Deutschlandweite Prüfung der Retter auf vier Pfoten

Puchheim/Landsberg am Lech, 16. Mai 2018

Sie sind die wahren Helden, wenn vermisste oder verletzte Menschen aufgefunden werden: Die Retter auf vier Pfoten der ehrenamtlichen Johanniter-Rettungshundestaffeln kommen bei Flächen- und Trümmersuchen zum Einsatz. Doch bevor sie diese anspruchsvollen Aufgaben bewältigen können, müssen sie zusammen mit ihrem Hundeführer zunächst eine rund zweijährige Ausbildung absolvieren und die abschließende Prüfung in der Praxis bestehen. Erst nach Bestehen der Prüfung dürfen die Rettungshundeteams in den Einsatz gehen, wenn Menschen vermisst werden.

Am Wochenende vom 28. und 29. April 2018 war in Bergen auf Rügen auf dem Gelände der DRK-Werkstätten und in den umliegenden Wäldern ungewöhnlich viel Bewegung zu erleben. Dort fand die zentrale Prüfung der Johanniter-Rettungshundestaffeln statt. Bei besten Wetterbedingungen konnten 28 Rettungshundeteams, die aus ganz Deutschland zur Prüfung auf der Insel angetreten sind, ihre Einsatzfähigkeit beweisen.

Davon starteten 24 Mensch-Hund-Teams in der Flächensuche und vier Teams in der Trümmersuche. In der Flächensuche konnten 14 Mensch-Hund-Teams ihre Einsatzfähigkeit bestätigen, während in der Trümmersuche zwei Teams die anspruchsvolle Prüfung positiv beenden konnten.
Auch zwei Teams der Rettungshundestaffel Landsberg am Lech sind für die Prüfung angetreten. Trotz intensiver Vorbereitung konnte nur ein Team bestehen: Claudia Krömmer, angetreten mit Hund Manolo, hat die komplexe Prüfung in der Trümmer-/Flächensuche mit Bravour gemeistert und erhielt die Zertifizierung nach DIN 13050 auf Basis der Gemeinsamen Prüfungs- und Prüferordnung für Rettungshundeteams (GemPPO), die sie zu Rettungseinsätzen zulässt.

„Ich freue mich wahnsinnig, dass Manolo und ich die Prüfung bestanden haben. Das ist nicht selbstverständlich und wäre ohne die Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen nicht möglich gewesen. Ich bin sehr stolz, Teil dieses Teams zu sein", erzählt Claudia Krömmer.
Die Hund-Mensch-Teams zeigten unter realitätsnahen Bedingungen in dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände das Suchen, Auffinden und Versorgen von vermissten und verletzten Personen. Zwei Verletztendarsteller waren hier versteckt, die die Hunde innerhalb von 20 Minuten finden und ihrem Hundeführer dieses anzeigen mussten. Dabei durften die Vierbeiner dem Vermissten jedoch nicht zu nahe kommen oder belästigen, denn im echten Einsatzfall muss gewährleistet sein, dass die Hunde einen möglicherweise Schwerverletzten nicht bedrängen. Der Hundeführer musste anschließend schnell und korrekt die Erstversorgung leisten. Auch das Zusammenspiel im Team wurde in der Gehorsamkeitsprüfung getestet. Geprüft wurde unter anderem, ob der Rettungshund auf Kommandos korrekt reagiert und seinem Hundeführer auch ohne Leine folgt.

Eine einmal bestandene Grundprüfung muss alle 18, bzw. nach neuer Prüfungsordnung alle 24 Monate, wiederholt und aufgefrischt werden. Nur damit ist sichergestellt, dass das Hund-Mensch-Team weiterhin für den Einsatz zugelassen ist.

Claudia Adam von der Rettungshundestaffel Landsberg hat die zentrale Prüfung gemeinsam mit ihrem Team vorbereitet. „Diese Prüfung zu planen war sehr aufwändig und zeitintensiv. Dank des Engagements jedes einzelnen Mitgliedes konnten wir eine rundum gelungene Veranstaltung durchführen", berichtet die erfahrene Hundeführerin. „Auch wenn nicht alle Teams bestanden haben, sind wir mit dem Ergebnis zufrieden. Mit unseren strengen Auflagen in der Prüfungssituation und unseren stets aktuellen Ausbildungsinhalten bieten wir eine hohe Qualität bei den späteren Einsätzen, fördern korrekte und zeitgemäße Maßnahmen im Notfall und können den Verletzten somit zielgerichtet versorgen", erläutert Adam weiter.

„Dass ein Team diese komplexe Prüfung nicht besteht, kann viele Gründe haben. Eine Prüfungssituation ist immer eine Ausnahmesituation für Hund und Mensch. Allein die Aufregung des Hundeführers kann sich auf den Hund übertragen und ein Scheitern verursachen. Man reagiert in solchen Situationen einfach anders als sonst, was die Zusammenarbeit dann erschwert. Manchmal liegt es auch daran, dass eine gedachte Taktik des Hundeführers nicht mehr aufgeht, da sich z.B. die Wetterbedingungen plötzlich geändert haben, die bei der zuvor ausgedachten Taktik zum Erfolg geführt hätten. Mit einem plötzlichen unvorhersehbaren Drehen des Windes oder auch bei Verwirbelungen kann der Hund keine Witterung mehr aufnehmen", berichtet Claudia Adam.

Die Teams, die die Prüfung nicht bestanden haben, können diese frühestens nach vier Wochen wiederholen. Bis zum neuen Prüfungstermin hat das Hund-Mensch-Team die Gelegenheit, weiterhin für die vielschichtige Prüfung zu trainieren.

Unterstützt wurden die Johanniter vom Sanitätsdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe Rostock, der die Verletztendarsteller zur Verfügung stellte, dem Johanniter-Betreuungszug aus Woldegk, der für die Verpflegung verantwortlich war und von befreundeten Hundestaffeln.


Ausbildung zum Rettungshund

Die Ausbildung zum Rettungshund dauert rund zwei Jahre und wird mit der Rettungshundeprüfung abgeschlossen, die alle 24 Monate aufgefrischt werden muss. Die Prüfung besteht aus einem Theorie- und einem Praxisteil. Nur nach bestandener Prüfung dürfen die Rettungshundeteams weiterhin in den Einsatz gehen, wenn Menschen vermisst werden.

Über die ehrenamtliche Rettungshundearbeit

Die Johanniter-Rettungshundestaffeln sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit. Als Fachdienst im Rahmen des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes betreiben die nach DIN 13050 zertifizierten Rettungshundeteams in Zusammenarbeit mit der Polizei und den Feuerwehren die Personensuche nach Vermissten. Nur mit gültiger Zertifizierung dürfen die Rettungshundeteams in den Einsatz gehen. Die Staffeln werden über die jeweilige Leitstelle angefordert, wenn es darum geht, Vermisste oder Verunglückte zu finden. In der Fläche ersetzt ein Hund etwa 40 bis 50 Helfer und kann in 20 Minuten bis zu 30.000 Quadratmeter absuchen. Die Arbeit der Rettungshundestaffeln erfolgt ehrenamtlich und ist auf Spenden angewiesen.

Ihr Ansprechpartner Sarah Rizzato

Pressesprecherin

Dornierstr. 2
82178 Puchheim

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