Herausforderungen bei der Bewältigung von taktischen Lagen

Hannover, 25. November 2017

Rund 80 Führungskräfte und Fachdozenten aus dem Bevölkerungsschutz der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen, befreundeter Hilfsorganisationen sowie der Feuerwehren und Polizei bildeten sich auf dem ersten Forum Bevölkerungsschutz in der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen fort.

Am 25. November trafen sich rund 80 Führungskräfte und Fachdozenten aus dem Bevölkerungsschutz der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen, befreundeter Hilfsorganisationen sowie der Feuerwehren und Polizei auf dem ersten Forum Bevölkerungsschutz in der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen, um sich über Herausforderungen bei der Bewältigung taktischer Lagen auszutauschen. Gemeinsam mit Fachleuten aus Behörden und Medizin wurde das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet: aus der Sicht des Niedersächsischen Innenministeriums, aus polizeilicher Sicht sowie aus Sicht eines Ärztlichen Leiters Rettungsdienst (ÄLRD). Experten von Seiten des Landeskriminalamts und der Bundeswehr referierten zur taktischen Verwundetenversorgung – einmal mit dem Schwerpunkt Taktik und einmal mit dem Schwerpunkt Medizin.

Die historischen Flüchtlingsbewegungen vor gut zwei Jahren, der Terroranschlag in Berlin sowie in den europäischen Nachbarstaaten, Cyberangriffe aber auch Unglücksfälle bei Rockkonzerten, Eisenbahnunglücke oder Großunfälle auf Autobahnen zeigen den akuten Bedarf eines leistungsfähigen Bevölkerungsschutz. Unvorhergesehen können diese Vorfälle eintreten und einen Großteil der Öffentlichkeit betreffen. Eine Vielzahl von Menschen muss nicht nur adhoc medizinisch versorgt, sondern auch betreut werden. Unterbringung, die Ausgabe von Getränken, Nahrung und anderen Dingen des täglichen Bedarfs sowie die psychologische Betreuung müssen im Notfall sichergestellt sein.

Diesem veränderten Bedrohungsszenario und neuen Möglichkeiten bei Ausbildung und Aus­stattung der Einheiten zur Katastrophenabwehr folgend, wurde in Niedersachsen eine interdiszi­plinäre Arbeitsgruppe unter intensiver Einbezie­hung aller fünf Hilfsorganisationen im Katastro­phenschutz in Niedersachsen eingerichtet, die sich mit der Neufassung der Vorgaben zu Stärke und Gliederung der Einheiten im Katastrophenschutz befasste. Das Land stellte mit einem Erlass zur Gliederung und Sollstärke der Einheiten das niedersächsische Katastrophenschutzsystem in diesem Jahr neu auf und passte es an aktuelle Erfordernisse an. Damit ist auch die Einsatztaktik verbunden, vor allem im überregionalen Einsatz. „Niedersachsen hat sich in diesem Jahr neue Strukturen in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr gegeben und passt sich damit an eine veränderte Bedrohungslage an. Mit zeitgemäßen Einsatzmitteln, einer fundierten Ausbildung und einer einheitlichen Einsatztaktik stärken wie den ehrenamtlich getragenen Katastrophenschutz“, sagte Mirko Temmler, Referatsteilleiter Katastrophenschutz im Niedersächsischen Innenministerium. Er stellte im Forum die Neukonzeption der medizinischen Gefahrenabwehr in Niedersachsen vor und stellte sich den Fragen der Teilnehmer.

Nicht nur Konzepte auf regionaler bzw. Bundeseben kamen zur Sprache. Constantin Wenzel vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) referierte über den Katastrophenschutz der EU. „Der EU-Katastrophenschutzmechanismus ist ein Erfolgsmodell“, so Wenzel, „Seit 2001 wird die europäische Zusammenarbeit immer weiter intensiviert und verbessert. Heute arbeiten 34 Staaten zusammen um Katastrophenvorsorge zu betreiben, Risiken zu minimieren, sich bei Katastrophen gegenseitig zu unterstützen und auch weltweit zu helfen.“

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem Vortrag aus der Praxis. Thorsten Ernst, Bereichsleiter für Einsatzdienste bei den Johannitern im Landesverband Niedersachsen/Bremen stellte kritisch die Frage: „Die Anforderungen an die Führungskräfte bei Großveranstaltungen wachsen stetig – aber sind sie auch darauf vorbereitet?“ Er hinterfragte die hinreichende Eignung und Qualifikation von Führungskräften basierend auf Erfahrungen bei Großeinsätzen. Zuletzt war Ernst Einsatzleiter beim Deichbrand-Festival in Cuxhaven mit mehr als 55.000 Besuchern und Gesamteinsatzleiter beim Evangelischen Kirchentag am Standort Wittenberg mit über 120.000 Besuchern zum Abschlussgottesdienst.

Teil der Fortbildungsveranstaltung waren zudem praktische Workshops, wie z.B. zur Damagecontrol. Zusätzlich informierten verschiedene Aussteller die Besucher über Produktneuheiten, Dienstleistungen oder Studiengänge.

Forum Bevölkerungsschutz in der Johanniter-Akademie in Hannover

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