Blutrache existiert auch heute noch in Europa

Allgäu, 23. Dezember 2016

In Albanien, einem der ärmsten Länder Europas, herrschen auch heute noch zum Teil unvorstellbar schlechte Lebensbedingungen. Daher gehört der kleine Balkanstaat mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern seit Jahren zu den Zielregionen der Johanniter-Weihnachtstrucker. Diese werden auch in diesem Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr mit ihren Hilfspaketen ein kleines Stück Lebenshilfe und ein Zeichen der Hoffnung zu den Ärmsten der Armen bringen.

„Die Zustände, unter denen viele Menschen in Albanien heute noch leben müssen, sind bestürzend“, sagt Daniela Benkert von der Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie hat in den letzten sechs Jahren den albanischen Konvoi der Johanniter-Weihnachtstrucker geleitet. Drei weitere Konvois mit insgesamt bis zu 40 LKW fahren nach Bosnien, Nord-Rumänien sowie Zentralrumänien. „Gerade im Winter, wenn die Erde gefroren ist, leiden erschreckend viele Menschen unter Hunger. Viele Kinder tragen bei Minustemperaturen nur unzureichende Kleidung am Leib und keine Schuhe“, berichtet die junge Frau aus Donauwörth und fügt kopfschüttelnd hinzu: „…und das mitten in Europa!“. Viele der Menschen seien wochenlang in ihren Bergdörfern eingeschneit. „Manche Gegenden können mit den Sattelzügen gar nicht erreicht werden, weil es einfach keine oder viel zu enge Straßen gibt. Ein anderes häufig vorkommendes Problem sind die sehr niedrig hängenden, provisorischen Stromleitungen, unter denen die LKW nicht gefahrlos durchkommen."

In Fällen wie diesen ist Improvisationstalent gefragt. „Dann laden wir eben auf Kleintransporter unserer Partnerorganisationen vor Ort um. Manche Menschen kommen aber auch mit ihren Eseln aus den Bergen, um sich ein Paket abzuholen“, erzählt Daniela Benkert.

Die Päckchen aus Deutschland, die jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von den Johannitern gesammelt werden, enthalten gemäß einer vorgegebenen Packliste (diese ist nötig, um Probleme bei der Zollabfertigung zu vermeiden) bestimmte Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis und Speiseöl, Hygieneartikel sowie ein kleines Spielzeug für die Kinder. Im Dezember 2015 wurden rund 6000 solcher Päckchen in sechs LKW und Sattelzügen nach Albanien gebracht.

In Albanien werden die Päckchen aus Deutschland direkt an vorab ausgewählte, notleidende Kinder, Familie, Senioren und behinderte Menschen verteilt. Eine wichtige Anlaufstelle ist das Kloster in Shkoder. Dort setzt sich seit vielen Jahren Sr. Maria Christina Färber vom Orden „Spirituelle Weggemeinschaft für die notleidende Bevölkerung ein. In dieser Gegend, in der bis heute das Prinzip der Blutrache gelebt wird, ist das Kloster für Viele ein Lichtblick und ein Rettungsanker. Hier finden die durch die Blutrache traumatisierten Kinder und Jugendlichen Unterschlupf und werden betreut. Außerdem kümmern sich die Schwestern um die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung im Umfeld des Klosters und setzen sich für eine gewisse Infrastruktur in den Armenvierteln der Region ein.

„Die Schwestern des Ordens haben engen, vertrauensvollen Kontakt zur Bevölkerung. Aufgrund ihrer örtlichen Kenntnisse und ihres exzellenten Netzwerks leisten sie wertvolle und unverzichtbare Hilfe bei der gerechten und geordneten Verteilung der Hilfspakete“, berichtet Daniela Benkert. „Sie sorgen auch dafür, dass die Notleidenden in den entlegenen und unzugänglichen Bergdörfern ihre Päckchen bekommen, die sie dann hüten, wie einen Schatz.“

Die Eindrücke bei der Verteilung seien immer wieder überwältigend. „Die Freude über die Pakete und über die teilweise beigelegten Weihnachtskarten oder gemalten Bilder ist riesengroß. Neben der echten Überlebenshilfe durch dringendst benötigte Nahrungsmittel, spielt auch der persönliche Kontakt zu den Menschen eine enorm wichtige Rolle. Es ist wichtig für die Menschen, zu sehen, dass sie nicht vergessen wurden.“

Ihre Ansprechpartnerin Miriam Wolf

Einsteinstraße 9
85716 Unterschleißheim