Pflegestärkungsgesetz II

Potsdam, 10. Februar 2016

Die Johanniter erläutern, was sich für Pflegebedürftige ändert

Potsdam • Das zweite Pflegestärkungsgesetz ist am 1. Januar in Kraft getreten. „Für die Patienten ändert sich in diesem Jahr noch nichts“, erklärt Marita Lahr-Eigen, Pflegeexpertin der Johanniter-Unfall-Hilfe in Potsdam. „Das Gesetz wird erst zum 1. Januar 2017 für Pflegebedürftige wirksam.“ Der Kern des zweiten Pflegestärkungsgesetzes ist die Überführung der bislang geltenden Pflegestufen durch fünf Pflegegrade. Für die Eingruppierung wird zudem der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert: Dabei rückt der Mensch in seiner Lebenswelt und mit allen seinen für das Leben und die Bewältigung des Alltags relevanten Einschränkungen in den Blick. Beeinträchtigungen des Körpers, der Psyche und der Wahrnehmung werden bei der Einstufung gleichermaßen berücksichtigt. Darunter fallen auch Auswirkungen demenzieller Erkrankungen.

Künftig zählt Selbstständigkeit

Bei der Begutachtung ab Januar 2017 wird der Grad der Selbstständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen gemessen – zum Beispiel Mobilität, kommunikative Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Mit unterschiedlicher Gewichtung werden die Ergebnisse dann zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad. Der Pflegegrad 1 ist für Menschen gedacht, die noch keinen erheblichen Unterstützungsbedarf haben, aber zum Beispiel eine Pflegeberatung benötigen, eine Anpassung des Wohnumfeldes oder Leistungen der allgemeinen Betreuung. So wird der Kreis der Menschen, die erstmals Leistungen der Pflegeversicherung bekommen, deutlich erweitert.

Wer bereits Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird per Gesetz automatisch in das neue System übergeleitet. Niemand muss einen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. Dabei gilt: Alle, die schon Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, bekommen diese mindestens in gleichem Umfang weiter. Viele erhalten sogar deutlich mehr. Ebenfalls positiv: „Künftig werden mehr demenziell erkrankte Menschen Pflegeleistungen erhalten“, bilanziert Frau Lahr-Eigen. „Das freut uns als Johanniter sehr."

Dienstleistungen verändern sich

Weitere Veränderungen durch das Pflegestärkungsgesetz II betreffen neben den Pflegekunden die Dienstleister: Erstmalig können Pflegedienste neben körperbezogenen Maßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung auch Entlastungsangebote für die Angehörigen anbieten. Das Leistungsspektrum der Pflegedienste erweitert sich dadurch. Entsprechende Angebote werden zurzeit nach regionalem Bedarf erarbeitet. „Was da auf uns zukommt, ist eine wirkliche Verbesserung für die Kunden“, freut sich Frau Lahr-Eigen.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe betreibt deutschlandweit mehr als 100 ambulante Pflegedienste. Rund 3000 Pflegekräfte arbeiten in diesem Bereich. In 100 Einrichtungen des Betreuten Wohnens kümmern sich die Johanniter um die Bewohner, wenn diese Hilfe benötigen. Fragen rund um das Thema Pflegestärkungsgesetz beantworten die Potsdamer Johanniter telefonisch unter: 0331 23623-161