bekommen die Kinder Zeit und Raum für Trauer. Das können sie nutzen, müssen sie aber nicht“, betont Beate Düntsch-Hermann. „Jedes Kind entscheidet selbst, was es macht und mit welchem der fünf Betreuer.“ Diese sind Ehrenamtliche ganz unterschiedlicher Wesensarten – „manche besonnen und ruhig, andere temperamentvoll und lustig“ -, die für die Ausübung dieser anspruchsvollen Aufgabe geschult und zertifiziert wurden.


„Unsere Treffen laufen sehr ritualisiert ab, mit einem ganz klaren Rahmen, der sich jedes Mal wiederholt“, erklärt die Mutter dreier erwachsener Kinder. „Das gibt Sicherheit und Stabilität, denn genau darum geht es: Wir wollen diesen jungen Menschen wieder Vertrauen in das Leben geben.“ Zu Hause erleben diese die Auseinandersetzung mit dem Tod oft als schwierig. „Sie verbergen ihre Trauer, um der verbliebenen Familie nicht noch mehr Kummer zu machen. Hinzu kommt, dass das Thema Tod auch im Umfeld aus falsch verstandener Rücksichtnahme oder Unsicherheit häufig tabuisiert wird.“ Doch nicht bearbeitete Trauer könne zu inneren Blockaden, (Auto-)Aggressionen, Entwicklungsrückschritten, kurz: zu psychischen und physischen Schädigungen führen, so die 56-Jährige. „Auch wir vermeiden es, die Kinder konkret nach dem verstorbenen Elternteil zu fragen. Aber wir nutzen andere Möglichkeiten, um uns dem Thema zu nähern. Dabei merken die Kinder, dass wir es aushalten, wenn sie über Mama, Papa, die verstorbene Schwester oder den Bruder sprechen, dass wir nicht in die Trauer kommen, dass wir belastbar sind. Das ist eine große Erleichterung. Ganz wichtig dabei ist, dass alles, was in der Gruppe gesagt wird, an niemand anderen weitergegeben wird.“


Während der Gruppentreffen werden die Eltern in einem anderen Raum von einem ausgebildeten Trauerbegleiter betreut und kommen zum Abschluss der Gruppenstunde hinzu. „Dabei versuchen wir, positive Impulse zu setzen, damit auch zu Hause Gespräche in Gang kommen.“


Bei der Outdoorgruppe für Jugendliche ist der Ansatz ein anderer: Hier stehen Aktivitäten wie Klettern, Schneeschuhwanderungen, Höhlentouren, Floßbauen o.ä. auf dem Programm. „Dabei geht es nicht um den Kick, sondern darum, in Reflexion vor der Trauer an die eigene Grenze zu gehen, im Sinne von: `Ich vertraue jetzt mal, obwohl ich kein großes Vertrauen mehr ins Leben habe´“, unterstreicht Beate Düntsch-Hermann. „Diese Erfahrung der eigenen Kompetenz gibt Kraft und Stärke. Auf beide Weisen möchten wir die Familien dabei begleiten, gemeinsam einen stimmigen Trauerweg zu finden. Der Verlust der geliebten Person wird immer eine Narbe bleiben. Aber wichtig ist es, die Verstorbenen gut ins eigene Lebensregal einzuräumen. Wer das geschafft hat, geht gestärkt durchs Leben.“


Lacrima (dt.: DieTräne) ist ein für Betroffene kostenloses Angebot der Johanniter. Interessierte können sich unter der Telefonnummer 08065 9063331 direkt an Beate Düntsch-Hermann wenden. Umfangreiche Informationen zu Lacrima finden Sie auch im Internet unter www.johanniter-lacrima.de.